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Krankenpflegeschüler zu Corona : Gestern Flüchtling, heute systemrelevant

Murtaza Ramazanzada kam vor viereinhalb Jahren nach Deutschland und betreut in der Pandemie Corona-Patienten. Bild: Cornelia Schneck

Murtaza Ramazanzada kam vor viereinhalb Jahren als Flüchtling nach Deutschland. In der Pandemie betreut er als Krankenpflegeschüler Corona-Patienten – und erinnert sich an Angela Merkels Satz: „Wir schaffen das“.

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          Als Angela Merkel im Hinblick auf die Flüchtlingswelle 2015  „Wir schaffen das“ sagte, sorgte der Satz für Jubel auf der einen und für Empörung auf der anderen Seite. Auch Murtaza Ramazanzada las ihn damals. In übersetzter Fassung – denn der Flüchtling aus Afghanistan beherrschte zu diesem Zeitpunkt noch nicht die deutsche Sprache. Viereinhalb Jahre später spricht Ramazanzada fließend deutsch mit leicht bayerischem Akzent. Viereinhalb Jahre später ist er systemrelevant, betreut Corona-Patienten im Klinikum Neumarkt –  und erinnert sich zur Motivation an den Satz der Bundeskanzlerin.

          Im März hätte der Krankenpflegeschüler im dritten Lehrjahr eigentlich die Schulbank drücken müssen. Doch die musste in der Corona-Krise leer bleiben, die Krankenpflegeschüler werden nun im Klinikum Neumarkt in der bayerischen Oberpfalz gebraucht – vor allem auf der Corona-Station. „Die Arbeit ist ungewohnt und die Arbeitsbelastung höher als sonst“, erzählt der Siebenundzwanzigjährige, „aber wir halten hier alle zusammen“.

          Von Kopf bis Fuß mit Mundschutz, Schutzbrille, Kittel und Handschuhen ausgerüstet, betreut er die Patienten auf der Corona-Station im Klinikum Neumarkt. Auf Anweisung der Ärzte verabreicht Ramazanzada Medizininfusionen und Tabletten für Corona-Patienten. Das normale Schichtsystem im Krankenhaus ist außer Kraft gesetzt, zwei bis drei Stunden einen Patienten nach dem anderen zu pflegen sei normal, sagt Ramazanzada. Mit einem Teil der Corona-Infizierten kann sich Ramazanzada unterhalten: „Dass ich ihnen Sicherheit geben und für sie da sein kann, ist für mich das Wertvollste.“

          Das Gefühl, den Tod im Nacken sitzen zu haben

          Doch nicht überall ist diese Kommunikation möglich. Im Nebengebäude, auf der Intensivstation des Klinikums, sind viele der Patienten nicht mehr ansprechbar. Sechs Menschen starben hier bisher. Mehrere Krankenpfleger des Klinikums infizierten sich mit dem Coronavirus und mussten sich in Quarantäne begeben. Auch deshalb wird im Krankenhaus nicht nur auf den Schutz von Patienten, sondern auch auf den Eigenschutz von Mitarbeitern ein sehr strenges Auge geworfen. Ramazanzada kannte weder die verstorbenen Corona-Patienten, noch weiß er, wer von seinen Kollegen am Coronavirus erkrankt ist. Aber das Gefühl, den Tod im Nacken sitzen zu haben, kennt er gut.

          Vor viereinhalb Jahren flüchtete Murtaza Ramazanzada aus Afghanistan über Iran in die Türkei, von dort aus nach Griechenland, Mazedonien, Serbien und in andere Länder, bis er schließlich in Deutschland ankam. Er belegte einen Sprachkurs, absolvierte ein Praktikum im Klinikum Neumarkt und begann eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Weil er auch die deutschen Lehrinhalte kennen und seine Sprachkenntnisse weiter verbessern wollte, ließ sich Ramazanzada seine Sanitäterausbildung aus Afghanistan nicht anerkennen – obwohl er eigentlich schon seit zehn Jahren im Gesundheitssektor arbeitet. In der afghanischen Hauptstadt Kabul verarztete er einst als Sanitäter Kriegsverletzte. „Wir hatten große Wunden zu verarzten und nur wenige Möglichkeiten“, sagt Ramazanzada und holt tief Luft. „Menschen sterben zu sehen, ist für mich sehr schwierig.“

          Wenn Aufgeben keine Option mehr ist

          Sich nach der Arbeit nicht mit dem Coronavirus zu beschäftigen, sei eine Herausforderung. Denn die Angst sich selbst zu infizieren, sei im Unterbewusstsein trotz Schulungen und ausreichender Schutzkleidung immer da. Personelle Engpässe gebe es trotz Infektionsfällen unter den Krankenpflegern im Klinikum Neumarkt noch keine. Aber dass der Personalmangel im deutschen Gesundheitswesen existiert, weiß auch Ramazanzada. „Die Politiker in Deutschland müssen sich etwas überlegen“, sagt er, „denn der Personalmangel belastet die Pflege in der Pandemie stark.“

          Seine Fluchtgeschichte hingegen weckt in Ramazanzada nicht nur belastende Erinnerungen, sondern gibt ihm auch Kraft. „Das waren schwierige Zeiten für mich, aber auch die habe ich gemeistert.“ Aufgeben komme für ihn nicht mehr so schnell in Frage, denn immer könne er sich sagen, schon Schlimmeres überstanden zu haben. „Wir schaffen das“, sagt er. „Gemeinsam.“

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