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Aufbau der Ponte Morandi : Diese Brücke soll Italien wieder Hoffnung geben

Die wiederaufgebaute Autobahnbrücke in Genua Anfang April kurz vor der Fertigstellung des Stahlgerüsts Bild: EPA

Der Wiederaufbau der im August 2018 eingestürzten Autobahnbrücke in Genua steht kurz vor dem Abschluss. Das von Stararchitekt Renzo Piano entworfene Bauwerk soll ein Erfolgsmodell für das vom Coronavirus geplagte Land sein.

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          An der neuen Brücke über den Fluss Polcevera wird rund um die Uhr gearbeitet. Nachts ist die Baustelle in gleißendes Scheinwerferlicht getaucht. Vom Ostufer her nehmen zudem drei Laserstrahlen in den italienischen Landesfarben den vollständigen Brückenschlag über das breite Flusstal vorweg. Lange muss Genua, muss der wichtigste Hafen im Nordwesten Italiens nicht mehr auf die Wiederherstellung der wichtigsten Verkehrsverbindung ins Hinterland warten, die seit dem Einsturz der Autobahnbrücke, der Ponte Morandi, am 18. August 2018 unterbrochen ist.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Bis Sonntag soll das letzte, knapp 70 Meter lange Teilstück der Stahlkonstruktion auf die Pfeiler gesetzt werden. Bürgermeister Marco Bucci wünscht sich, dass die Lücke schon am Freitag geschlossen wird. Denn am Samstag begeht Italien den „Tag der Befreiung“ vom Faschismus vor 75 Jahren. Es wäre zum Nationalfeiertag ein symbolträchtiges Geschenk einer seit sechs Wochen schwer an der Coronavirus-Pandemie leidenden Nation an sich selbst.

          Ohne Richtfest

          Ein großes Richtfest wird es an der gut einen Kilometer langen und bis zu 45 Meter hohen Brücke ohnedies nicht geben. Schließlich gilt in ganz Italien noch bis zum 3. Mai eine strenge Ausgangssperre, und auch die Wirtschaftstätigkeit bleibt bis dahin stark eingeschränkt. Nur als lebensnotwendig eingestufte Wirtschafts- und Dienstleistungszweige sind vom „Shutdown“ ausgenommen.

          Dass die berühmteste Baustelle des Landes dieses besondere Siegel umstandslos bekam, daran hat in Ligurien oder anderswo im Land niemand Anstoß genommen. Denn das kunstvolle Werk aus Beton und Stahl, entworfen vom Genueser Stararchitekten Renzo Piano, soll als „Modello Ponte“ (Modell Brücke) für den „Wiederaufbau“ der Region, ja des ganzen Landes nach Pandemie und Rezession dienen. Im Frühsommer, lange vor dem zweiten Jahrestag der Tragödie, sollen die Befestigungs- und Asphaltierungsarbeiten auf der Brücke abgeschlossen sein und die Fahrbahn für den Verkehr freigegeben werden. 43 Scheinwerfer auf schlanken Laternenpfählen, die an die 43 Todesopfer der Katastrophe erinnern, werden die Brücke erleuchten.

          Vorbildliche Zusammenarbeit

          Wie das „Modell Brücke“ beim Kampf gegen die Pandemie funktionierte und wie es bei der Wiederbelebung der ligurischen Wirtschaft Anwendung finden könnte, demonstrieren Bürgermeister Bucci und Regionalpräsident Giovanni Toti im täglichen Einvernehmen. Bucci, der zugleich Sonderbeauftragter der Regierung in Rom für den Wiederaufbau der Brücke ist, hatte umfassende Vollmachten bei der raschen und unbürokratischen Auftragsvergabe für den Brückenbau. Als Führer des Konsortiums wurden der halbstaatliche Schiffbauer Fincantieri und der italienische Baukonzern Salini Impregilo ausgewählt. Weder das Rathaus noch örtliche Interessenvertreter oder Gewerkschafter funkten dazwischen.

          Bucci und Toti sind unternehmerfreundlich und pragmatisch, fechten untereinander keine politischen Grabenkämpfe aus. Um die Krankenhäuser und Polikliniken Liguriens bei der Versorgung von schwer an Covid-19 erkrankten Patienten zu entlasten, wurde Mitte März in einer konzertierten Aktion von Stadt und Region die Fähre „Splendid“ zum Hospitalschiff hergerichtet. Die Reederei GNV nimmt einen Euro täglich als symbolische Pacht.

          Täglich 150.00 Schutzmasken mit der Post

          Seit dem 23. März werden von Ärzten und Pflegern städtischer und regionaler Gesundheitseinrichtungen Covid-19- Patienten mit weniger schweren Symptomen in den umgebauten Passagierkabinen des im Fährhafen vertäuten Schiffes versorgt; derzeit sind es gut vier Dutzend. Die Kapazität des Hospitalschiffes kann im Bedarfsfall kurzfristig auf hundert Betten erhöht werden. Der Frachtraum bietet Platz für die Einrichtung einer zusätzlichen Intensivabteilung. Die hat es bisher aber nicht gebraucht. Denn die Zahl der stationär behandelten Covid-19-Patienten geht in Ligurien seit dem 7. April zurück, auf zuletzt 980; intensivmedizinisch müssen 102 Patienten behandelt werden.

          In der Provinz mit rund 1,6 Millionen Einwohnern starben bis Montag 957 Menschen an der Lungenkrankheit. Die Region im äußersten Nordwesten des Landes konnte die Welle der Infektionen mit dem Coronavirus, das Norditalien besonders schlimm heimgesucht hat, bisher besser eindämmen als benachbarte Regionen. Die Regierung in Genua lässt über die Post täglich 150.000 Atemschutzmasken an alle Haushalte der Region austragen. Bis Anfang Mai sollen drei Millionen Masken verteilt werden.

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