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Corona und die Landwirtschaft : Kondensmilch besonders gefragt

Nachschub für den Supermarkt: Die Molkereien brauchen von den Bauern jetzt vor allem Milch für den Endverbraucher. Bild: dpa

In Supermärkten weisen Milchregale wegen Hamsterkäufen Lücken auf. Landwirte aber fürchten bereits, dass der Absatzmarkt für Milch bald einbrechen könnte.

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          Hessens Bauernpräsident Karsten Schmal ist gerade auf dem Schlepper auf seinen Wiesen unterwegs. Seine 150 Hektar Grünland müssen jetzt bearbeitet werden, damit dort genügend Futter für die 190 Milchkühe und für 190 Jungtiere wachsen kann. Ansonsten sitzt Schmal im Büro des Verbands in Friedrichsdorf oder irgendwo bei einem der Treffen auf Bundesebene, wo der Landwirt aus Waldeck-Frankenberg dem Fachausschuss Milch des Deutschen Bauernverbandes vorsteht. Seinen Betrieb führt inzwischen weitgehend der Sohn. Da derzeit aber auch örtliche Aushilfskräfte aus Furcht vor einer Corona-Ansteckung fehlen, steuert er jetzt wieder täglich den Schlepper und bedient öfter als sonst die Melkmaschinen. Sorgen, bald auf seiner Milch sitzenzubleiben, hat Schmal aber nicht. Das hatte in den vergangenen Tagen der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter mit Hinweis auf den Preisverfall für Milch an den internationalen und europäischen Terminbörsen prognostiziert.

          Patricia Andreae
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Schwierigkeiten könne es vielleicht für die Bayern geben, sagt Schmal, die beispielsweise viel Milch direkt nach Italien exportierten. Für Hessen aber sieht der Landwirt, der selbst an die Molkerei Hochwald liefert, einen weitgehend stabilen Markt. Auch glaubt er, dass nach der kürzlich mit einem Discounter erzielten Vereinbarung auch die übrigen Verhandlungen mit Molkereien und mit dem Handel gut für die Milchproduzenten laufen würden. Der Grundpreis der Molkerei Hochwald liegt derzeit bei 31 Cent je Liter. Viel Spielraum lassen auch solche Preise den Bauern offenbar nicht, weniger als 30 Cent gelten als kritisch. „Die Milchpreise müssen generell nach oben gehen, um steigende Kosten, die zum Beispiel durch zusätzliche Auflagen wie die Düngeverordnung entstehen, schultern zu können“, sagt Schmal. Solange die Nachfrage noch gut sei, rechne er aber nicht mit einem Preisverfall. Bei seiner Molkerei seien die Auftragsbücher bisher jedenfalls noch voll, vor allem für die Bärenmarke-Kondensmilch.

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