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Coronavirus : Trump wirft Medien Panikmache vor

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Amerikas Präsident Donald Trump: Sein Land habe das Virus unter Kontrolle Bild: AFP

Amerikas Präsident hat abermals die Gefahr des Coronavirus kleingeredet – und den Medien Vorwürfe unterbreitet, sie würden dramatisieren. Dabei hat es außerhalb Chinas zuletzt mehr neu gemeldete Fälle gegeben als in der Volksrepublik selbst.

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          Angesichts wachsender Furcht vor dem neuartigen Coronavirus auch in den Vereinigten Staaten hat Präsident Donald Trump den Medien Panikmache vorgeworfen. Trump schrieb am Mittwoch auf Twitter, einige Fernsehsender würden alles unternehmen, um das Virus „so schlimm wie möglich“ erscheinen zu lassen. Sie wollten damit auch für „Panik“ an den Märkten sorgen. Den oppositionellen Demokraten warf der Präsident vor, sie würden „nur reden und nicht handeln“. Amerika gehe es „großartig“.

          Trump will am Mittwochabend (24 Uhr MEZ) eine Pressekonferenz im Weißen Haus zum Coronavirus abhalten. Kritiker werfen der Regierung vor, schlecht auf das Virus vorbereitet zu sein und nicht genug zu unternehmen. Das Weiße Haus will im Kampf gegen das Virus 2,5 Milliarden Dollar mobilisieren. Die Demokraten kritisieren das als viel zu wenig und fordern 8,5 Milliarden Dollar. Oppositionsführerin Nancy Pelosi bezeichnete die Pläne des Weißen Hauses am Mittwoch als „mager und blutarm“. Der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, warf Trump „Inkompetenz“ vor.

          In den Vereinigten Staaten wächst die Furcht. Es wurden bereits 59 Fälle gemeldet, 45 der Patienten hatten sich im Ausland infiziert. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC warnte, letztlich werde sich das Virus auch in Amerika ausbreiten. „Die Frage ist nicht mehr so sehr, ob es passieren wird, sondern wann genau, und wieviele Menschen in diesem Land schwer erkranken werden“, sagte CDC-Vertreterin Nancy Messonnier, die gleichzeitig Behörden, Unternehmen und Schulen dazu aufrief, Pläne für einen Umgang mit dem Virus zu entwerfen. Städte müssten bei einem Ausbruch möglicherweise Großveranstaltungen untersagen.

          Die amerikanischen Behörden fürchten auch Auswirkungen auf die Versorgung mit Medikamenten. Viele Medikamente oder Wirkstoffe werden in China hergestellt, wo das Virus zuerst aufgetaucht war. Trump selbst hat wiederholt mit der Aussage für Stirnrunzeln gesorgt, das Problem werde sich im Frühjahr angesichts steigender Temperaturen von selbst erledigen: das Virus werde im April wegen der Hitze absterben. Bei seinem Indien-Besuch sagte Trump am Dienstag, die Lage in den Vereinigten Staaten sei „unter Kontrolle“. Es gebe nur wenige Kranke, und denen gehe es bereits besser.

          Zweites Todesopfer in Frankreich

          In Frankreich gibt es dagegen ein zweites Todesopfer: Ein 60 Jahre alter Franzose starb in der Nacht zum Mittwoch in Paris, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Bereits Mitte Februar war ein 80 Jahre alter Tourist aus China in einem Pariser Krankenhaus den Folgen der Viruserkrankung erlegen. Bei ihm handelte es sich um den ersten Todesfall in Europa. Der nun gestorbene Mann sei „in einem äußerst schlechten Zustand“ in die Pariser Klinik La Pitié-Salpêtrière eingeliefert und positiv auf das Coronavirus getestet worden, sagte ein Vertreter des Gesundheitsministeriums. Das Ministerium bestätigte zwei neue Infektionsfälle in Frankreich. Damit gibt es in dem Land derzeit vier Coronavirus-Fälle. Elf zuvor Infizierte sind bereits wieder gesund.

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