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Deutsch-Französische Grenze : Kein kleiner Grenzverkehr mehr

Beamte der Bundespolizei kontrollieren ein französisches Fahrzeug, dass vom französischen Petite-Rossell ins saarländischen Grossrosseln fahren will. Bild: dpa

Im Saarland ist man die Nähe zu Frankreich gewohnt. Dank des Schengener Abkommens existiert die Landesgrenze im Leben der Grenzbewohner praktisch kaum. Das hat sich durch die Corona-Krise stark verändert.

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          Seit dem 16. März schon ist die Grenze wieder dicht. Dabei garantiert das Schengener Abkommen eigentlich allen Teilnehmerstaaten, frei zu reisen. So kann es im Westen des Saarlands leicht passieren, dass man bei einem Spaziergang durch den Wald gleich mehrmals die Grenzen zwischen Deutschland, Frankreich und Luxemburg überquert, ohne es zu merken. Mit diesem kleinen Grenzverkehr ist es wegen Corona aber vorläufig vorbei.

          Die neuen Regelungen haben auch den Alltag von Hanspeter Kittel verändert. Der Polizeihauptkommissar der Bundespolizei aus Baden arbeitet seit 2005 im Saarland. Sein Wohnsitz liegt in Frankreich, seine Kinder besuchen ein zweisprachiges Gymnasium. „Die beiden sind absolut bilingual“, sagt der Dreiundfünfzigjährige. Die veränderte Situation erlebt Kittel aus zwei Perspektiven: einerseits als deutscher Beamter, andererseits als Bürger, der in Frankreich wohnt und täglich die Grenze überqueren muss. „Die Grenze war gefühlt nicht mehr vorhanden, nun ist sie wieder da. Das ist schon ein komisches Gefühl.“

          Da in Frankreich Ausgangssperre herrsche, die Grenze geschlossen sei und er ein französisches Kennzeichen habe, müsse auch er morgens zur Arbeit einen längeren Umweg fahren und zudem fünf verschiedene Dokumente mit sich führen. Und wenn er nach Dienstschluss auf der deutschen Seite mit seinem Privatwagen noch zum Supermarkt fahre, werde er von den Leuten des öfteren schief angeguckt, weil sie meinen, er sei womöglich Franzose.

          Auch Anwohner dürfen Grenze nicht überqueren

          Kittels Kollege Wolfgang Austgen erlebt die Situation ähnlich. Der 55 Jahre alte Leiter der Dienstgruppe in Bexbach kommt aus dem Saarland. Die Verbindung zu den beiden Nachbarländern sei für ihn immer schon groß gewesen. „Die Saarländer sind in Frankreich und Luxemburg stark verwurzelt“, sagt Austgen. Im Kopf gebe es hier keine Grenze, auch nicht bei Polizisten. Früher sei er zum Tanken nach Luxemburg und zum Bäcker nach Frankreich gefahren. „Das mache ich jetzt natürlich nicht. Schließlich will ich mit gutem Beispiel vorangehen.“

          Bisher haben nur ein paar alte Zollhäuser an die Grenzen erinnert, die er und seine Kollegen nun wieder sichtbar machen müssen. Durchgelassen werde nur, wer einen nachvollziehbaren Grund habe, etwa wenn er ein Dokument vom Arbeitgeber in Verbindung mit Personalausweis vorlegen könne und keine Krankheitssymptome aufweise.

          Außer an den offiziellen Übergängen dürfen selbst Anwohner die Grenzen eigentlich nicht mehr überqueren. Das führe auch zu Unmut, erzählt Hanspeter Kittel. Mittlerweile habe sich die Lage aber entspannt, und es kämen fast nur noch Autofahrer mit einem guten Grund an die Grenze. Insgesamt wurden in den vergangenen vier Wochen rund 86.000 Personen abgewiesen. In der ersten Woche waren es nach Angaben der Bundespolizei in Bexbach noch rund 40.000 Personen, danach etwa 15.000 pro Woche, zuletzt noch gut 12.000.

          In den Wäldern im Grenzgebiet sei eine Kontrolle natürlich kaum möglich, aber auch nicht unbedingt nötig. „Es geht ja darum, zu verhindern, dass das Virus sich verbreitet“, sagt Austgen. Spaziergänger oder Radfahrer im Wald hielten den nötigen Abstand auch meistens ein. Von ihnen gehe kaum eine Gefahr aus. Und ein Bauer, der ein grenzübergreifendes Feld zu bewirtschaften habe, dürfe natürlich auch die Grenze mit dem Traktor überqueren.

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