https://www.faz.net/-guw-a56xj

Dänemark : Nerze stecken Menschen mit mutierten Coronaviren an

Nerze auf einer Pelzfarm in Dänemark in ihren Käfigen (Archivbild) Bild: dpa

Dänemark lässt alle Nerze im Land töten und verhängt einen Lockdown über Nordjütland: Ein mutiertes Coronavirus hat sich von Tier auf mehrere Menschen übertragen. Im Falle einer Ausbreitung könnte das gravierende Folgen haben.

          2 Min.

          In Dänemark leben weit mehr Nerze als Dänen, und um sie und ihr Fell herum ist eine mächtige Bekleidungsindustrie entstanden. Mit etwa 17 Millionen Nerzen auf rund 1200 Farmen ist das Land der größte Produzent von Nerzfellen. Doch dieser Industrie droht ein jähes Ende – wegen Corona. Nerze können sich mit dem Virus infizieren und Menschen anstecken. Nachdem man in den vergangenen Monaten auch schon in anderen Ländern Ausbrüche auf Nerzfarmen verzeichnet hatte und viele Tiere gekeult werden mussten, hat Dänemark nun einen drastischen Schritt angekündigt: Alle Nerze müssen so schnell wie möglich getötet werden. Am Donnerstag kamen außerdem Einschränkungen für die in den betroffenen Gebieten lebenden Dänen hinzu.

          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Der Grund für diese Entscheidungen klingt dramatisch. Wie die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Mittwoch mitteilte, hat man bei zwölf Menschen, die sich im Norden des Landes bei Nerzen angesteckt hätten, mutierte Formen des Coronavirus nachgewiesen. Ein mutiertes Virus aber könne für die ganze Welt Folgen haben, die Situation sei äußerst ernst, sagte sie. „Dänischer Nerz könnte die nächste Pandemiewelle auslösen“, schrieb die Zeitung „Politiken“ am Donnerstag. Sollte es dem Land nicht gelingen, die spezielle Variante des Virus, das sich schnell in Nord- und Südjütland bei Nerzen und Menschen verbreite, einzudämmen, könne sie sonst künftig als „dänisches Virus“ bekannt werden.

          Der dänische Gesundheitsminister hat die Fälle bei der EU-Kommission und der WHO gemeldet. Frederiksen äußerte, das Virus sei im Nerz mutiert und habe sich dann auf den Menschen übertragen. Man habe bei den gefundenen Viren eine verringerte Empfindlichkeit auf Antikörper nachgewiesen, es bestehe also das Risiko, dass der Impfstoff dagegen nicht richtig wirke. Der Chef des staatlichen Gesundheitsinstituts Kåre Mølbak äußerte, im schlimmsten Fall beginne die Pandemie in Dänemark von vorn, da die Immunität, die man durch eine Infektion oder Impfung erhalte, so verlorenginge. In Nordjütland waren vergangene Woche 783 Corona-Infektionen registriert worden. Etwa die Hälfte davon gingen auf Virenstämme zurück, die im Zusammenhang mit Nerzen stehen.

          Am Donnerstagabend zog die dänische Regierung schließlich weitere Konsequenzen. Frederiksen verkündete weitreichende Beschränkungen für die betroffene Region Nordjütland, einen faktischen Lockdown. So werden die etwa 280.000 Einwohner in sieben Kommunen dringend dazu aufgefordert, dort zu bleiben – andere sollen nicht dorthin reisen. Restaurants, Sporthallen und Fitnessstudios werden geschlossen. Mølbak machte bei der Pressekonferenz klar, dass das Virus nicht gefährlicher sei als die bislang bekannten Varianten, doch mit Blick auf die Wirkung der Antikörper eben ganz anders reagiere.

          Weitere Themen

          Fauci: Erkenntnisse zu Omikron „etwas ermutigend“

          Corona-Liveblog : Fauci: Erkenntnisse zu Omikron „etwas ermutigend“

          Ausschreitungen bei Demo gegen Corona-Maßnahmen in Brüssel +++ Demonstranten in Luxemburg stürmen Weihnachtsmarkt +++ Australien lässt Impfstoff für Kinder ab fünf Jahren zu +++ Großbritannien verschärft Einreise +++ Entwicklungen zur Pandemie im Corona-Liveblog.

          FFP2-Masken senken Infektionsrisiko enorm

          Neue Studie : FFP2-Masken senken Infektionsrisiko enorm

          Forscher des Göttinger Max-Planck-Instituts haben berechnet, wie gut der Ansteckungsschutz durch FFP2-Masken ist. Sie sind 75 Mal wirkungsvoller als OP-Masken, wenn sie korrekt sitzen und richtig getragen werden.

          Topmeldungen

                        Zuhause bedrängt:  Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping

          Vor Haus von Petra Köpping : Aufmarsch mit brennenden Fackeln

          In Sachsen belagern zwei Dutzend radikale Maßnahmen-Gegner das Privathaus von Gesundheitsministerin Petra Köpping. Der Verfassungsschutz beobachtet die „Querdenker“-Szene im Land zunehmend mit Sorge.
          Damals, im April, die erste Sitzung des Ausschusses im Großen Festsaal im Rathaus von Hamburg

          Cum-ex-Affäre : Staatsanwältin kritisiert Hamburger Behörden

          Im Untersuchungsausschuss zur Cum-ex-Affäre zeigt eine Staatsanwältin wenig Verständnis für das Verhalten der Hamburger Behörden. Eine Frage wird immer dringlicher: Gab es eine politische Einflussnahme?
          Bild der Geschlossenheit: Auch die unterlegenen Präsidentschaftsanwärter versammeln sich nach der Vorwahl der bürgerlichen Rechten um die Siegerin Valérie Pécresse.

          Pécresse tritt gegen Macron an : Eine Präsidentin für Frankreich?

          Zum ersten Mal zieht die bürgerliche Rechte mit einer Frau in den französischen Präsidentenwahlkampf. Valérie Pécresse, die als Vorbilder Angela Merkel und Margaret Thatcher nennt, ist oft unterschätzt worden.