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Eltern berichten : So regeln wir das Homeschooling

  • Aktualisiert am

Hilfreich: Ein fester, schriftlicher Plan Bild: privat

Wir haben Leser befragt, wie ihr Alltag im Moment aussieht und wie sie ihre Kinder dazu bringen, etwas für die Schule machen. Sieben Elternteile berichten von festen Plänen, dem Basteln eines Raumschiffs – und dem Langeweileglas.

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          Ein fester Plan schafft Struktur

          Wir haben im Vorfeld einen festen, schriftlichen Plan für die Familie festgelegt. Damit nicht alles komplett aus den Fugen gerät und Struktur im Tagesablauf bestehen bleibt. Aufstehen wie immer, Frühstück und fertigmachen. Von 9 bis 12 Uhr Schule und Kindergarten (also lernen, üben und spielen, CD hören, malen etc. für unsere 5-Jährige). Wir Eltern wechseln uns tageweise ab mit dem Arbeiten und Ins-Büro-Gehen. Nach dem Mittagessen geht es raus zum Radeln oder Spazieren. Und dann dürfen Medien genutzt werden. Momentan fahren wir damit ganz gut.

          Sandra Schaeffler, zwei Kinder, 5 und 10 Jahre alt

          Nachmittags das Langeweileglas

          Kinder brauchen Strukturen und Regeln. Unser Tagesplan sieht deshalb so aus: Aufstehen, Frühstück, Lernzeit (bewusst spielen, Sprachförderung, Vorschule), Snack, Freispiel oder Bastelangebot (Langeweileglas), Mittagessen, Mittagsruhe, nachmittags in den Garten oder frei spielen, Abendessen, Bett. Unser Langeweileglas ist gefüllt mit Zetteln. Gelb sind Indoor-Aktivitäten wie Basteln (Kleisterbilder, Pustebilder, Fenster anmalen), Spiel-Angebote (Lego, Duplo, Autostraße malen und bespielen) oder auch Telefonieren mit der Familie, Briefe an Freunde malen. Grüne Zettel sind Outdoor-Angebote (matschen im Sandkasten, Bewegungsparcours, Straßenmalkreide). Im extra Glas sind rote Zettel, darauf sind extra Aktionen, wenn es hier ohne Stress abläuft: Kuchenbacken oder Extra-TV-Zeit.

          Familie Salzmann, zwei Kinder, 3 und 5 Jahre

          Gefüllt mit Zetteln: das Langeweileglas

          Wir basteln uns ein Raumschiff

          Das Beste, damit den Kindern und einem selbst vor Langeweile und Routine nicht die Decke auf den Kopf fällt, ist, gemeinsam neue und alte Kinderträume zu realisieren: ein Luftballon, alte Zeitungen, ein Rest Tapetenkleister von der letzten Renovierung, mehrere Seiten Druckerpapier, ein paar Textmarker, eine Klarsicht- und Alufolie (für den Astronautenhelm) und ein alter Draht aus der Werkzeugkiste (für die Antennen), ein alter Pappkarton (als Raumschiff), zuletzt noch zwei weiße Kleidungsstücke aus dem Kleiderschrank – und schon geht es als Astronaut zu den Sternen. Papa ist mit Basteln und der Nachwuchs mit vielen phantasievollen Abenteuern beschäftigt.

          Fabian Cundano Maltez, zwei Kinder, ein Jahr und vier Jahre 

          Die Erwartungen herunterschrauben

          Ich denke, es ist günstig, die Struktur, die die Schule bietet, so gut es geht, beizubehalten, ohne auf die Fächerkombination zu achten. Ich versuche, meine Kinder zu animieren, in ihrer konzentriertesten Zeit zuerst die schwierigen Aufgaben zu lösen, und achte darauf, dass sie ihre Pausen einhalten. Da die Schulspeisung auch wegfällt und ich die Köchin im Haus bin, versuche ich, abends unser Mittagessen vorzubereiten, was dann am nächsten Tag nur noch aufgewärmt werden muss. Da ich neben meinen Kinder nicht so konzentriert arbeiten kann wie sonst, suche ich mir machbare Aufgaben und schraube meine Erwartungen an mich selbst herunter. Und wir planen auch ein paar Sportstunden ein. Dafür ziehen wir uns Sportsachen an und machen ein bisschen Stretching, Laufen und Kraftübungen.

          Susann Auer, zwei Kinder, 8 und 11 Jahre alt

          Neue und alte Kinderträume realisieren: Wir basteln uns ein Raumschiff.

          Von den Lehrern enttäuscht

          Ich finde den Alltag ungeheuer anstrengend mit Home-Office und zwei Kindern, die ich zum Lernen bringen muss. Vor allem die Teenagerin ist schwer zu motivieren. Von einigen Lehrern am Gymnasium bin ich enttäuscht. Sie haben eine lieblose DIN-A4-Seite mit Aufgaben und dem Hinweis geschickt: Bitte bis zu den Osterferien abarbeiten! Nur wenige haben sich Wochenpläne ausgedacht oder verlangen Rückmeldungen von den Schülern. Wir schreiben jetzt für jeden Tag auf, wer was macht – und streichen durch, was erledigt worden ist. So hangeln wir uns durch die Woche.

          Charlotte Breit, zwei Kinder, 10 und 14 Jahre

          Wir sind so oft es geht draußen

          Hier in den Marken in Italien sind die Schulen schon seit dem 25. Februar geschlossen. Es gibt von den Lehrern einmal die Woche kleine Happen, mit Links zu Youtube-Videos. Wir haben einen Bauernhof mit Pferden und Ferienwohnungen und sind, sooft es geht, draußen auf unserem Gelände. Ausreiten ist leider verboten, weil man nicht mit einem Sportunfall die Krankenhäuser überlasten soll. Also gehen wir mit den Pferden spazieren. Was ich auch toll fand, war die Hausaufgabe der Kunstlehrerin. Die Kinder sollten ein Bild wie die Höhlenmaler mit Naturfarben machen. Die haben wir mit der ganzen Familie aus Erde, Efeublättern, Curry und Löwenzahnblüten hergestellt. Man kann auch Rotkraut kochen und ein paar Tropfen Zitrone reinspritzen, dann wird es ein richtiges Pink.

          Dorothea Geiss, zwei Töchter, 11 und 18 Jahre alt

          Wir ordnen das Leben mit Post-its

          Ich habe ein Kanban Board ins Leben gerufen, bei dem jedes Kind auf Klebezetteln seine Aufgaben schreibt, und sie wegnimmt, wenn sie erledigt sind. Das funktioniert für 9 bis 11 jährige bislang sehr gut.

          Ingo Froeschmann, drei Kinder

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