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Kampf gegen Panik : Frankfurts Dezernent fordert klare Regeln für Umgang mit Coronavirus

  • Aktualisiert am

Vorsorge gegen Corona: Händewaschen nicht vergessen. Bild: dpa

Bloß keine Panik, sondern einen kühlen Kopf im Umgang mit der Coronavirus-Epidemie bewahren: Das fordert der Frankfurter Gesundheitsdezernent. Doch wie soll es mit besucherstarken Veranstaltungen weitergehen?

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          Der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) vermisst klare Vorgaben von Bund und Land zum Umgang mit dem Coronavirus bei größeren Veranstaltungen. Das Infektionsschutzgesetz sei vom Bund, die Absage von Veranstaltungen müssten aber die Kommunen im Einzelfall entscheiden, sagte Majer am Mittwoch in Frankfurt. „Der Wahnsinn ist so angelegt.“ Majer ist auch Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Deutschen Städtetags.

          Bislang gebe es nur Empfehlungen von Bund und Land Hessen, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern nicht stattfinden zu lassen. „Es ist vollkommen klar, dass wir da klare Regeln brauchen auf einer übergeordneten Ebene“, sagte der Frankfurter Dezernent.

          Zuvor hatte er mitgeteilt, dass beim Heimspiel von Fußball-Erstligist Eintracht Frankfurt am Donnerstag in der Europaleague gegen den FC Basel Zuschauer zugelassen sind, beim Bundesliga-Heimspiel am Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach aber nicht. Die Entscheidung geht auf unterschiedliche Risikobewertungen des Gesundheitsamtes für die beiden Fußballspiele zurück. In der derzeit zugespitzten Situation bedürfe es eines kühlen Kopfes, begründete Majer die Entscheidung, die Partie weder abzusagen noch das Publikum auszuschließen. Zugleich betonte Majer: „Diese Entscheidung ist ein Grenzfall.“

          Zahl der Infektionen gestiegen

          Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Hessen ist unterdessen weiter gestiegen. Am Mittwochnachmittag (14.00 Uhr) meldete das Sozialministerium in Wiesbaden 48 bestätigte Sars-CoV-2-Fälle. Bis Dienstagnachmittag waren es 34 Fälle gewesen. Unter anderem gab es vier neue Fälle in Frankfurt und drei neue Fälle in Fulda. „Alle erkrankten Personen weisen aktuell milde Verläufe mit keinen oder leichten Symptomen auf“, hieß es. Eine stationäre Aufnahme trotz keiner oder nur milder Symptome werde in Betracht gezogen, wenn die Wohnsituation der Person eine häusliche Absonderung nicht oder nur schwer zulasse.

          Derzeit liefen auf allen Ebenen Gespräche mit Veranstaltern auch aus dem Kulturbereich, sagte Majer zu dem Ringen um die Frage, ob Veranstaltungen stattfinden können, Auflagen erhalten oder abgesagt werden müssen. Bei jeder einzelnen Veranstaltung müssten dabei die Risiken abgewogen und die fachliche Einschätzung des Gesundheitsamts eingeholt werden. „Das führt das Gesundheitsamt an seine Grenzen“, sagte er.

          Unterdessen wurden auch am Mittwoch wieder mehrere Veranstaltungen in Hessen abgesagt, darunter auch der für den 17. März geplante Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg, zu dem ursprünglich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommen wollte.

          Hamsterkäufe in Hessen

          Die Stadt Gießen wies darauf hin, dass alleine die beim Landkreis angesiedelte Gesundheitsbehörde die Absage privater Veranstaltungen anordnen könne. „Unabhängig davon können Veranstalter natürlich selbst Veranstaltungen absagen“, teilte eine Sprecherin mit. Das gelte auch für die mittelhessische Kommune selbst: Die Stadt könne eigene Events auch unabhängig von einer Anordnung streichen. „Dabei würden wir uns aber natürlich mit der Gesundheitsbehörde beraten und abstimmen.“

          Angesichts von Hamsterkäufen und teilweise deutlich leereren Regalen dürfen Lastwagen in Hessen nun auch an Sonn- und Feiertagen unterwegs sein, um die Versorgung mit haltbaren Lebensmitteln und Hygieneartikeln sicherzustellen. Der Einzelhandel spüre die Unsicherheit der Bürger wegen der zunehmenden Verbreitung des Coronavirus, begründete Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Mittwoch in Wiesbaden den entsprechenden Erlass. Die Regelung gelte zunächst bis Ende Juni.

          Gerade haltbare Lebensmittel wie Nudeln, Mehl oder Reis, aber auch Toilettenpapier seien besonders gefragt, so der Minister. „Es gibt zwar genügend Waren dieser Art, aber die Nachlieferungen zu den einzelnen Supermärkten sind teilweise nicht schnell genug, um die Regale wieder aufzufüllen.“ Das könne dazu führen, dass Verbraucher noch mehr Vorräte anhäuften, sagte Al-Wazir. Es komme also darauf an, die Waren aus den Zentrallagern möglichst schnell zu den Supermärkten zu bekommen.

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