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Leben in der Pandemie : Fast die Hälfte der Deutschen belasten die Corona-Auflagen stark

  • Aktualisiert am

Ein Mann sitzt mit einer FFP2-Maske allein in der U-Bahn in Berlin. Bild: dpa

Deutlich mehr Deutsche als noch vor Weihnachten nehmen die Regeln zur Bekämpfung der Corona-Pandemie als starke Belastung wahr. Zudem schwindet die Akzeptanz des Krisenmanagements von Bund und Ländern.

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          Fast jeder zweite Deutsche (49 Prozent) nimmt einer Umfrage zufolge die aktuellen Regeln zur Bekämpfung der Corona-Pandemie als sehr starke oder starke Belastung wahr. Das geht aus dem neuen „Deutschlandtrend“ des „ARD-Morgenmagazins“ hervor. In der Woche vor Weihnachten waren es noch 36 Prozent der Befragten.

          Allerdings empfinden 42 Prozent der Deutschen aktuell die Einschränkungen weniger belastend, 9 Prozent fühlen sich der Umfrage zufolge durch sie gar nicht belastet. Insbesondere Jüngere tun sich mit den Corona-Maßnahmen schwer. Bei den unter 40-Jährigen sprechen sechs von zehn (59 Prozent) von starken bis sehr starken Belastungen. Bei den über 65-Jährigen sind es nur 37 Prozent.

          „Es geht hier nicht um Privilegien“

          Die Akzeptanz des Krisenmanagements von Bund und Ländern ist allerdings rückläufig. Während sich Mitte Dezember noch 57 Prozent der Befragten positiv zum Krisenmanagement äußerten, zeigten sich aktuell nur noch 46 Prozent der Deutschen damit zufrieden. Für den „Deutschlandtrend“ im Auftrag des ARD-Morgenmagazins hat Infratest vom 18. bis 20. Januar 1.027 Wahlberechtigte befragt.

          Unterdessen sind in Deutschland seit Beginn der Pandemie mehr als 50.000 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Die deutschen Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) 859 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden, wie das RKI am Freitagmorgen bekanntgab. Damit stieg die Gesamtzahl der Todesfälle auf 50.642. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI außerdem 17.862 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages.

          Bundesjustizministerin Christine Lambrecht hat sich darüber hinaus dafür ausgesprochen, Grundrechtseinschränkungen für Geimpfte möglichst aufzuheben. „Es geht hier nicht um Privilegien, sondern um die Rücknahme von Grundrechtsbeschränkungen“, sagte die SPD-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Nicht die Ausübung von Grundrechten bedarf der Rechtfertigung, sondern die Einschränkung der Grundrechte durch den Staat.“ Allerdings kommt die Aufhebung von Einschränkungen für Lambrecht nur in Frage, wenn wissenschaftlich sicher belegt ist, dass die Impfung auch vor einer Weitergabe des Virus schützt.

          Lambrechts Parteikollege, Außenminister Heiko Maas, hatte sich vergangenen Sonntag dafür ausgesprochen, Menschen mit Corona-Impfung früher als anderen den Besuch von Restaurants oder Kinos zu erlauben. Er sprach auch von der bisher ungeklärten Frage, ob Geimpfte auch andere anstecken können, argumentierte aber gegenüber „Bild“-Zeitung etwas weiter: „Ein Geimpfter nimmt niemandem mehr ein Beatmungsgerät weg. Damit fällt mindestens ein zentraler Grund für die Einschränkung der Grundrechte weg.“

          Eine große Mehrheit der Deutschen glaubt allerdings nicht daran, dass schon in den Osterferien Urlaub im europäischen Ausland ohne Quarantäne oder Testpflichten möglich sein wird. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur rechnen 79 Prozent auch dann noch mit entsprechenden Einschränkungen. Nur 12 Prozent meinen, dass dann schon ein unbeschwerter Urlaub im Ausland möglich sein wird. 10 Prozent machten keine Angaben. Ostersonntag ist dieses Jahr der 4. April.

          Derzeit hat die Bundesregierung fast ganz Europa als Corona-Risikogebiet eingestuft. Auf dem europäischen Festland gibt es nur noch in Griechenland, Finnland, Norwegen und Österreich einzelne Regionen, die ausgenommen sind. Hinzu kommen ein Großteil der griechischen Inseln, die britische Isle of Man und die Kanalinsel Guernsey sowie die dänische Insel Grönland.

          Rückkehrer aus Risikogebieten müssen sich spätestens 48 Stunden nach Einreise in Deutschland auf Corona testen lassen. Zudem müssen sie zehn Tage in Quarantäne, können sich davon allerdings durch einen zweiten negativen Test ab dem fünften Tag nach Einreise vorzeitig befreien lassen. Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt, wenn ein Land oder eine Region den Grenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschreitet. Alle deutschen Bundesländer sind nach diesen Kriterien wie die meisten anderen europäischen Länder Risikogebiete.

          Die für die YouGov-Umfrage verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2035 Personen zwischen dem 15. und 18. Januar 2020 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

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