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Madrid im Ausnahmezustand : Die Großfamilie hat Pause

In Zeiten der Coronakrise bleibt der große Tisch leer. (Symbolbild) Bild: AP

Im katholischen Spanien einte bislang ein fester sozialer Kitt Großeltern, Eltern und Kinder. Ausgerechnet diese Verbindung hat das Virus brutal gekappt.

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          Wenn Spanien einigermaßen durch die Finanzkrise von 2008 gekommen ist, ohne dass die Armen und Benachteiligten auf die Barrikaden gegangen wären – so eine häufig geäußerte Meinung –, lag es auch an der immer noch engen Beziehung zwischen den Generationen. Anders als in Deutschland und manchen anderen Ländern des nördlichen Europas nämlich eint im katholischen Spanien ein fester sozialer Kitt Großeltern, Eltern und Kinder. Um das zu erkennen, genügte früher ein Blick in Restaurants und Cafés auf öffentlichen Plätzen.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Ausgerechnet diese Verbindung, auf die das Land wegen fehlender Sozialeinrichtungen schon seit langem angewiesen ist, hat das Virus brutal gekappt: Die Großeltern dürfen nicht mehr auf die Kleinen aufpassen, die mittlere Generation kann die Alten nicht nach Hause holen, kurz: Die spanische Großfamilie als essentielle soziale Einheit hat in einer Zeit, in der das Heil in strengster Isolation liegt, vorläufig ausgedient. In diesem Verkümmernlassen aus Vorsicht bereiten sich kommende seelische Krankheiten einer ganzen Gesellschaft vor.

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