https://www.faz.net/-guw-9zf0o

NDR/WDR-Umfrage zu Mitarbeitern : Gesundheitsämter mit Kontaktverfolgung überfordert

  • Aktualisiert am

Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Berlin-Mitte Bild: dpa

Zahlreiche Gesundheitsämter haben nicht genug Mitarbeiter, um die Kontaktpersonen von Corona-Infizierten so nachzuverfolgen wie gewünscht. Das zeigt eine Umfrage. Bei der Kontrolle häuslicher Quarantäne soll eine App entlasten.

          3 Min.

          Vielen deutschen Gesundheitsämtern fehlt es an Mitarbeitern. Sie können die Kontaktpersonen von Corona-Infizierten nicht so nachverfolgen wie gewünscht. Das ergab eine Umfrage unter allen Gesundheitsämtern in Deutschland durch NDR und WDR in dieser Woche.

          Die Umfrage ging an mehr als 380 Gesundheitsämter. Von ihnen haben laut NDR/WDR 178 schriftlich geantwortet und die Zahl der Personen genannt, die vor Ort für die Kontaktverfolgung zur Verfügung stehen. Die Antworten zeigen, dass in 119 Stadt- und Landkreisen (67 Prozent) das Nachfassen nicht so erfolgt, wie es der Beschluss von Bund und Ländern vom 25. März vorsieht.

          Der Bund und die Länder hatten sich darauf verständigt, dass jeder Landkreis pro 20.000 Einwohner ein aus fünf Mitarbeitern bestehendes Team bilden muss, um Kontaktpersonen der Kategorie 1 nachzuverfolgen. Dazu zählen Personen, die mindestens 15 Minuten lang direkten Gesichtskontakt zu einem Corona-Infizierten hatten. Diese Menschen sollen von Mitarbeitern des örtlichen Gesundheitsamtes kontaktiert und in häusliche Quarantäne geschickt werden.

          Neue RKI-Zahlen

          Nach den jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI)ist die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle in Deutschland um 933 auf 172.239 gestiegen. Die Zahl der Todesopfer nahm um 89 auf 7723 zu. Die im amerikanischen Baltimore ansässige Johns-Hopkins-Universität (JHU) meldete 174.098 Infizierte. Das RKI, das nur die elektronisch übermittelten Zahlen aus den Bundesländern berücksichtigt und seine
          Aufstellung einmal täglich aktualisiert, registrierte bislang 7723 Todesfälle, die JHU 7861 Tote. Die Zahl der Genesenen betrug etwa 150.300.

          In der Umfrage wurde ebenfalls gecheckt, ob die Ämter alle Kontaktpersonen der Kategorie 1 auf das Corona-Virus testen. Wie die Antworten zeigen, ist dies nur in 21 Landkreisen (12 Prozent) der Fall. Davon liegen allein 11 in Baden-Württemberg. Der mögliche Grund: Die dortige Landesregierung hat die Finanzierung der Tests übernommen, da die Krankenkassen dies nur bei Personen zusagen, die auch Krankheitssymptome zeigen.

          Nur 25 Gesundheitsämter und damit 14 Prozent hatten geantwortet, dass sie derzeit überlastet seien und deshalb ihren Aufgaben nicht vollständig nachkommen können. Am häufigsten gaben dabei Gesundheitsämter in Thüringen an, überlastet zu sein. Dabei ist die Zahl der Corona-Infizierten dort relativ zu anderen Bundesländern gering.

          Bayern verweigert sich Umfrage abermals

          Zum wiederholten Male nahmen die Gesundheitsämter in Bayern nicht an der Umfrage teil. Dort hatte die Landesregierung laut NDR/WDR schon bei einer früheren Umfrage die Gesundheitsämter aufgefordert, nicht auf Presseanfragen zu antworten. „Da diese Umfragen nicht mit uns abgestimmt sind, bitten wir Sie, von einer Beantwortung Abstand zu nehmen“, zitieren die Sender aus einem Schreiben, das das bayerische Gesundheitsministerium an die Gesundheitsämter verschickt hatte. Auch das Ministerium selbst hat den Angaben zufolge auf die aktuelle Anfrage über die Ausstattung der Gesundheitsämter nicht geantwortet.

          Sowohl Gesundheitsminister Jens Spahn als auch RKI-Vizepräsident Lars Schaade befürworten, dass alle Kontaktpersonen der Kategorie 1 getestet werden sollen. Ausreichende Kapazitäten dafür seien vorhanden, so Schaade. So wurden nach Angaben des RKI bundesweit zuletzt 317.000 Corona-Tests pro Woche in Deutschland durchgeführt, die Kapazität liege inzwischen aber bei mehr als einer Million Tests pro Woche.

          Um die Ämter zu entlasten, soll die Kontrolle der Einhaltung der häuslichen Quarantäne von Corona-Kontaktpersonen und -Infizierten künftig über eine Handy-App erfolgen. Geplant sei eine „Webapplikation zur Entlastung des öffentlichen Gesundheitsdienstes bei dem Prozess des Symptom-Checks in häuslicher Quarantäne befindlicher Personen“, heißt es in einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Konstantin Kuhle, die dem „Handelsblatt“ vorliegt. Aktuell werde eine technische Lösung entwickelt, die eine „freiwillige digitale Meldung“ durch Betroffene an das zuständige Gesundheitsamt erlaube.

          Corona-Kontaktpersonen seien „angehalten, während der häuslichen Quarantäne ihren Gesundheitszustand zu überwachen und dem Gesundheitsamt täglich Informationen zum Gesundheitszustand zu übermitteln“. Dies geschehe derzeit häufig telefonisch und sei „mit einem erheblichen personellen Aufwand verbunden“, heißt es in der Antwort auf die FDP-Anfrage. Die geplante Quarantäne-App, die laut Ministerium als Symptomtagebuch angelegt ist, soll Abhilfe schaffen.

          Weitere Themen

          Kommt eine Kuh zur Polizei... Video-Seite öffnen

          Ungewöhnlicher Besucher : Kommt eine Kuh zur Polizei...

          Was sich wie der Anfang von einem Scherz anhört, ist in Australien Realität geworden. Die Kuh war kürzlich auf das Gelände einer australischen Polizeiwache gelangt und hat dann auch ziemlich zielstrebig den Weg ins Innerere der Gebäudes gesucht, wie die Überwachungskameras zeigen.

          Topmeldungen

          Auf der Suche nach Yves Etienne Rausch: Ein Polizeihubschrauber über dem Waldgebiet nördlich von Oppenau

          Flüchtiger bei Oppenau : „Der Wald ist sein Wohnzimmer“

          Noch immer wird er gesucht: Dass sich vier Polizisten von einem „Waldläufer“ überwältigen ließen, sorgt für Belustigung. Polizei und Staatsanwaltschaft haben daher am Dienstag noch einmal detailliert geschildert, wie es dazu kam.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.