https://www.faz.net/-guw-a1nns

Corona in der Fleischindustrie : Forscher finden möglichen Superspreader bei Tönnies

  • Aktualisiert am

Vier Wochen lang war die Produktion in dem Fleischwerk in Rheda-Wiedenbrück wegen eines Corona-Ausbruchs gestoppt worden. Bild: dpa

Ansteckung im Umkreis von mehr als acht Metern: Ein Mitarbeiter des Fleischbetriebs Tönnies hat laut Ergebnissen einer Studie viele Personen im Zerlegebetrieb infiziert.

          2 Min.

          Ein Mitarbeiter in der Rinderzerlegung hat im Mai 2020 laut einer Studie das Coronavirus bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück verteilt. Dabei wurde das Virus nach dem Forschungsergebnis von Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI), der Uniklinik Hamburg-Eppendorf und des Leibnitz-Instituts für Experimentelle Virologie (HPI) auf mehrere Personen im Umkreis von mehr als acht Metern übertragen, wie das HZI am Donnerstag mitteilte. Dazu wurden die Standorte der Arbeiter bei der Arbeit und die Infektionsketten anhand von Virussequenzen analysiert.

          In der Zerlegung wird die Luft durch Umwälzung auf 10 Grad gekühlt. Der Bonner Hygiene-Professor Martin Exner hatte die Luftumwälzung als einen möglichen Faktor für die Virus-Ausbreitung benannt, nachdem er die Arbeitsbedingungen vor Ort im Werk analysiert hatte. Tönnies hat daraufhin neue Filter-Anlagen installiert, um das Verteilen des Virus über die Luft zu unterbinden.

           F+ FAZ.NET komplett
          F+ FAZ.NET komplett

          Vertrauen Sie auf unsere fundierte Corona-Berichterstattung und sichern Sie sich 30 Tage freien Zugriff auf FAZ.NET.

          Jetzt F+ kostenlos sichern

          Exner hatte Mitte Juni zudem vermutet, dass auch die Wohnsituation der Arbeiter eine Rolle spielen könne. Die Forscher aus Hamburg und Braunschweig dagegen betonten nun, dass die Wohnsituation der Werksarbeiter während der untersuchten Phase keine wesentliche Rolle gespielt habe.

          „Unsere Studie beleuchtet SARS-CoV-2-Infektionen in einem Arbeitsbereich, in dem verschiedene Faktoren aufeinandertreffen, die eine Übertragung über relativ weite Distanzen ermöglichen. Es stellt sich nun die wichtige Frage, unter welchen Bedingungen Übertragungsereignisse über größere Entfernungen in anderen Lebensbereichen möglich sind“, sagte Melanie Brinkmann, Professorin und Forschungsleiterin am HZI in Braunschweig.

          Bedingungen im Zerlegebetrieb förderten die Virusverbreitung

          Adam Grundhoff, Mitautor der Studie, sagte der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf das Ergebnis: „Damit ist ein Superspreader für den Ausbruch bei Tönnies gefunden.“ Auch sei nachgewiesen worden, dass die bei Tönnies gefundenen Virussequenzen zuvor in einem Werk einer Westfleisch-Tochter in Dissen in Niedersachsen auch eine Rolle gespielt habe, sagte der Professor. Die Studienergebnisse wurden noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht, sondern vorab auf eine sogenannte Preprint-Plattform gestellt.

          „Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Bedingungen des Zerlegebetriebs – also die niedrige Temperatur, eine geringe Frischluftzufuhr und eine konstante Luftumwälzung durch die Klimaanlage in der Halle, zusammen mit anstrengender körperlicher Arbeit – die Aerosolübertragung von SARS-CoV-2-Partikeln über größere Entfernungen hinweg förderten“, sagte Grundhoff.

          Tönnies-Sprecher André Vielstädte berichtete, dass sich die Zahl der gefundenen Infektionen von der Rinderzerteilung über die Sauen- und später die Schweinezerteilung ausgebreitet habe. Das hätte die eigene Reihentestung gezeigt. Zwar würden die Arbeiter nicht in den unterschiedlichen Bereich durchmischt eingesetzt. „Aber die Bereiche liegen in der Fabrik nah beieinander“, erklärte Vielstädte. Die Arbeiter würden sich in den Gängen auf dem Weg zur Arbeit und in den Sozialräumen begegnen.

          Weitere Themen

          Mehr als 50.000 Corona-Tote in Deutschland Video-Seite öffnen

          Neuer Höchststand : Mehr als 50.000 Corona-Tote in Deutschland

          Die Zahl der täglich verzeichneten Todesopfer durch die Corona-Pandemie in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht: Binnen 24 Stunden wurden laut Robert-Koch-Institut 1244 neue Todesfälle gezählt.

          Topmeldungen

          Kramp-Karrenbauer auf der Regierungsbank des Bundestags

          Kramp-Karrenbauer : Und was wird jetzt aus ihr?

          Als CDU-Vorsitzende ist sie gescheitert. Als Verteidigungsministerin könnte sich Annegret Kramp-Karrenbauer noch bewähren – wenn sie denn die Chance dazu bekommt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.