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Hochansteckende Delta-Variante : Bundesärztekammer warnt vor Reisen in Corona-Variantengebiete

  • Aktualisiert am

Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden in Sri Lanka Bild: dpa

Ärztepräsident Reinhardt plädiert dafür, Reisen in besonders von Delta betroffene Länder abzusagen. Die Variante könnte zudem das Erreichen einer Herdenimmunität erschweren, warnt ein Virologe. In absoluten Zahlen ist sie aber rückläufig.

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          Die Bundesärztekammer hat vor Urlaubsreisen in Gebiete gewarnt, in denen die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus grassiert. „Auf Reisen in Regionen, die von der Delta-Variante besonders betroffen sind, sollte verzichtet werden“, sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Dienstag.

          Wenn Vorsicht und Verantwortung gewahrt seien, spreche dagegen nichts gegen Urlaubsreisen. Für viele Menschen sei der Urlaub nach den Belastungen der vergangen Monate wichtig für das seelische Gleichgewicht. „Notwendig ist aber die Einhaltung der Hygieneregeln auch im Urlaubsort“ mahnte Reinhardt.

          Vierte Welle hängt von Impfkampagne ab

          Der Ärztepräsident geht davon aus, dass sich die Delta-Variante mittelfristig auch in Deutschland gegen die Urform des Coronavirus durchsetzt. Man könne auch davon ausgehen, dass die Inzidenz zum Ende des Sommers saisonbedingt wieder ansteigen werde. Ob es zu einer vierten Welle komme, hänge wesentlich vom Fortschritt der Impfkampagne in Deutschland ab.

          Es sei zudem zu erwarten, dass die Zahl der schweren Verläufe auch bei einem Wiederanstieg der Infektionszahlen geringer ausfallen werde, weil insbesondere die vulnerablen Gruppen durch Impfungen besser geschützt seien.

          Allein schon mit Blick auf einen geregelten Schulbetrieb nach den Sommerferien müssten die Menschen jedoch „alles dafür tun, einen starken Wiederanstieg der Infektionszahlen, wie derzeit in Großbritannien, zu verhindern“, sagte Reinhardt. Alle Erwachsenen sollten deswegen die Impfangebote wahrnehmen und auch fristgerecht die notwendigen Zweitimpfungen vornehmen lassen.

          Die befürchtete Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus in Deutschland könnte einem Experten zufolge das Erreichen von Herdenimmunität weiter erschweren. „Delta ist noch ein Stück ansteckender als die derzeit vorherrschende Virusvariante Alpha. Anhand der bisherigen, noch unsicheren Daten bräuchte man wohl rund 85 Prozent immune Menschen in der Bevölkerung, um die Ungeimpften indirekt mit zu schützen“, sagte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, der Deutschen Presse-Agentur.

          „Wir kommen also in Bereiche, die schwer zu erreichen sind, solange es für Kinder unter 12 Jahren keinen zugelassenen Impfstoff und für alle unter 18 Jahren keine allgemeine Impfempfehlung gibt. Es kann sein, dass Herdenimmunität nur für einzelne Einrichtungen wie Pflegeheime erreicht werden kann, aber nicht für das Gros der Bevölkerung“, sagte Watzl. Mangels Impfmöglichkeiten gelte auch für jüngere Schüler, dass bei ihnen zunächst keinerlei Gemeinschaftsschutz besteht.

          Delta in absoluten Zahlen rückläufig

          Das Robert Koch-Institut (RKI) spricht seit längerem von einem Ziel von mehr als 80 Prozent immunen Menschen - nach vollständiger Impfung oder Infektion plus Impfung -, um weitgehend auf Maßnahmen und Regeln verzichten zu können. Zu Beginn der Pandemie gingen Experten noch von einem Anteil von rund zwei Dritteln aus, wegen des damals noch weniger infektiösen Erregers.

          Nach Einschätzung des Immunologen Watzl wäre aber auch das Erreichen einer Impfquote von 60 bis 70 Prozent in der Bevölkerung schon eine große Hilfe für die Pandemiebekämpfung. „Die Hoffnung ist, dass es dann nur noch zu kleineren Ausbrüchen kommt, die keine Lockdown-Maßnahmen mehr erfordern.“ Menschen, die nicht geimpft werden können, die sich nicht immunisieren lassen wollen oder bei denen die Impfung etwa aus Gründen wie Alter oder Erkrankung nicht so gut anspricht, würden sich dann am ehesten infizieren. „Die gute Nachricht ist: Jeder, der vollständig geimpft ist, ist auch vor Delta geschützt“, sagte Watzl.

          Wachsamkeit sei nun wichtig, damit keine neue Welle mit der Variante aufkommen könne, appellierte Watzl. Kontakte nach Ausbrüchen müssten genau nachverfolgt werden. Zwar beschreibt das Robert Koch-Institut für Anfang Juni einen wachsenden Anteil von Delta an den untersuchten positiven Corona-Proben in Deutschland, von 3,7 auf 6,2 Prozent.

          In absoluten Zahlen entwickelten sich die Delta-Fälle jedoch rückläufig, ebenso wie die Corona-Fälle insgesamt, so Watzl. „Das ist ein Unterschied im Vergleich zur Ausbreitung der in Großbritannien entdeckten Variante Alpha zu Jahresbeginn. Diese Variante hatte immer mehr zugelegt, was aber zunächst durch den insgesamt sinkenden Trend der Fallzahlen verdeckt blieb.“

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