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Reisewarnung : Risikogebiet Türkei

Keine Touristen in Antalya: Für die Türkei wurde die Reisewarnung bis Ende August verlängert. Bild: dpa

In der Türkei steigen die Neuinfektionen wieder täglich. Das Robert-Koch-Institut warnt deshalb vor Reisen in das beliebte Urlaubsland.

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          Urlaubsreisen in die Türkei sind zwar möglich, für Reisende aus Deutschland bleibt das Land aber ein Corona-Risikogebiet. Während die Bundesregierung für die meisten europäischen Staaten die generelle Corona-Reisewarnung aufgehoben hat, stehen auf der vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Liste zu den Risikogebieten weitere beliebte Urlaubsländer wie Ägypten, Marokko und Thailand.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Ein Land gilt dann als Risikogebiet, wenn die Zahl der täglichen Neuinfektionen innerhalb einer Woche bei mehr als 50 je 100.000 Einwohnern liegt. Die Entscheidung, welche Länder als Risikogebiet gelten, ist nicht politisch motiviert, sondern eine Folge der Infektionszahlen. In der Türkei steigen die täglichen Neuinfektionen seit dem 12. Juni wieder und liegen zurzeit bei etwa 1500 am Tag.

          Auch wenn die Infektionszahl relativ niedrig ist, kann ein Land zum Risikogebiet erklärt werden, beispielsweise bei mangelnden Testkapazitäten oder unzureichenden Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. „Ebenso wird berücksichtigt, wenn keine verlässlichen Informationen für bestimmte Staaten vorliegen“, heißt es auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts.

          Liste gilt bis 31. August

          Die Liste mit den Risikogebieten gelte bis zum 31. August und werde regelmäßig aktualisiert, teilt das Auswärtige Amt mit. Wer aus einem Risikogebiet wieder nach Deutschland einreise, müsse damit rechnen, 14 Tage Quarantäne verordnet zu bekommen. Im Juni hatten das Oberverwaltungsgericht für Nordrhein-Westfalen in Münster und dann das Verwaltungsgericht in Berlin entschieden, dass in ihren Bundesländern Reisende, die nach 72 Stunden aus einem Risikogebiet zurückkommen, nicht generell verpflichtet werden können, sich in häusliche Quarantäne zu begeben.

          Eine vorzeitige Aufhebung der Einteilung in ein Risikogebiet sei bei positiver Pandemieentwicklung, einem stabilen Gesundheitssystem, stimmigen Sicherheitsmaßnahmen für den Tourismus sowie verlässlichen Hin- und auch Rückreisemöglichkeiten möglich und werde im Einzelfall gesondert bekanntgegeben, teilt das Auswärtige Amt mit.

          Kritik aus der Tourismusbranche

          Vor allem die Türkei, das drittbeliebteste Urlaubsland der Deutschen nach Spanien und Italien, hatte zuletzt darauf gedrungen, die Reisewarnung aufzuheben. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoglu hatte sich vor einigen Tagen enttäuscht über den Kurs der Bundesregierung gezeigt. Alles sei für eine sichere Reise in die Türkei vorbereitet, sagte er dem „Spiegel“: „Die wissenschaftlichen Gründe hinter der Entscheidung sind für uns nur schwer zu verstehen.“

          Die Türkei hat in der vergangenen Woche ihre Einreisebeschränkungen weitgehend aufgehoben und den Flugverkehr wiederaufgenommen, auch nach Deutschland. Nach Ansicht der Regierung in Ankara ist an den Urlaubsorten am Mittelmeer wie Antalya und Bodrum für alle Corona-Sicherheitsvorkehrungen gesorgt.

          Kritik über die Verlängerung der Einstufung der Türkei als Risikogebiet kommt auch aus der Tourismusbranche. Deniz Ugur, Geschäftsführer bei Bentour, einem der führenden Anbieter von Türkei-Reisen, sagte der F.A.Z., in den türkischen Ferienregionen lägen die Infektionszahlen klar unter denen in Süddeutschland. Zudem habe die Türkei massiv in die Sicherheit der Urlauber investiert, bis hin zum Umbau der Klimaanlagen im Flughafen von Antalya. Auch liege das Gesundheitssystem im internationalen Vergleich an der Spitze. Er bezeichnete die Einstufung daher als eine „Pauschalverurteilung“. Deutsche Urlauber würden benachteiligt und um ihren langersehnten Urlaub gebracht. Gleichzeitig würden deutsche Arbeitsplätze in der Reisebranche und an deutschen Flughäfen gefährdet. Für die Türkei forderte er eine regionale Lösung wie in Spanien.

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