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Gefährliche Lungenkrankheit : Frankfurter Flughafen sieht sich auf Coronavirus vorbereitet

Vorbereitet: Im Ernstfall entscheidet das Gesundheitsamt das weitere Vorgehen am Frankfurter Flughafen. Bild: dpa

Der Frankfurter Flughafen fühlt sich der Herausforderung gewachsen, sollte ein Passagier mit Symptomen des Coronavirus landen. Im Ernstfall entscheiden aber die Experten des Gesundheitsamts, wie vorzugehen ist.

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          Laut dem aktuellen Winterflugplan des Flughafens bieten 88 Airlines Passagierflüge zu 259 Zielen in 99 Ländern an. Darunter auch direkte Verbindungen nach Hongkong, die chinesische Hauptstadt Peking, nach Schanghai, Shenzhen, Chengdu, Nanjing und Qingdao. Eine direkte Verbindung von Frankfurt nach Wuhan, wo ein neues Coronavirus erstmals nachgewiesen wurde, das eine lebensbedrohliche Lungenerkrankung auslösen kann, gibt es nicht. Das hat ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport am Dienstag, dem 21. Januar, auf Nachfrage gesagt. Für den Pariser Flughafen Charles de Gaulles etwa gilt das allerdings nicht, und von dort aus gibt es täglich etliche Flüge nach Frankfurt.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Ungeachtet dessen sieht sich der Flughafen dem Sprecher zufolge mit seiner Flughafenklinik und entsprechenden Notfallplänen gut vorbereitet. Bestünde tatsächlich der begründete Verdacht, dass in einem in Frankfurt gelandeten Flugzeug ein Passagier mit Symptomen sitze, sei es beispielsweise denkbar, dass die betreffende Maschine von einer Gebäudeposition zu einer Parkposition auf dem Vorfeld umgeleitet würde, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren und den Abtransport in die Klinik zu erleichtern.

          Thermoscreening untauglich zur Prävention

          Was tatsächlich zur Vorsorge und im Ernstfall einer Pandemie auf dem Flughafen konkret unternommen wird, entscheiden die Infektiologen des Frankfurter Gesundheitsamtes, darunter Udo Götsch. Er und seine Kollegen gelten als Experten zur möglichen Ausbreitung von Epidemien gerade durch den Luftverkehr. Das andernorts derzeit praktizierte „Thermoscreening“ als Form der Prävention gegen eine Ausbreitung der von dem Coronavirus hervorgerufenen fiebrigen Erkrankung hält Götsch für untauglich. Beim Thermoscreening sollen Erkrankte aus großen Menschenmengen – etwa von Passagieren, die aus Flugzeugen aussteigen, – herausgefiltert werden, indem ihre Körpertemperatur mit Hilfe einer berührungsfreien Methode kontrolliert wird. Das kann mit Hilfe einer Infrarotkamera geschehen oder mit einer Art Bogen, ausgestattet mit Temperaturfühlern.

          Die Methode hat sich Götsch zufolge schon bei der Sars-Pandemie Anfang der zweitausender Jahre als „vollkommen ineffizient“ erwiesen: Es sei praktisch kein Erkrankter auf diese Weise erkannt worden. Das sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass Betroffene üblicherweise zu fiebersenkenden Arzneien griffen und schon aus diesem Grund nicht mit Hilfe des Thermoscreenings zu erkennen seien. Tatsächlich haben auch Experten von der Weltgesundheitsorganisation schon bei Ebola und anderen gefährlichen Infektionskrankheiten das Thermoscreening als untauglichen Versuch der Prävention beurteilt. Um ein Einschleppen und Ausbreiten zu verhindern, ist es nach Ansicht von Experten effizienter, Herkunft und Reiseroute von Passagieren mit entsprechenden Symptomen möglichst genau zu erfassen – und diese im Ernstfall zu isolieren.

          Keine Ängste schüren

          Derzeit gibt es keine Reisewarnungen oder dergleichen für China, aber den dringenden Rat, die Hygieneregeln wie gewissenhaftes Händewaschen und dergleichen, akribisch zu beachten. Götsch mahnt, das Risiko realistisch einzuschätzen und keine Ängste zu schüren. Derzeit müsse erst einmal die primäre Infektionsquelle gefunden werden. Die Mehrzahl der Erkrankten hat offiziellen chinesischen Angaben zufolge einen Fischmarkt in Wuhan besucht, auf dem auch Geflügel, Katzen, Fledermäuse, Murmeltiere und andere Wildtiere verkauft werden. Unter diesen wird die Infektionsquelle vermutet.

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