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Begrüßung in Corona-Zeiten : Ohne Handschlag

Ellenbogen zeigen: Hauptsache, die Hand bleibt sauber. Bild: Francois Klein

In Zeiten von Corona sollte auf das klassische Händeschütteln zur Begrüßung verzichtet werden. Wir stellen Ihnen alternative virenfreie Begrüßungsrituale vor.

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          Händeschütteln war gestern. Heute herrscht die Verunsicherung. Erst einmal gilt es, den Reflex zu unterdrücken, dem Anderen die Hand entgegen zu strecken. Oder eine, die einem hingehalten wird, nicht zu ergreifen. Denn das „Gib dem Onkel die Hand“, wahlweise mit Adverbien wie „schön“ oder „brav“ nach dem Onkel oder der Tante, der Dame, dem Herrn, dem Pfarrer garniert, sitzt doch tief in den mitteleuropäischen Höflichkeits-Genen. Weshalb die Verrenkungen, die gegenwärtig beobachtet werden können, wenn sich Menschen begegnen, gelegentlich grotesk ausfallen.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Es gibt noch keine Konvention, die das mal zupackende, mal lasche, oft feuchte und warme Verklammern der Finger ersetzt, und so tauschen sich die leicht verstörten Individuen, so sie sich überhaupt noch treffen, derzeit erst einmal darüber aus, dass es ja nicht mehr angebracht sei, sich die Hand zu geben – um sodann die Ellenbogen oder Unterarme aneinanderzustoßen. Oder auf Begrüßungsformen aus anderen Kulturkreisen zurückzugreifen. Oder erst das eine und dann das andere zu tun.

          Dabei ist am hygienischsten gewiss die Verbeugung voreinander in angemessenem Abstand, wobei man den Spott zufällig vorübergehender Japaner in Kauf nehmen muss, die endlose Arten der Ehrerbietung mittels Kopfsenkens kennen. Das wird kein Europäer je lernen. Einfacher scheint da die indische Variante der zusammengelegten Hände: Namaste. Die Selbstberührung, die dabei stattfindet, dürfte unbedenklich sein. Virenfrei lässt sich auch grüßen, hält man es so wie der Vulkanier. Aber das soll ja gar nicht jeder können, Zeige- und Mittelfinger auf die eine, Ring- und kleinen Finger auf die andere Seite zu bringen.

          Trekkies machen es vor: Der Vulkanier-Gruß verlangt Fingerfertigkeit. Bilderstrecke

          Nicht das Gleichgewicht verlieren

          Wer cool sein wollte, verzichtete ohnehin schon immer einmal gern auf den herzlichen Händedruck. Und stieß allenfalls die Fäuste aufeinander, so dass die Handflächen einen geballten Schutz erhielten. Aber das ist in Zeiten tückischer Erreger nicht wirklich angebracht, denn, hast du’s nicht gesehen, lässt er sich von den Handknöcheln in Mund und Nase expedieren. Auch eine erhobene Hand, vielleicht verhalten winkend, genügte manchen schon vor Corona als berührungsloser Gruß, während ein barsch in den Raum gehauenes „Grüß Gott“ das Gegenüber zumindest außerhalb Bayerns so überraschen könnte, dass es glatt vor lauter Schreck oder Abwehr die womöglich verseuchte Pranke bei sich behielte. Ob sich das Füßeln als Alternative zum Handshake durchsetzt, wagen wir zu bezweifeln. Es dürfte bei diesem oder jener doch zu ungelenk aussehen. Oder zu Unfällen führen.

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