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Delta in Großbritannien : Gestorben trotz Impfung

Eine Pflegekraft im Januar 2021 auf einer Intensivstation in London Bild: dpa

In Großbritannien sind Patienten trotz Impfung nach einer Infektion mit der Delta-Mutante gestorben. Die englische Gesundheitsbehörde Public Health England hat dazu Zahlen veröffentlicht.

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          Eine Auswertung der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England hat ergeben, dass mehr als die Hälfte aller Personen, die bisher mit der sogenannten Delta-Variante gestorben sind, geimpft waren. Von den 117 Patienten, die zum Zeitpunkt ihres Todes mit der Virus-Variante infiziert waren, hatten 50 zwei Impfstoffdosen erhalten und 20 eine Dosis. Nur acht der 117 Toten waren unter fünfzig Jahre alt; sechs von ihnen waren ungeimpft, zwei einmal geimpft. Wissenschaftler erklärten am Freitag, dass es sich bei den geimpften Toten überwiegend um sehr alte oder gesundheitlich angeschlagene Patienten gehandelt habe.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Insgesamt wurden bis Anfang der Woche 1320 Patienten mit der Delta-Variante in britischen Krankenhäusern behandelt. 902 von ihnen waren unter fünfzig Jahre alt. Von diesen waren 77 Prozent ungeimpft. Bei den über Fünfzigjährigen, die klinisch behandelt wurden, ergibt sich ein anderes Bild: Ein Drittel war ungeimpft, ein Viertel mit einer Dosis geschützt, und 39 Prozent hatten zwei Dosen erhalten.

          Insgesamt haben sich in Großbritannien bisher etwas mehr als 111.000 Menschen mit der Delta-Variante infiziert; sie ist schon länger zur dominanten Variante geworden. Zuletzt stieg die Zahl der Ansteckungen binnen einer Woche auf etwas mehr als 35.000. Das waren 46 Prozent mehr als in der Woche zuvor. Wegen der anhaltenden Verbreitung wirbt Bundeskanzlerin Angela Merkel seit Tagen dafür, eine EU-weite Quarantäne für Reisende aus Großbritannien einzuführen; in Deutschland müssen sie schon seit vergangenem Monat für 14 Tage in Quarantäne. Die meisten Urlaubsländer verzichten bisher auf solche Maßnahmen.

          Hohe Inzidenz nur aufgrund vieler Tests?

          Umgekehrt verpflichtet Großbritannien seit Monaten Reisende aus fast allen europäischen Ländern zu einer mindestens fünftägigen Isolation und mindestens zwei amtlichen Tests. Merkels Appell, der vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron unterstützt wurde, stieß in der britischen Presse und in der Politik auf Befremden. Mehrere Minister wiesen auf den höheren Impfstand im Königreich hin, wo 83 Prozent der Erwachsenen einmal und mehr als 60 Prozent zweimal geimpft sind. Am Freitag wurde bekannt, dass Merkel am nächsten Freitag im Regierungslandsitz Chequers erwartet wird, um mit Premierminister Boris Johnson zu sprechen.

          Im Königreich wird von einigen Wissenschaftlern argumentiert, dass die Infektionslage in der EU nur oberflächlich besser aussehe. Die vergleichsweise hohen Ansteckungszahlen im Königreich seien auch darauf zurückzuführen, dass je Tag fast eine Million Tests durchgeführt würden – zehnmal mehr als in manchen EU-Ländern. Dafür habe Großbritannien, wo die Hälfte aller weltweit durchgeführten Virusstruktur-Untersuchungen („Sequencing“) vorgenommen werden, einen besseren Überblick über den tatsächlichen Verbreitungsgrad der Delta-Variante.

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