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Pandemie-Reisebeschränkungen : Europas Corona-Ampeln leuchten bunt

Konfusion: Einreisende aus demselben Land dürfen in das eine europäische Land ohne Quarantäne, während anderswo die Selbstisolation vorgeschrieben ist. Bild: dpa

In mehreren Ländern Europas geben Corona-Ampeln Auskunft darüber, welche Reisebeschränkungen derzeit herrschen. Belgien ist für sein System bereits heftig kritisiert worden. Dabei sind Rot, Grün und Gelb anderswo deutlich willkürlicher verteilt.

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          Tony Blair hofft auf die Ampel. Der Think Tank des früheren britischen Premierministers fordert von der Regierung in London ein „Ampelsystem für Staaten“, das durch eine Internetplattform mit Echtzeitinformationen über die internationale Corona-Situation der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Das würde die Verwirrung vermindern und sicherstellen, dass Reisende ausreichend gewarnt würden, sollte sich die Infektionslage ihres Ziellandes ändern. Die Entscheidung der britischen Regierung, eine Quarantäne für Rückkehrer aus Spanien zu verhängen, habe viele Reisende „überrumpelt“, kritisiert das „Tony Blair Institute for Global Change“. Ende Juni hatte auch die amtierende konservative Regierung angekündigt, ein Ampelsystem einzuführen. Doch dazu ist es bis zum heutigen Tag nicht gekommen – und zahlreiche Urlauber sind schon in den warmen Süden geflogen.

          Doch bringt die Corona-Ampel wirklich die Transparenz, die sich die Stiftung von Blair erhofft? Der Vergleich in verschiedenen europäischen Staaten, in denen es ein Ampelsystem schon gibt, mahnt zumindest zur Vorsicht vor zu großen Hoffnungen. Für viel Aufsehen hatte in den vergangenen Tagen das Ampelsystem des belgischen Außenministeriums gesorgt. Dieses unterscheidet sogar zwischen Regionen in den Zielländern. Das sorgte beispielsweise in der französischsprachigen Schweiz für Ärger, als die Kantone Waadt und Genf auf der Liste jener Regionen erschienen, in die Bewohner Belgiens nicht reisen dürfen und von wo aus Menschen nicht in das Königreich einreisen dürfen.

          Wenn die Ampel nicht aktualisiert wird

          Belgien beruft sich in seinen Reisebeschränkungen auf die europäische Infektionsschutzbehörde ECDC, die von den Staaten in Europa täglich die Infektionszahlen erhält. Diese gliedern sich in den größten Gebietskörperschaften: In Deutschland sind das die Bundesländer, in der Schweiz beispielsweise die Kantone. So kommt es, dass die belgische Ampel die Reisewarnungen für die Einreise- und Ausreisewilligen so detailliert auf die Regionen herunterbricht. Das Land aktualisiert seine Ampel täglich. Rot für ein Reiseverbot, orange für Quarantänepflicht und grünes Licht für Reisen ohne Beschränkungen.

          Die wenigen anderen Staaten Europas, die auf die Ampel setzen, brechen die Empfehlungen bei weitem nicht so detailliert herunter wie Belgien. Und sie aktualisieren nur selten. Beispielsweise hat Ungarn Mitte Juli ein rot-gelb-grünes Ampelsystem eingeführt. Leider ist es in einer ungarischsprachigen PDF-Datei von Ungarns konsularischen Diensten versteckt. Erst diesen Freitag wurde es nach drei Wochen Pause aktualisiert. In Quarantäne (gelb) müssen in Ungarn ganz grundsätzlich die Bewohner auch der EU-Mitgliedsstaaten Bulgarien, Rumänien und Schweden. Ein Stopplicht (rot) und keine Einreise nach Ungarn gibt es aus Ländern wie Kosovo, Bosnien-Hercegovina und der Ukraine, es sei denn, man hat die ungarische Staatsbürgerschaft. Hingegen nach einer Quarantäne (gelb) möglich ist die Einreise aus Russland, das von der EU nicht auf der „Positivliste“ der Drittstaaten gelistet ist, von wo aus die Einreise möglich sein soll.

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