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Pandemie im Überblick : WHO warnt vor voreiliger Entspannung

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Vorsicht vor dem Virus: Menschen unterwegs in Istanbul Bild: EPA

Auch Kanzlerin Merkel ruft die Bürger zur Vernunft auf. Weltweit steigt die Zahl der Coronavirus-Infektionen. Allein Europa zählt mehr als 40.000 Corona-Tote – besonders in Frankreich steigt die Zahl. In Italien keimt zumindest etwas Hoffnung auf.

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          Der Nothilfekoordinator der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat vor einem vorschnellen Ende der Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie gewarnt. Auch der Wirtschaft sei nicht gedient, wenn Ausgangsbeschränkungen erst aufgehoben und dann wegen abermals stark steigender Fallzahlen wieder eingerichtet werden müssten, sagte Michael Ryan am Freitag in Genf.

          Einige der Maßnahmen, etwa das Distanzhalten zu anderen Menschen, müssten womöglich auch nach einer Lockerung der derzeitigen Beschränkungen vorerst beibehalten werden. „Viele Länder der Welt erklimmen auf tragische und gefährliche Weise einen Berg, und wir müssen sehr vorsichtig sein, wie wir da herunterkommen“, sagte Ryan.

          Die Zahl der Todesopfer durch das Coronavirus stieg derweil in Europa auf mehr als 40.000. Bis Freitag wurden auf dem Kontinent 40.768 Corona-Tote registriert, wie eine Berechnung der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Behördenangaben ergab. Europa ist damit der am schwersten von der Pandemie betroffene Kontinent.

          Mehr als drei Viertel der Todesfälle in Europa wurden aus Italien, Spanien und Frankreich gemeldet. In Italien starben 14.681 Infizierte - so viele wie in keinem anderen Land der Erde. In Spanien wurden bislang 10.935 Todesopfer gezählt, in Frankreich 5.387. Eine Auswahl an Länder in Überblick:

          In Deutschland wurden bis Freitagabend laut einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur mehr als 85.100 Infektionen (Vortag Stand 20.00 Uhr: mehr als 79.400). Die Uhrzeit, wann ein neuer Tagesstand gemeldet wird, variiert dabei von Bundesland zu Bundesland. Zudem melden einige der Bundesländer ihre Zahlen jeweils auch nicht immer zur gleichen Uhrzeit.

          Besonders hohe Zahlen haben Bayern mit mehr als 20.900 nachgewiesenen Fällen und mindestens 327 Toten und Nordrhein-Westfalen mit mehr als 18.500 Fällen und mindestens 224 Toten. Gerechnet auf 100.000 Einwohner verzeichnet Bayern mit einem Wert von 160,3 die meisten Infektionen. Im Bundesschnitt waren es 102,4. Mindestens 1150 (Vortag Stand 20.00 Uhr: 1001) mit Sars-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben.

          Kanzlerin Angela Merkel ermahnte am Freitagabend eindringlich alle Bürger, sich auch an Ostern an die Kontaktsperren und Anordnungen zu halten. In ihrem am Freitag veröffentlichten Video-Podcast sagte sie, sie könne noch keinen Stichtag für ein Ende der Maßnahmen nennen. Dies wäre in der jetzigen Situation auch unverantwortlich. "Wir alle werden eine ganz andere Osterzeit erleben als je zuvor", sagte die Regierungschefin. Ostern sei für Millionen von Christen der Kirchgang, der "Ostersonntag mit der ganzen Familie, vielleicht ein Spaziergang, Osterfeuer, das ist für viele ein kurzer Urlaub an der See oder im Süden, wo es schon wärmer ist. Normalerweise. Aber nicht in diesem Jahr", sagte die Kanzlerin.

          In Italien stabilisiert sich die Zahl der Neuinfektionen – die Zahl neuer Todesfälle bleibt unterdessen noch hoch. Die Zahl der Menschen im Land, die sich nachweislich mit dem Erreger Sars-CoV-2 infizierten, stieg am Freitag im Vergleich zum Vortag um 2,8 Prozent. Das ist in etwa die gleiche Steigerungsrate wie an den Tagen zuvor. Die Hoffnung besteht, dass die Kurve demnächst nach wochenlangen Ausgangssperren endlich absinkt. Registriert sind nun insgesamt 119.827 erkannte Infektionen – es wird allerdings mit einer immens hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle gerechnet. 766 Tote mit nachgewiesener Infektion kamen innerhalb eines Tages hinzu, insgesamt sind es nun 14.681, wie der Zivilschutz am Freitag mitteilte.

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