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Coronavirus in Deutschland : Virologe Streeck rechnet mit massivem Anstieg der Infektionszahlen

  • Aktualisiert am

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck. Bild: dpa

Auch „20.000 Infektionen am Tag sollten uns im Grunde keine Angst machen“, sagt Streeck. Man müsse nun zu einer „achtsamen Normalität“ finden. Unterdessen fordert SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach eine andere Organisation des Unterrichts an Schulen.

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          Der Bonner Virologe Hendrik Streeck rechnet mit einem massiven Anstieg der Infektionszahlen. Gleichzeitig betonte er, dass die Zahl der Neuinfektionen allein kein Grund zur Sorge sei. „20.000 Neuinfektionen pro Tag, das klingt erstmal nach Apokalypse, aber im Grunde sollte uns das keine Angst machen, weil ein milder Verlauf oder ein Verlauf ohne Symptome nicht so stark zum Infektionsgeschehen beiträgt“, sagte der Virologe in der Sendung „ARD extra“. Man müsse nun eine „achtsame Normalität“ finden, in der jeder Mensch im Falle eines schweren Verlaufs die bestmögliche Versorgung habe. „Dieses Virus kann nicht mehr aus dem Menschen ausgetrieben werden und wir müssen anfangen mit dem Virus zu leben“, so Streeck.

          Unterdessen dämpft SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die Hoffnungen auf einen schon 2021 verfügbaren Corona-Impfstoff für Kinder – und fordert angesichts steigender Infektionszahlen gestaffelte Unterrichtszeiten während der kalten Monate. „Präsenzunterricht kann zum Superspreadingevent im Herbst und Winter werden“, sagte der studierte Epidemiologe der „Rheinischen Post“. Um das Infektionsgeschehen einzudämmen, rät Lauterbach dazu, den Unterricht für einen Teil der Schüler morgens und für die anderen am Mittag zu beginnen. „Dafür braucht es einen entschlackten Lehrplan für das laufende Schuljahr, in dem manche Fächer ausnahmsweise nicht unterrichtet werden müssen – oder nur noch virtuell.“ So würden überfüllte Klassenräume und Stoßzeiten an den Schulen verhindert und das Risiko für Ansteckungen etwa in Bussen und Bahnen verringert.

          Zurzeit laute das Motto an den Schulen aufgrund fehlender Konzepte der Kultusministerien „Maske auf und durch“, kritisierte Lauterbach. „So gefährden die zuständigen Behörden unter Umständen die Gesundheit der Schüler, Lehrer und Eltern und riskieren immer weiter steigende Infektionszahlen, weil Schüler das Virus genauso wie Erwachsene weitergeben können.“

          Lauterbach rechnet damit, dass die Schulen noch das ganze Schuljahr 2020/2021 mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen haben werden und ihre Unterrichtspraxis radikal umstellen müssen. Das gelte umso mehr, weil junge Menschen wahrscheinlich nicht zur gleichen Zeit wie Erwachsene geimpft werden könnten. „Es ist nicht zu erwarten, dass wir im kommenden Jahr Kinder und Jugendliche impfen können“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“. Sie seien nicht Teil laufender Studien, „weswegen ein möglicher Impfstoff für junge Menschen nicht zugelassen werden kann“.

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