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DLRG-Sprecher im Interview : „Es wird in diesem Jahr keine normale Badesaison geben“

Keine Ansteckungsgefahr weit und breit: Eine Stand-Up-Paddlerin auf dem Wannsee. Bild: EPA

Eigentlich sollten bald die ersten Freibäder aufmachen. DLRG-Sprecher Achim Wiese sagt im Interview, warum die Menschen erst mal an Land bleiben sollten und was die Voraussetzungen für eine Badesaison 2020 sein könnten.

          3 Min.

          Herr Wiese, ich habe in dieser Woche einen Schwimmer in einem See gesehen, an dem das unbeaufsichtigte Baden normalerweise geduldet wird. Spricht da aus Ihrer Sicht in der aktuellen Lage etwas dagegen?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Ja. Unser Appell ist: Bleibt an Land! Grundsätzlich finden wir es schön, wenn sich Menschen im Erlebnisraum Wasser beschäftigen und dabei ihren Spaß haben. Aber nicht in der aktuellen Situation. Jeder muss damit rechnen, mal in einen Unglücksfall im Wasser verwickelt zu werden. Im Moment bringt man sich dabei nicht nur selbst in Gefahr, sondern möglicherweise auch noch die Retter. Wenn im Straßenverkehr jemand gerettet werden muss, können die Retter wenigstens Schutzkleidung tragen, die vor einer möglichen Corona-Infektion schützt. Wenn ich ins Wasser springen muss, hilft mir auch ein Mundschutz nichts mehr. Und bei der Rettung im Wasser hat man einen sehr engen Körperkontakt, ich muss Leute ganz nah an mich ziehen, um sie abzuschleppen zum Beispiel. Ich bringe aktuell als Schwimmer also meine möglichen Retter in eine unnötige Gefahr.  

          Gab es da schon konkrete Fälle?

          Ja. Ein Beispiel sind Kitesurfer, die den Wind und das schöne Wetter genutzt haben. Da kommt es immer mal vor, dass einer ins Wasser fällt und nicht mehr raus kommt. Einmal war das Surfbrett weg, da mussten wir helfen. Das sind Situationen, die man aktuell vermeiden kann und sollte. Wir suchen außerdem zum Beispiel regelmäßig Leute, die mit dem Schlauchboot auf einem Fluss unterwegs sind. Auch das ist normalerweise kein Problem, das ist unsere Aufgabe. Aber in der aktuellen Lage sollten die Leute gar nicht mit mehreren Leuten auf so einem engem Raum wie einem Schlauchboot sein. Trotzdem erleben unsere Retter das.

          Sie appellieren an die Vernunft der Menschen. Das heißt: Offiziell verboten ist das Schwimmen nicht?

          Nein, das ist eine dringende Bitte von uns. Verboten ist es nicht, man darf ja auch joggen. Ich darf natürlich nicht über eine Sportanlage ins Wasser, das ist ja klar.

          Achim Wiese ist Pressesprecher der DLRG-Bundesgeschäftsstelle

          Es gibt gerade sicher wichtigere Fragen – trotzdem: Gibt es irgendwelche Pläne, wie die Badesaison 2020 aussehen könnte? Oder ist es undenkbar, dass es so eine Saison überhaupt geben wird?

          Undenkbar ist es nicht, aber problematisch natürlich schon. Die Freibäder stehen in den Startlöchern, die könnten am nächsten Wochenende eigentlich eröffnen. Da werden jetzt spezielle Hygiene-Vorrichtungen installiert, es gibt Masken für das Personal, Desinfektionsmittelspender, Seife und so weiter. Aber es ist natürlich trotzdem unvorstellbar, dass am 4. Mai die Menschen in die Freibäder strömen. Das würde ruck, zuck zu einer Großveranstaltung werden und die sind bis Ende August verboten. Es gibt Schwimmbäder, da passen 3000 Menschen rein. Hier in der Region Hannover sollen die Badeseen vielleicht erst im Juni offiziell eröffnet werden. Aber das ist alles noch unklar.

          Über das Wasser ist das Virus nach jetzigem Stand der Forschung nicht übertragbar. Ist es vorstellbar, dass man zum Beispiel in Schwimmbäder irgendwann eine begrenzte Anzahl an Gästen für eine begrenzte Zeit reinlässt und dann auch dort Abstand voneinander gehalten werden muss?

          Das könnte man sicher irgendwie organisieren. Die Frage ist: Was bleibt dann von dem Spaß, wegen dem man eigentlich ins Freibad geht? Dann kann man ja nur noch Bahnen schwimmen. Wir kämpfen um den Erhalt der Bäder, weil es normalerweise ein wunderbarer Ort ist, an dem man gemeinsam mit Freunden eine gute Zeit hat. Aber wahrscheinlich muss man sich für diesen Sommer ein anderes Konzept überlegen. In Planung und Organisation haben die Deutschen schon immer Talent bewiesen. Ob das dann in der Praxis funktioniert, ist eine andere Frage.

          Sie haben beschrieben, dass sich Helfer in Gefahr begeben, wenn sie Menschen im Wasser retten. Das wird sich im Laufe dieses Sommers nicht ändern, das Virus bleibt ja da. Werden Sie trotzdem Ihre Rettungsschwimmer an die Seen schicken?

          Man muss sich darüber im Klaren sein, dass unsere Leute da einem Risiko ausgesetzt werden. Wir werden sie mit Sicherheit an die Badeseen schicken, das ist unsere Kernaufgabe. Aber wir werden sehr darauf achten, unter welchen Bedingungen sie dort arbeiten. Wir werden mit den Kurverwaltungen an den Küsten und mit den Kommunen sehr konkret darüber verhandeln, wie die örtlichen Gegebenheiten sind. Unsere Leute müssen ausgerüstet werden mit persönlicher Schutzausrichtung, und auch die Unterkünfte müssen entsprechend vorbereitet werden. Oft sind die DLRG-Teams in Mehrpersonenunterkünften untergebracht, da wird man schauen müssen, ob das überhaupt noch möglich ist. Und wenn wir nicht mit der gesamten Stärke der Rettungskräfte an Ort und Stelle sein können, kann vielleicht nur der Abschnitt eines Sees zum Baden freigegeben werden. Über diese Dinge muss man jetzt reden. Wir gehen jedenfalls alle davon aus, dass es in diesem Jahr keine normale Badesaison geben wird.

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