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Corona und der Sport : China kontrolliert nicht mehr

Und Olympia? Tokio stellt sich auf das Coronavirus ein. Bild: dpa

Wer erinnert sich an Zika? Lange nichts mehr gehört. Die schlechte Nachricht: Corona stellt den Sport vor viel größere Probleme. Und bietet Zynikern Chancen.

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          Wer erinnert sich an Zika? Lange nichts mehr gehört. Im Februar 2016, fünf Monate vor den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro, hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO wegen des von Mücken übertragenen Virus den weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen. Die Spiele fanden unter Sicherheitsvorkehrungen statt, im November 2016 wurde der Notstand von der WHO aufgehoben. Im November 2019 teilte der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes mit, die Fallzahlen in Mittel- und Südamerika seien rückläufig. So weit die gute Nachricht.

          Die schlechte: das Corona-Virus macht weit mehr Probleme als Zika. Längst sorgt die Krankheit für Absagen. Das am 21. März in Sanya auf der chinesischen Ferieninsel Hainan geplante Formel-E-Rennen fällt aus. Gleiches droht dem Formel-1-Grand-Prix, der vier Wochen später bei Schanghai ausgetragen werden soll.

          Ende vergangener Woche mussten die Organisatoren der Olympischen Spiele von Tokio betonen, eine Absage der Spiele werde derzeit nicht erwogen. Am Montag teilte Premierminister Shinzo Abe mit, man arbeite mit der WHO zusammen, um negative Auswirkungen auf die Spiele zu vermeiden. Olympia-Organisatoren und Verbandsfunktionäre wollen beraten, wie mit dem Virus umzugehen ist. Seit dem Wochenende verweigert Japan Ausländern die Einreise, die sich in den vergangenen zwei Wochen in der chinesischen Provinz Hubei aufgehalten haben. Auch Personen, die einen in Hubei ausgestellten Reisepass haben, dürfen nicht mehr nach Japan.

          In Australien verhängte die Regierung von Premierminister Scott Morrison eine nahezu vollständige Einreisesperre gegen Reisende aus China. Ausnahmen werden lediglich für australische Bürger, Menschen mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung und deren Verwandte gemacht. Der konservative Regierungschef, massiv in der Kritik wegen der anhaltenden Klima- und Buschfeuerkrise, greift zu rigorosen Mitteln. Prompt gerät die Asiatische Fußball-Konföderation unter Druck. Sie hatte die Heimspiele chinesischer Klubs ans Ende der Gruppenphase der kommende Woche beginnenden Champions League gelegt – und ihnen so eher einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Doch schon kommenden Dienstag soll Schanghai Shenhua in Perth antreten, tags darauf Schanghai SIPG bei Sydney FC – unter Morrisons Politik unmöglich.

          An diesem Dienstag wollen die ostasiatischen Verbände beraten, wie mit der Corona-Krise umzugehen ist. Austragung auf neutralem Platz? Das würde der in Morrisons Einreiseverbot zum Ausdruck kommenden Angst vor Ansteckung nicht gerecht werden, so übertrieben sie scheinen mag. Verschiebung? Absage? Das kontinentale Futsal-Turnier, in drei Wochen in Turkmenistan angesetzt, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch das zeigt: Corona ist die größte Gesundheitsherausforderung des Sports der vergangenen Jahre.

          Am Montag teilte Chinas Anti-Doping-Agentur mit, man habe entschieden, Doping-Kontrollen bis auf weiteres auszusetzen. Als Grund wird der Gesundheitsschutz angeführt. Für wen das nun eine gute Nachricht ist? Nicht für die Chancengleichheit, ganz objektiv betrachtet. Wer sich Doping-Pläne aus der Vergangenheit anschaut, hat es schwarz auf weiß vor sich: die Bestleistungen des Sommers werden im Winter gemacht. Und wie sehr weite Teile der Konkurrenz vom Verdacht infiziert sind, belegt nicht nur jeder Start des chinesischen Schwimmers Sun Yang. Vom Ende des Zynismus, der auch und gerade in China schon Sieger geformt hat, ist beim Kampf der Kommunistischen Partei gegen Corona jedenfalls nichts zu hören.

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