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Coronavirus : Kooperation statt Konkurrenz

Aufnahme aus einer Isolierstation in einer Klinik in Wuhan Anfang Februar Bild: Reuters

Mehrere Organisationen und Wissenschaftler haben China Hilfe bei der Bekämpfung des Coronavirus angeboten. Doch die Zusammenarbeit ist nicht einfach. Der Virologe Ian Lipkin erklärt warum.

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          Eine Gruppe von Fachleuten der Weltgesundheitsorganisation WHO ist auf dem Weg nach China. Nach Angaben des Außenministeriums in Peking sollen sie die Modalitäten für eine gemeinsame Mission aus chinesischen und internationalen Experten besprechen, die bei der Eindämmung des neuartigen Coronavirus helfen soll. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus hatte am Sonntag auf Twitter mitgeteilt, das Voraus-Team werde von dem Kanadier Bruce Aylward geleitet. Über die Nationalität weiterer Missionsteilnehmer ist bisher nichts bekannt. Offenbar gestalten sich die Verhandlungen über die Details der Mission nicht einfach. Schon vor zwei Wochen hatte Tedros in Peking mit Staats- und Parteichef Xi Jinping über die Mission gesprochen und war mit einer grundsätzlichen Zusage nach Hause zurückgekehrt. 

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Ein Angebot Amerikas, ein Team mit Fachleuten zur Bekämpfung des neuartigen Coronavirus nach China zu entsenden, hat Peking dagegen bisher nicht beantwortet. Ein ähnliches Angebot hat die Organisation Ärzte ohne Grenzen gemacht und ebenfalls noch keine Einladung erhalten. Gegenüber der „New York Times“ äußerten einige Fachleute die Vermutung, dass dies damit zusammenhängen könne, „dass Außenstehende Aspekte des Ausbruchs entdecken könnten, die für China peinlich sind“.

          Partner oder Kolonialist?

          Der amerikanische Virologe Ian Lipkin hat eine andere Erklärung. Dahinter stünden „Jahrzehnte lange schlechte Erfahrungen, die Leute in anderen Ländern mit solchen Organisationen gemacht haben“. Lipkin ist Direktor des Centre for Infection and Immunity an der Columbia-Universität und war selbst soeben in China. Er hat dort die chinesische Regierung bei der Eindämmung der Epidemie beraten, so wie bereits 2003 während der Sars-Epidemie. „Die Chinesen sind sehr interessiert an Experten, die ergänzen können, was sie versuchen zu tun, aber du musst als Partner kommen, nicht als Kolonialist“, sagte Lipkin am Sonntag in einer Videopressekonferenz. In der Vergangenheit habe es Probleme mit Wissenschaftlern gegeben, die nach ihrem Einsatz Studien verfasst hätten, ohne ihre lokalen Kollegen angemessen zu erwähnen. Als ein Land mit selbstbewussten Wissenschaftlern sei China nun der Meinung, die Lage allein unter Kontrolle bekommen zu können. Das Interesse an einer Zusammenarbeit mit einem rein amerikanischen Team sei schon wegen des „enormen Maßes an Spannungen zwischen Amerika und China“ begrenzt.

          In einem Supermarkt in Wuhan am Montag

          Im Vergleich zur Zeit der Sars-Epidemie habe sich die Infrastruktur zur Untersuchung von Infektionskrankheiten in China „dramatisch verbessert“. Die Gensequenz des Virus sei innerhalb eines Tages identifiziert worden. Allerdings sei sie danach nicht sofort veröffentlicht worden. Das bezeichnete Lipkin als „Farce“. Außerdem sei es „bedauerlich“, dass verschiedene chinesische Forschergruppen miteinander konkurrierten. Im Nachhinein werde man „feststellen, dass wir schneller vorangekommen wären, wenn es bessere Kooperation gegeben hätte“. Dies komme allerdings auch in anderen Ländern vor.

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