https://www.faz.net/-guw-a88q0

Ermittlungen ziehen sich hin : Wanderung mit Einkehr verursacht mindestens 25 Corona-Infektionen

  • Aktualisiert am

Eine Gruppe von Wanderern läuft durch einen verschneiten Wald. Bild: dpa/Swen Pförtner

Der Ausflug einer Wandergruppe ins schön verschneite Donautal hat in Baden-Württemberg zu einem massiven Corona-Ausbruch geführt. Politiker fordern Strafen, „die weh tun“.

          2 Min.

          Ein Wanderausflug einer 14-köpfigen Gruppe mit Beisammensein in einer Hütte hat in Baden-Württemberg einen Corona-Ausbruch verursacht – und für Entsetzen bei Politikern gesorgt. Der Bürgermeister der Stadt Mühlheim an der Donau, Jörg Kaltenbach (CDU), sagte laut der Zeitung „Bild“: „Die Wanderer stammen aus zehn Haushalten. Niemand aus der Gruppe hat sich an die Corona-Regeln gehalten, wie wir jetzt erfahren haben.“

          Dabei hätten sich Beteiligte gegenseitig angesteckt und später andere infiziert. „Das muss hart bestraft werden“, so Kaltenbach gegenüber „Bild“. Mehrere Medien berichteten über den Vorfall.

          Rücksichtslos und selbstherrlich

          Die Gruppe war am 16. Januar durch das verschneite Donautal gewandert. Stefan Bär, Landrat des Landkreises Tuttlingen, sagte in einer am Freitag veröffentlichten Video-Botschaft auf Facebook: „Aus dieser Wanderung sind – Stand heute –  bereits 25 positive Fälle hervorgegangen.“ Es sei einer der massivsten Verstöße gegen die Corona-Verordnuneng bisher. Das Verhalten sei rücksichtslos gewesen „und grenzt an Selbstherrlichkeit“.

          Bürgermeister Kaltenbach sagte dem SWR mit Blick auf die Konsequenzen für die Corona-Regel-Brecher, es gebe eine klare Erwartungshaltung, „dass man sich hier im allerobersten Rahmen bewegt, dass es weh tun muss und eine abschreckende Wirkung hat“.

          Alle Entwicklungen zur Corona-Krise lesen Sie in unserem Liveblog.

          Voraussichtlich keine strafrechtlichen Konsequenzen

          In Mühlheim lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Ende vergangener Woche bei fast 1000. Unterdessen sank der Wert auf rund 500. Am Mittwoch lag die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Tuttlingen – dort befindet sich Mühlheim an der Donau – bei 100,9.

          Trotz der Forderungen nach einer Strafe aus der Politik wird es für die 14 Teilnehmer jedoch voraussichtlich keine strafrechtlichen Konsequenzen haben. Man gehe davon aus, dass die Wanderer keine Straftaten begangen hätten, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Rottweil, Frank Grundke, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Vermutlich handele es sich um Ordnungswidrigkeiten. Die Staatsanwaltschaft sei in dem Fall bislang gar nicht eingeschaltet – entgegen anderslautenden Berichten.

          „Stand jetzt gibt es keine Hinweise auf eine Straftat“, sagte ein Sprecher der Polizei Konstanz. Man gehe bislang lediglich von Verstößen gegen die Corona-Verordnung und das Infektionsschutzgesetz aus. Jetzt gelte es zu klären, ob die Person oder die Personen, die bei der Wanderung bereits mit dem Coronavirus infiziert gewesen seien, von ihrer Infektion gewusst hätten. Das wäre Voraussetzung für ein Körperverletzungsdelikt. Allerdings gehe die Polizei derzeit nicht davon aus. Die Ermittlungen zu dem Fall könnten sich hinziehen, sagte der Sprecher. Es müssten 14 Personen und weitere Zeugen befragt werden.

          Weitere Themen

          Großbritannien verschärft abermals Einreise wegen Omikron

          Corona-Liveblog : Großbritannien verschärft abermals Einreise wegen Omikron

          Welcher Landkreis hat die niedrigste Inzidenz? +++ Künftiger Minister Wissing rät von Reisen zu Weihnachten ab +++ Niederländische Königsmutter Beatrix positiv getestet +++ DKG: „Wir laufen in einigen Hotspots auf eine Katastrophen-Medizin zu“ +++ Entwicklungen zur Pandemie im Corona-Liveblog.

          Peperoni auf meiner Brust

          Herzblatt-Geschichten : Peperoni auf meiner Brust

          Bringt der Allmächtige Kim und Kanye wieder zusammen? Was verbindet Söder und Dürer? Und welche geheimen Vorlieben hat James Blunt? Die Herzblatt-Geschichten.

          Topmeldungen

          Fangverbot in der Ostsee : Der junge Fischer und die großen Sorgen

          In der westlichen Ostsee dürfen Fischer bald fast keine Dorsche und Heringe mehr fangen. Nicht wenige sagen: Die dortigen Betriebe stehen vor dem Aus. Peter Dietze will sich seinem Schicksal nicht ergeben – er schippert Touristen und bietet Seebestattungen an.
          20 Mark im Jahr 1871

          150 Jahre Mark : Der Glanz des Goldes

          Vor 150 Jahren entstand mit der Einführung der Mark die erste deutsche Währungsunion. Ihre wechselvolle Geschichte zeigt, dass sich auch die stabilste Währung ruinieren lässt.
          Die Nürnberger Notfallsanitäterin Paloma Palm von Alten Blaskowitz  und Kollege Christian Brandmann in Corona-Schutzanzügen

          Rettungssanitäter und Corona : Wenn aus Minuten Stunden werden

          Notfallsanitäter müssen Leben retten. In der vierten Corona-Welle kann das auch heißen, mit überfüllten Kliniken um das letzte freie Bett zu feilschen. Das wird immer schwieriger. Ein Ortsbesuch in Nürnberg.