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2-G-Plus-Regel und Booster : Drei Bundesländer befreien Menschen mit dritter Impfung von Testpflicht

  • Aktualisiert am

Wegen der 2-G-Plus-Regel bauen mancherorts die Weihnachtsmarkt-Schausteller ihre Stände wieder ab, wie hier in Lüneburg am 30.11.2021. Bild: dpa

Aus 2-G-Plus wird 2-G: Für Menschen mit gültiger Auffrischungsimpfung fällt in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz der zusätzliche Test weg. Die Regelung bezieht sich etwa auf Restaurants oder Sportangebote.

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          Wer bereits geboostert ist, wird in Niedersachsen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ab Samstag von der Testpflicht befreit. Dreimal gegen Corona geimpfte Menschen könnten Einrichtungen mit 2G-Plus-Regel dann ohne Test besuchen, teilte das Sozialministerium in Hannover am Freitag mit. Sie bräuchten „beispielsweise für ihren Besuch in einem Restaurant oder beim Betreten eines Fitnessstudios keinen weiteren Test mehr“, erklärte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

          „Personen, die bereits geboostert sind, müssen überall dort, wo die 2-G-Plus-Regel gilt, keinen aktuellen negativen Corona-Test mehr vorlegen – also zum Beispiel in Gaststätten, im Zoo oder bei Freizeit- und Kulturveranstaltungen“, teilte auch der Amtschef des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums, Uwe Lahl, in Stuttgart mit. Es genügt in den drei Bundesländern damit der Nachweis über die Impfungen.

          In Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg tritt die geänderte Coronaverordnung bereits am Samstag in Kraft. Die niedersächsische Verordnung soll ab der kommenden Woche geändert werden, dennoch soll die wegfallende Testpflicht für dreimal Geimpfte bereits ab Samstag umgesetzt werden. Verstöße gegen die laut aktueller Verordnung gültige Testpflicht durch Geboosterte würden bis zum Inkrafttreten der geänderten Verordnung geduldet, hieß es.

          Neue Verschärfungen in Baden-Württemberg

          Niedersachsen reagiere so auf Erkenntnisse, nach denen die Gefahr einer Infektion und Übertragung nach drei Impfungen „ausgesprochen gering“ sei. Zudem solle die Neuregelung dazu beitragen, „die stark beanspruchten Testkapazitäten“ zu entlasten. „Die Auffrischungsimpfung erhöht den Impfschutz enorm“, erklärte auch Dreyer. In Rheinland-Pfalz gilt ab dem Wochenende in Innenräumen flächendeckend die 2-G-Plus-Regel. In Niedersachsen gilt sie vielerorts seit Mittwoch.

          In Baden-Württemberg treten mit der neuen Verordnung – ebenso wie in weiteren Ländern – auch eine Reihe von Verschärfungen in Kraft. Für Sport- und Kulturveranstaltungen gilt in der derzeit landesweit geltenden Alarmstufe II eine Personenobergrenze von 750 Menschen – was aktuell etwa in der Bundesliga de facto auf Geisterspiele hinauslaufe. Für die Gastronomie einschließlich der Hotelgastronomie gilt ab Samstag generell 2-G-Plus, abgesehen von der Ausnahme für Geboosterte, noch geöffnete Weihnachtsmärkte, Clubs und Diskotheken werden geschlossen.

          Überlastete Labore: RKI fürchtet verfälschte Zahlen

          Nach einer kurzen Unterbrechung ist die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen wieder gestiegen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Freitagmorgen stieg der Wert auf 442,1. Wie das RKI unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter weiter mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 74.352 Neuinfektionen verzeichnet. Deutschland hat damit die Zahl von sechs Millionen registrierten Infektionen überschritten. Seit Pandemiebeginn haben die Gesundheitsämter 6.051.560 Fälle gemeldet.

          Die Zahl der von einer Erkrankung durch das Coronavirus genesenen Menschen in Deutschland bezifferte das Institut mit rund 5.023.200. Auch das ein neuer Höchstwert. Die Gesamtzahl der Corona-Todesfälle in Deutschland stieg um 390 auf 102.568.

          Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche an. Seit Anfang November stieg der Wert rasant an. In der Folge wurden täglich neue Höchststände registriert. Am Dienstag meldete das RKI dann erstmals seit mehr als drei Wochen einen Rückgang der Inzidenz. Bis Donnerstag sank sie von 452,4 auf 439,2.

          Der starke Anstieg der vergangenen Wochen habe sich damit nicht fortgesetzt, schreibt das RKI in seinem am Donnerstag veröffentlichten Wochenbericht. Dies könne ein erster Hinweis auf eine „sich leicht abschwächende Dynamik im Transmissionsgeschehen aufgrund der deutlich intensivierten Maßnahmen zur Kontaktreduzierung sein“. Möglich sei aber auch, dass regional die Kapazitäten im Öffentlichen Gesundheitsdienst und den Laboren erschöpft sind. Das würde bedeuten, dass womöglich nicht alle Fälle entdeckt beziehungsweise erfasst werden und die Zahlen eigentlich höher ausfallen. Es werde angesichts der aktuellen Entwicklungen mehr schwere Erkrankungen und Todesfälle geben, befürchtet die Behörde.

          Weil auch die Zahl der durchgeführten PCR-Tests sowie der Bedarf an Sequenzierungen wöchentlich zunehme und die Labore belaste, fordert das RKI zudem „eine Priorisierung des Einsatzes von PCR-Tests gemäß der Nationalen Teststrategie“. Je nach regionaler Verfügbarkeit solle der Einsatz der Tests kritisch geprüft und gegebenenfalls begrenzt werden, beispielsweise bei der angestrebten Verkürzung der Quarantänezeit von Kontaktpersonen und bei der Entisolierung. Je nach Falllage könnten stattdessen hochwertige Antigentests zum Einsatz kommen.

          Als entscheidenden Maßstab für eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen hatten Bund und Länder am 18. November die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz festgelegt. Dieser Wert gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus liegen.

          Ab einem Wert von drei gilt in einem Bundesland flächendeckend für Veranstaltungen die 2G-Regel. Das heißt, nur gegen das Coronavirus Geimpfte und von Covid-19 Genesene sind zugelassen. Am Mittwoch lag die Hospitalisierungsinzidenz laut RKI bundesweit bei 5,47.

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