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Alltag mit dem Coronavirus : Regierung erwartet „für lange Zeit eine neue Normalität“

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Gesperrte Picknickbänke am Bärenschlössle in Stuttgart Bild: dpa

Als im März das öffentliche Leben in Deutschland weitgehend eingefroren wurde, war die Hoffnung groß, dass die Viruskrise rasch vorbeigehen möge. Jetzt stimmt die Bundesregierung die Bürger auf eine lange Übergangszeit ein.

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          Die Bürger müssen sich nach Überzeugung der Bundesregierung wegen der Corona-Pandemie noch lange auf einen veränderten Alltag einstellen. „Was wir jetzt brauchen, ist für lange Zeit eine neue Normalität“, sagte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) in der ARD. Solange es weder Therapien noch Impfstoffe gebe, müsse man lernen, mit dem Virus zu leben.

          Ähnlich äußerte sich Kanzleramtschef Helge Braun (CDU). Ziel sei es, schrittweise zu einem Leben mit weniger Beschränkungen  zurückzukehren. „Aber die Epidemie ist nicht weg. Wir müssen lernen, damit zu leben – bis es einen Impfstoff gibt“, sagte er der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ und dem Bonner „General-Anzeiger“.

          Keine einheitliche Strategie in Sicht

          Nach Einschätzung von Fachleuten dürfte es mindestens bis zum Frühjahr 2021 dauern, bis ein Impfstoff verfügbar ist. In Deutschland soll laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Kürze die erste klinische Prüfung eines Impfstoff-Kandidaten beginnen. Bisher seien weltweit vier Kandidaten in ersten klinischen Prüfungen, sagte PEI-Präsident Klaus Cichutek am Freitag in Berlin.

          Bund und Länder hatten sich am Mittwoch auf erste schrittweise Lockerungen von Corona-Auflagen verständigt, die Kontaktbeschränkungen wurden aber bis mindestens 3. Mai verlängert. Ende April wollen Bundesregierung und Ministerpräsidenten abermals beraten, wie es weitergeht.

          Immer deutlicher wird, dass es eine bundesweit einheitliche Strategie im Kampf gegen das Virus nicht geben wird. Ab Montag dürfen vielerorts kleine und mittlere Geschäfte wieder öffnen. Die Landesregierung in Sachsen hat ab Montag eine Maskenpflicht im Nahverkehr und in Geschäften verfügt. Zugleich lässt sie wieder Gottesdienste zu, die andernorts verboten bleiben. Im Nahverkehr in Mecklenburg-Vorpommern sind Masken vom 27. April an ebenfalls Pflicht.

          Söder: Corona zieht nicht wie ein Gewitter vorbei

          Scholz verteidigte die starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens. „Wir haben mit diesen massiven Maßnahmen etwas erreicht, wovon viele sehr beeindruckt sind außerhalb Deutschlands, nämlich dass das Infektionsgeschehen zurückgegangen ist“, sagte der Vizekanzler am Freitagabend im ARD-„Brennpunkt“. Es sei aber nicht sicher, dass diese Entwicklung anhalte. „Deshalb müssen wir jetzt ganz vorsichtig, mit klug diskutierten und klug bedachten Schritten dafür sorgen, dass das soziale Leben wieder wächst.“

          Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mahnte die Bürger zu Geduld. „Corona ist eben kein Gewittersturm, der einmal schnell über Deutschland hinwegzieht, und dann ist alles wieder in Ordnung“, sagte der CSU-Chef der „Passauer Neuen Presse“.

          Nach Ansicht von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble muss die Krise weitreichende gesellschaftliche Konsequenzen haben. „Wir müssen das Verhältnis zwischen Marktwirtschaft und staatlicher Regulierung neu definieren“, sagte der CDU-Politiker der „Augsburger Allgemeinen“. „In unserer Gewissheit, dass alles schon irgendwie gut geht, sind wir schwer erschüttert.“

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