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Coronavirus in Deutschland : Große regionale Unterschiede bei Verdopplung der Infizierten

  • Aktualisiert am

Mit ausreichend Abstand zueinander beobachten Menschen in Wilhelmshaven das Auslaufen des Einsatzgruppenversorgers „Berlin“. Bild: dpa

Fast 80.000 Menschen in Deutschland haben sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert – mehr als 900 von ihnen sind verstorben. Bei der Verdopplungsrate bereiten einige Bundesländer Sorgen.

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          In Deutschland haben sich mindestens 77.981 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Das geht aus der Auswertung der Johns-Hopkins-Universität vom Donnerstagvormittag (Stand: 11.30 Uhr) hervor. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) geht derzeit von insgesamt 73.522 Infektionsfällen (Stand: 11.30 Uhr) aus. Besonders hohe Zahlen haben dem RKI zufolge Nordrhein-Westfalen mit mindestens 16.344 Fällen und 180 Toten und Bayern mit 18.496 nachgewiesenen Fällen und 268 Toten. Mehr als 13.500 Menschen sollen bereits wieder genesen sein. (Warum die Zahlen von Johns Hopkins Institut und RKI auseinander gehen, können Sie hier nachlesen.)

          Mindestens 931 mit Sars-CoV-2 Infizierte sind den Johns-Hopkins-Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben. Das Robert-Koch-Institut geht von 872 Todesfällen aus. Mehrere Deutsche starben im Ausland im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Darunter waren zwei Touristen während einer Reise in Ägypten und ein 67 Jahre alter Tourist auf Zypern. Auf der griechischen Insel Kreta starb ein 42 Jahre alter Deutscher.

          Noch schnelle Verdopplung in Bayern

          Eine nicht unwesentliche Aussagekraft, wie die Maßnahmen wirken, hat die Frist, in der sich die Infiziertenzahl verdoppelt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Verlangsamung der Verdoppelung zum Maßstab gemacht für mögliche Lockerungen der Maßnahmen, die am Mittwoch bis zum 20. April verlängert worden sind. Laut der „Süddeutschen Zeitung“ liegt die Zeit, in der sich die Infizierten-Zahlen verdoppeln, in NRW derzeit bei 13,3 (Vortag: 10,2) Tagen und in Bayern bei 7,5 (Vortag: 6,2). Für ganz Deutschland lag die Verdopplungsrate demnach am Donnerstagmittag bei 10,1 Tagen (Stand: 11.30 Uhr). Am Sonntag hatte sie noch bei etwa fünf Tagen gelegen.

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          Insgesamt verdoppelte sich zu diesem Zeitpunkt in sieben der sechzehn Bundesländer die Zahl der Infizierten zum Teil noch schneller als zehn Tage. Auch diese Daten sind aufgrund der zu erwartenden hohen Dunkelziffer allerdings nicht hundertprozentig aussagekräftig. Nach den Worten ihres Kanzleramtschefs Helge Braun müsse das Ziel sein, dass sich die Infizierten-Zahlen erst nach „10, 12 oder 14 Tagen“ verdoppeln. Dann sei voraussichtlich ein Punkt erreicht, an dem das Gesundheitssystem nicht überfordert wird. Derzeit werden laut Robert-Koch-Institut pro Woche etwa 350.000 Menschen in Deutschland getestet. Mehr sei im Moment mit herkömmlichen Tests nicht möglich.

          Gerechnet auf 100.000 Einwohner verzeichnen laut Johns Hopkins Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg mit Werten von jeweils 141 und zwei Mal 132 die meisten Infektionen. Die wenigsten registrierten Infektionen pro 100.000 Einwohner hat Mecklenburg-Vorpommern mit 27. Für ganz Deutschland liegt der Wert bei fast 90. Experten rechnen allerdings für das ganze Land mit einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle.

          Am Dienstag lag das Durchschnittsalter der Infizierten in Deutschland laut RKI bei 47 Jahren. Bei den Todesfällen betrug das Durchschnittsalter 80 Jahre. Ein Großteil der Verstorbenen war 70 Jahre alt oder älter. Nur wenige Tote waren jünger als 60 Jahre. Die jüngste bislang Verstorbene in Deutschland sei 28 Jahre alt gewesen. Laut dem Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, liege die Sterberate im Moment bei 0,8 Prozent. Allerdings müsse mit einer steigenden Sterberate gerechnet werden, da es immer mehr Fälle in Pflege- und Altenheimen gebe. Die aus den erfassten Fällen errechnete Sterberate liegt in Deutschland bisher deutlich niedriger als in der Europäischen Union insgesamt mit etwa 7,6 Prozent.

          Insgesamt sollen die Bürgerinnen und Bürger im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus die bereits geltenden weitgehenden Kontaktsperren auch über Ostern einhalten. Wie Bund und Länder am Mittwoch in Berlin beschlossen, sollen die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstandes gemäß den geltenden Regeln auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Bundeskanzlerin Merkel erklärte, die Menschen in Deutschland sollten generell auf private Reisen und Besuche – auch von Verwandten – verzichten. „Eine Pandemie kennt keine Feiertage“, so Merkel.

          Zudem rief Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag die Bürger in der Corona-Krise zur Hilfsbereitschaft im Alltag auf. „Zeigen wir einander doch das Beste in uns – zeigen wir Mitmenschlichkeit, zeigen wir Solidarität“, sagte er am Donnerstag in einer neuen Videobotschaft. „Wenn wir das miteinander schaffen, dann zerfällt unsere Gesellschaft nicht in dieser Krise, sondern im Gegenteil: Dann wächst sie enger zusammen.“

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