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Vor allem junge Leute : Franzosen buchen fast eine Million Impftermine nach Macron-Rede

  • Aktualisiert am

Macron begründete die Einschränkungen mit dem Anstieg der Fallzahlen durch die Delta-Variante. Bild: Reuters

Innerhalb weniger Stunden nach der Ansprache des Präsidenten wurden in Frankreich rund 926.000 Impftermine vereinbart, ein Großteil von unter 35-Jährigen. Macron hatte Einschränkungen für Nicht-Immunisierte angekündigt.

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          Großes Echo auf die Corona-Ansprache von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron: Nachdem der Staatschef im Fernsehen eine Impfpflicht für das Gesundheitspersonal und Einschränkungen für nicht Immunisierte angekündigt hatte, buchten die Franzosen fast eine Million Impftermine, wie die Online-Buchungsseite Doctolib am Dienstag mitteilte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schloss eine Impfpflicht nach französischem Modell ungeachtet der hoch ansteckenden Delta-Variante dagegen vorerst aus.

          Innerhalb weniger Stunden nach Macrons Rede am Montagabend um 20.00 Uhr wurden in Frankreich 926.000 neue Impftermine vereinbart, wie Doctolib-Chef Stanislas Niox-Chateau dem Sender BFM-TV sagte. Besonders unter 35-Jährige ließen sich demnach überzeugen: Auf sie entfielen fast zwei Drittel der Buchungen. Bisher sind in Frankreich 40 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, bei Jüngeren ist die Quote aber sehr niedrig.

          Mehr als 22 Millionen Menschen verfolgten die Präsidenten-Ansprache im Fernsehen, wie die Zahlen mehrerer Sender ergaben. Macron hatte damit fast doppelt so viele Zuschauer wie das Finale der Fußball-Europameisterschaft am Sonntag. Nach Macrons Worten müssen sich alle Mitarbeiter von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sowie Altenheimen bis Mitte September impfen lassen. Ansonsten droht ein Arbeitsverbot. Vorbild ist Italien, wo dies bereits seit Mai gilt.

          Flexible Regelungen für Minderjährige

          Für nicht Immunisierte wird in Frankreich zugleich der Zugang zu Innenräumen, etwa von Restaurants oder Bars erschwert. Aber auch bei langen Zug- oder Flugreisen, in Einkaufszentren oder Krankenhäusern wird ab August ein Gesundheitspass Pflicht, der Auskunft über eine Impfung, eine überstandene Corona-Infektion oder einen negativen Test gibt.

          Bisher waren solche Nachweise in Frankreich die Ausnahme, etwa in den kürzlich wiedereröffneten Diskotheken. Wegen der neuen Regeln müssen Touristen mit Mehrkosten rechnen: Seit dem 7. Juli müssen Ausländer für Corona-Tests in Frankreich mindestens 25 Euro zahlen. Für Minderjährige sollen die neuen Regeln dagegen flexibel ausgelegt werden, wie Regierungssprecher Gabriel Attal ankündigte. Es sei ausgeschlossen, jungen Leuten bis 18 Jahren einen „schrecklichen Sommer aufzuzwingen“, sagte er. So könnten negative Corona-Tests für junge Leute etwa länger gelten als 48 Stunden.

          Gesundheitsminister Olivier Véran verteidigte die neuen Maßnahmen. Sie seien nicht als „Erpressung“ gemeint, um Menschen zur Impfung zur zwingen. Oberstes Ziel der Regierung sei es vielmehr, einen neuen Lockdown zu verhindern. Dennoch gab es Kritik: Theater- und Kinobetreiber sprachen von einem schweren Schlag, da sie bereits ab dem 21. Juli nur noch Immunisierte oder negativ Getestete einlassen dürfen.

          Die französische Regierung brachte darüberhinaus neue nächtliche Ausgangssperren für die Überseegebiete Martinique und La Réunion auf den Weg. Zudem wurde Tunesien auf die „rote Liste“ der Länder gesetzt, in die nicht Geimpfte nur aus triftigen Gründen reisen dürfen.

          Mit den verschärften Maßnahmen reagiert Frankreich auf die Ausbreitung der hoch ansteckenden Delta-Variante. Die Neuinfektionen seien zuletzt „um 60 Prozent binnen einer Woche“ gestiegen, sagte Regierungssprecher Attal. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag in Frankreich zuletzt bei rund 40 pro 100.000 Einwohner, im Pariser Großraum sogar bei 85. Die Regierung fürchtet, dass ohne neue Maßnahmen der Druck auf die Krankenhäuser wieder steigen könnte.

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