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Pandemie-Reisebeschränkungen : Europas Corona-Ampeln leuchten bunt

Anlässlich der Einführung der ungarischen Ampel beteuerte Ungarns Außenminister Péter Szijjártó, dass die Restriktionen nicht politischer Natur sind. „Wir berücksichtigen verschiedene Aspekte der nationalen Sicherheit, Gesundheitsrisiken und die Virologie, wenn wir den verschiedenen Ländern die Farbcodes zuweisen“, sagte der Minister. „Das hat nichts zu tun, mit diplomatischen Beziehungen und der Außenpolitik.“ Diesbezüglich nicht gerade vertrauenserweckend ist aber, wenn Ungarn in dem Dokument nicht belegt, auf welcher Datenbasis das Land zu seinen Einstufungen kommt. In Anbetracht der neuesten ECDC-Zahlen erscheint es zumindest fragwürdig, wenn Luxemburg mit 182,6 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohnern in den vergangenen 14 Tagen aus Budapest grünes Licht erhält, während für Bulgarien mit 40,9 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohnern die Ampel auf Gelb steht.

Im Gegensatz dazu bemüht sich Lettland beispielsweise um mehr Transparenz. Der baltische Staat, der seine Ampel jeden Freitag aktualisiert, führt auf dem immerhin englischsprachigen Dokument auch die jeweiligen relativen Infektionszahlen der verschiedenen Länder auf. Doch die lettischen Gesundheitsbehörden sind streng. Sie raten derzeit von Reisen von und nach Luxemburg, Rumänien Spanien, Andorra, Belgien, San Marino, Bulgarien, Malta, Monaco, Schweden, Schweiz, Niederlande Portugal und Island ab (rot). Wer das trotzdem tut, muss nach der Einreise nach Lettland 14 Tage in Quarantäne. Das gilt auch für Ein- und Ausreisen nach und aus Frankreich, Polen, Kroatien, Österreich und Zypern (orange). Das sind die Staaten, für die Riga dazu rät, die Notwendigkeit der Reise „zu überdenken.“ Der Nachbar Russland, mit dem Lettland historisch nicht die besten Beziehungen hat, wird in der Liste nicht erwähnt, also wird Russland unter „Anderen nicht gelisteten Ländern“ (rot) geführt.

Lob für den deutschen Ansatz

Deutlich großzügiger ist mittlerweile die Tschechische Republik, die im März für die sehr frühe Grenzschließung auch für ihre Nachbarländer in die Schlagzeilen geraten ist. Laut den ebenfalls immer Freitags aktualisierten Zahlen stehen – Stand 31. Juli – alle EU- und EFTA-Staaten auf „tiefes Risko“ (grün). Nur ein Land wird als „hohes Risiko„ (rot) eingestuft: Rumänien. Doch ganz so drastisch, wie das auf der Kartendarstellung des tschechischen Gesundheitsministerium aussieht, ist diese Einteilung nicht. In die Quarantäne müssen nicht nur Rückkehrer und Einreisende aus Rumänien, sondern auch jene aus Regionen und Orten wie Katalonien, Lissabon und Genf. Die tschechischen Behörden kategorisieren damit zumindest teilweise regional, so wie Belgien.

Der Vergleich dieser ausgewählten Länder zeigt, dass Europas Ampeln äußerst bunt leuchten. Während es auf der EDEC-Website zumindest eine einheitliche Darstellung der Neuinfektionen der vergangenen 14 Tage gibt, fehlt bisher eine europäische Übersicht, wer in welches europäische Land unter welchen Bedingungen einreisen kann. Vielleicht gibt es aber auch andere Lösungen, als Menschen die Einreise nur aufgrund ihres letzten Aufenthaltsortes zu verweigern. Tony Blairs Think Tank, der im Vereinigten Königreich so vehement für die Ampel wirbt, lobt den deutschen Ansatz, eine Testpflicht bei der Einreise einzuführen.Das Institut des früheren britischen Premierministers sieht weiteres Potential für schnelle Tests. Sie sollen individuell die Notwendigkeit und die Art der Quarantäne bestimmen.

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