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Dussehra-Fest in Indien : Brandbeschleuniger der Pandemie?

Dicht an dicht: Inder fotografieren am Sonntag in Delhi eine brennende Figur des Ravanda, der mit der Darstellung des Coronavirus dekoriert ist. Bild: EPA

Zu den alljährlichen Hindu-Festen rücken viele Inder wieder näher zusammen und feiern ausgelassen die religiösen Aufführungen. In Zeiten der Pandemie könnte das zum Problem werden.

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          Fast alles lässt sich in diesen Corona-Tagen online verfolgen. Dazu gehören auch die Ramlilas, die religiösen Aufführungen in Indien, die Szenen aus dem Leben des Hindu-Gottes Rama wiedergeben. Doch viele Inder wollen sich nicht davon abhalten lassen, das oft mehrtägige Spektakel live zu verfolgen. Deshalb haben sich nun etwa 400 bis 500 Besucher im Shastri-Park im Osten Delhis vor einer Bühne versammelt, unter ihnen viele Kinder. Gebannt sehen sie zu, wie die mit langen schwarzen Locken gesegnete Gottheit wieder einmal den Sieg über den Dämonen Ravana davonträgt. Dabei kommen sie sich allerdings näher, als es in dieser Zeit ratsam erscheint: Die Stühle, die extra mit einem großzügigen Sicherheitsabstand aufgestellt worden waren, hat das Publikum zusammengerückt.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Es ist eine Szene, wie sie in den vergangenen Tagen an vielen Orten Indiens zu beobachten war. Auf dem Subkontinent feierten viele Menschen das Dussehra-Festival, dessen Highlight jedes Jahr die Ramlilas sind. Es ist der Auftakt für eine ganze Reihe religiöser Feste, die im November in Diwali gipfeln, dem hinduistischen Lichterfest. Zu dieser Zeit finden sich die Menschen millionenfach in Tempeln und auf Märkten zusammen, und sie besuchen ihre Familien und Nachbarn. Fachleute warnen, dass diese Zusammenkünfte zu einem sprunghaften Anstieg bei den Corona-Zahlen führen könnten. Selbst Ministerpräsident Narendra Modi warnte deshalb vergangene Woche in einer Fernsehansprache an die Nation vor Nachlässigkeit: „Jüngst haben wir viele Fotos und Videos gesehen, die klar gezeigt haben, dass die Menschen nicht mehr aufpassen. Das ist nicht richtig.“

          Sehnsucht nach mehr Normalität

          Die Befürchtungen sind groß, dass mangelnde Vorsicht auch die leichte Entspannung in der Pandemie-Situation gefährden könnte. Zwar ist Indien mit kumuliert fast acht Millionen Infektionen das Land mit den meisten nachgewiesenen Corona-Fällen der Welt nach den Vereinigten Staaten. Mit 119.000 Toten hat die Pandemie nur in Amerika und Brasilien mehr Opfer gefordert. Aber diese Zahlen sind auch im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung von 1,35 Milliarden Menschen zu sehen. Außerdem hat die Zahl der Neuinfektionen zuletzt deutlich abgenommen. Während es im September täglich noch 90.000 Fälle waren, sind es jetzt weniger als 50.000. Gleichzeitig gibt es aber auch Zweifler, die eine Änderung bei den Tests dafür verantwortlich machen. Zudem dürfte die tatsächliche Zahl der Fälle weit höher liegen. Das haben Antikörperstudien gezeigt.

          Manche glauben dennoch, dass der Höhepunkt der Pandemie in Indien schon überschritten sein könnte. Nachdem viele in den vergangenen Monaten kaum aus dem Haus gegangen waren, macht sich auch die Sehnsucht nach mehr Normalität im Leben breit. Gerade die Ramlilas sind ein Spektakel, dem man sich schwer entziehen kann. In ihren prächtigen Kostümen geben die Schauspieler Geschichten aus dem Heldenepos Ramayana zum Besten und interagieren dabei oft direkt mit dem Publikum. „Die Kinder wollten unbedingt das Ramlila anschauen, deshalb bin ich mit ihnen hierhergekommen. Abgesehen davon bleiben sie aber immer zu Hause“, sagt die 38 Jahre alte Sushma, die mit ihren Kindern im Publikum sitzt. Dabei habe sie selbst ein etwas ungutes Gefühl, und ihr Ehemann habe auch geschimpft. Sie hofft aber, durch die Maske und regelmäßiges Händewaschen einigermaßen sicher zu sein.

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