https://www.faz.net/-guw-a4tbd

Dussehra-Fest in Indien : Brandbeschleuniger der Pandemie?

„Gott passt auf mich auf“

So hält es auch die 15 Jahre alte Preeti, die sich zusätzlich auf eine höhere Macht verlässt. Lord Rama habe sie gerufen, an der Veranstaltung teilzunehmen: „Ich habe nicht einmal daran gedacht, dass ich mich mit dem Coronavirus anstecken könnte. Gott passt auf mich auf.“ So ähnlich sehen es viele. Einer Umfrage zufolge tragen in Indien 44 Prozent der Menschen draußen eine Maske, obwohl sich 90 Prozent ihrer Wirksamkeit bewusst sind. In einigen Geschäftsstraßen und Märkten der Hauptstadt sind nun wieder ähnlich viele Menschen unterwegs wie vor Beginn der Pandemie.

Dabei gibt es neben dem Virus noch eine zweite Bedrohung für die Menschen. Wie jedes Jahr leidet vor allem die Hauptstadt wieder unter schwerem Smog. Seit Tagen werden schädliche Luftwerte gemessen. Eine Studie der Harvard-Universität besagt, dass sich die Covid-19-Sterberate durch Luftverschmutzung um etwa acht Prozent erhöht. Vor allem in der Hauptstadt Delhi könnten die Krankenhäuser deshalb schnell wieder überfordert sein. Delhi gehört auch zu den wenigen Orten Indiens, in denen die Zahlen weiter steigen. Am Montag waren es wieder mehr als 4000 Neuinfektionen. Die Hindu-Feste könnten sich als „Superspreader-Events“ erweisen.

„Wir verstoßen gegen keine Corona-Vorschriften“

Beim Ramlila in Ost-Delhi wurde dabei durchaus versucht, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. „Wir verstoßen gegen keine Corona-Vorschriften“, versichert der Organisator Prem Pal Singh. Freiwillige wie der 20 Jahre alte Rahul Sharma sollen darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden. Er habe selbst einen Angehörigen durch Covid-19 verloren, sagt Sharma. „Ich will sicherstellen, dass anderen nicht geschieht, was ich erlebt habe.“ Doch der Aufpasser gibt zu, dass die Menschen nur schwer dazu zu bringen seien, sich an die Regeln zu halten. „Sie haben keine Angst vor dem Virus. Die Kinder kümmern sich nicht um die Vorsichtsmaßnahmen, weil die Eltern es auch nicht tun.“

Manchen ist es bei der Veranstaltung deshalb auch zu unsicher. Die 30 Jahre alte Sangita sitzt mit ihrem Kind lieber auf der Straße außerhalb des Veranstaltungsgeländes auf einem Motorroller. „Wir halten uns von dem Gedränge fern. Von hier können wir das Ramlila genauso gut sehen“, sagt sie. Die Aufführung im Shastri-Park endet trotz der Maßnahmen wie immer mit dem Abbrennen großer Papierfiguren, die den Dämon Ravanda, seinen Bruder und seinen Sohn darstellen sollen. Das Publikum steht dabei ohne Sicherheitsabstand Schulter an Schulter. Es schaut zu, wie in diesem Jahr auch noch ein viertes Kunstwerk den Flammen übergeben wird: Diese grimmige Papierfigur repräsentiert das Coronavirus.

Mitarbeit: Raghavendra Verma

Weitere Themen

Topmeldungen

Alexander Kekulé ist Professor für Medizinische Mikrobiologie und Virologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Corona und Propaganda : Chinas deutscher Kronzeuge

Das Coronavirus stamme gar nicht aus Wuhan, verbreitet das chinesische Staatsfernsehen – und zitiert den Virologen Alexander Kekulé. Doch der hat das gar nicht gesagt. Das Verwirrspiel zeigt Wirkung.
Intensivstation im Essener Universitätsklinikum: Unter anderem um Investitionen in das deutsche Gesundheitssystem geht es beim Bund-Länder-Ausgleich wegen der Corona-Lasten.

Bund-Länder-Streit : Wer zahlt die Kosten der Pandemie?

Die Länder beklagen sich über den Vorstoß von Ralph Brinkhaus, der ihnen mehr finanzielles Engagement in der Corona-Krise abverlangen will. Jeder verweist auf seine Hilfspakete – doch wer die größten Lasten trägt, ist klar.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.