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Gastronomie in Spanien : Neue Bar, neues Glück

Alles muss raus: Viele Bars in Madrid leben vom Open-Air-Geschäft. Bild: Bloomberg

In Spanien haben seit Beginn der Pandemie schon mehr als 100.000 Lokale aufgegeben. Nun setzen die Wirte auf ihre neuen Terrassen. In Madrid breitet sich mediterranes Lebensgefühl aus.

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          An der Theke wurde oft der Platz knapp, dabei war sie fast 30 Meter lang. Im „Hontanares“ kamen neben den Madridern viele Reisende vom Busbahnhof an der Avenida de América vorbei. Gut 1600 Gäste waren es täglich. Sie schätzten die einfache Speisekarte des Lokals, das Bar, Café und Bäckerei zugleich war. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1966 hatte es keinen einzigen Tag geschlossen – bis Corona kam. Seit Ende 2020 sind die Fenster mit weißen Papierbahnen zugehängt. Das „Hontanares“ ist ein Opfer der Pandemie.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Auch an der verschlossenen Tür der „Casa Manolo“ hängt keine Speisekarte mehr. Seit dem strengen Lockdown im vergangenen Frühjahr hat die kleine Bar, die für ihre Croquetas berühmt ist, nicht mehr aufgemacht. Im Zentrum der spanischen Hauptstadt war sie seit 1896 eine Institution. Um die Ecke liegt das spanische Parlament, gegenüber das Zarzuela-Theater. Tagsüber gehörten dort Abgeordnete zu den Gästen, abends kamen die Opernbesucher auf einen Aperitif. Berühmte Sänger wie Plácido Domingo und Monserrat Caballé gingen dort essen. Im Zarzuela-Theater haben die Mitarbeiter die Hoffnung noch nicht aufgeben, dass sich die Türen ihrer Stammkneipe wieder öffnen.

          100.000 Bars und Restaurants wurden aufgegeben

          Covid-19 hat den spanischen Lebensstil ins Mark getroffen. Denn eine Copa trinken die Menschen gemeinsam und nicht einsam zu Hause. Nirgends auf der Welt ist die Dichte an Lokalen so hoch: In Spanien kommt eines auf 168 Einwohner, in Deutschland eines auf 400. „Gaststätten und Hotels hat die Pandemie wirtschaftlich am schlimmsten getroffen. Die ständigen Einschränkungen und das Fehlen direkter Hilfen führten dazu, dass ein Drittel seine Türen endgültig schließen musste“, sagt José Luis Yzuel, Präsident von Hostelería de España, dem größten Branchenverband. Corona habe eine Trümmerlandschaft hinterlassen. Insgesamt mussten bis Ende März rund 100.000 Bars und Restaurants aufgeben. Angesichts der Impfkampagne und neuer Hilfen hofft Yzuel, dass das Schlimmste zumindest bald vorbei ist. Spätestens im Sommer könnten die Bars wieder zu den „Glücksbringern“ werden, „die so sehr fehlten“.

          Wenn Spanier in diesen Tagen etwas trinken oder essen wollen, dann müssen sie sich beeilen. In Barcelona und auf Mallorca schließen die Lokale zum Beispiel um 17 Uhr. Spätestens um 23 Uhr müssen alle Spanier zu Hause sein. In einigen Regionen beginnt die Ausgangssperre sogar schon um 22 Uhr. Um diese Zeit ist normalerweise in den Restaurants das Abendessen noch voll im Gange.

          Trinkhallen zum Weltkulturerbe erklären

          „Unsere Bars, Restaurants und Nachtlokale sind ein Teil von uns, unserer Gesellschaft, der Art und Weise, wie wir miteinander und mit unserer Geschichte umgehen“, lautet die Begründung für eine Rettungsaktion: Tausende Gastronomen riefen im Juni 2020 dazu auf, ihre Häuser, die mehr seien als Trinkhallen, zum Weltkulturerbe zu erklären. In Bars hätten Fußballstars ihre ersten Verträge auf einer Serviette unterzeichnet, am Tresen sei ein Verfassungsentwurf entstanden. Jedes dritte spanische Paar habe sein erstes Date in einer Kneipe gehabt.

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