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Drei Lehrer berichten : Wie war die erste Woche in der Schule?

Schule in Zeiten von Corona: Eine zwölfte Klasse in Rostock nach sechswöchiger Schulschließung. Bild: dpa

Kontrollen an den Toiletten, neue Stundenpläne, aufgeteilte Klassen, Maskenpflicht: Drei Lehrer berichten, wie sie den Unterricht nach sechs Wochen Pause erlebt haben. Einer sagt: „Das ist kein regulärer Unterricht.“

  • Aktualisiert am
          5 Min.

          Ich bin Mathelehrer an einer Gesamtschule. In dieser Woche hatte ich an zwei Tagen jeweils drei Zeitstunden Mathe in einer zehnten Klasse. Vor mir saßen rund zehn Schüler, allerdings keine, die ich ansonsten unterrichte. Da nicht alle Lehrer an unserer Schule arbeiten dürfen, mussten wir uns aufteilen. Ich mache nun Unterricht in einer Klasse, die ich vorher nicht kannte. Wobei man ehrlich sagen muss: Das, was wir da machen, das ist kein regulärer Unterricht; was wir mit den Abschlussschülern machen, das ist intensive Prüfungsvorbereitung für Ende Mai. An unserer Schule gibt es viele Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien, denen hat man angemerkt, dass sie sehr froh sind, jetzt noch mal solche Unterstützung an der Schule erfahren zu können vor der Prüfung. Die Schüler waren alle gut drauf diese Woche.

          Damit wir die Anforderungen der Landesregierung und die Hygieneregeln erfüllen können, haben wir die Klassen in vier Zeitgruppen eingeteilt, die sich an fünf verschiedenen Eingängen morgens zu ihrer vorgegebenen Zeit, jeweils eine halbe Stunde verschoben, einfinden sollen. Die immer selben Schüler fangen zur immer selben Zeit an und finden sich am immer selben Eingang ein. Im Gebäude selbst sind wir angehalten, Masken zu tragen. Das klappt auch ganz gut, ebenso mit dem Händewaschen, aber am besten klappt es mit den Abstandsregeln in den großen Räumen. Masken nimmt man eher mal runter. Wir sind angehalten, die Schüler dann daran zu erinnern, sie aufzulassen, und auch daran, Abstand untereinander zu halten. Ich achte da drauf, aber ich bin nicht zu streng. Ich weiß ohnehin, dass sie sich nach der Schule treffen.

          Heinrich von Gagern-Gymnasium in Frankfurt: Auf dem Schulhof herrscht jetzt Maskenpflicht.
          Heinrich von Gagern-Gymnasium in Frankfurt: Auf dem Schulhof herrscht jetzt Maskenpflicht. : Bild: dpa

          Ich selbst fühle mich eigentlich mit all diesen Maßnahmen relativ sicher. Ich finde, unsere Schule hat das gut umgesetzt. Mir als Lehrer kommen die Schüler ohnehin nicht zu nahe. Aber klar, das ist alles eine absolute Sondersituation. Das hat nichts mehr mit Schule zu tun, wie wir sie kannten. Pausen auf dem Hof fallen weg. Die verbringen wir im Raum mit viel Abstand und offenen Fenstern. Mit den Abschlussklassen klappt das alles wirklich gut. Sobald jüngere Schüler an die Schule kommen, wird das sicher schwieriger werden.

          Auch wenn ja immer viel Negatives über Schulen berichtet wird: Ich muss am Ende der ersten Woche sagen, was Schulleitungen und auch Hausmeister da in kurzer Zeit auf die Beine gestellt und organisiert haben, das hat mich beeindruckt. Ich habe bisher selten erlebt, dass an Schulen so konstruktiv zusammengearbeitet wurde. Und ich denke, das gilt nicht nur für meine Schule. Alle Schulen standen da wirklich vor schwierigen Aufgaben: Kontrollen an den Toiletten und Eingängen, neue Stundenpläne, aufgeteilte Klassen, Hygienekonzepte. Die Vorschriften werden so an unserer Schule definitiv eingehalten; ob das alles sinnvoll ist, die Frage stelle ich mir nach einer Woche schon. Reicht der Abstand? Nutzen die Masken etwas? Keine Ahnung!

          Eigentlich müsste man Schülern und Lehrern noch mal richtig die Hygieneregeln vermitteln und diese mit ihnen üben. Das alles ist eine riesige Herausforderung. An ein nur annähernd normales Schulleben wird bis zu den Ferien nicht zu denken sein.

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