https://www.faz.net/-guw-9x2kt

Coronavirus : Offiziell jetzt mehr als 3000 Tote durch Lungenkrankheit

  • Aktualisiert am

Menschenmenge mit Masken: Pendler in einer U-Bahn-Station in Tokio an diesem Montag Bild: Reuters

Südkorea, Iran und Italien sind neben China nach wie vor besonders betroffen. In Deutschland meldet nun auch Berlin seinen ersten Infektionsfall. Ein bayerischer EU-Politiker kritisiert die Krankheitsbekämpfung in Europa.

          3 Min.

          Die Zahl der Todesopfer durch die Lungenkrankheit Covid-19 ist weltweit auf über 3000 gestiegen. Zu den bislang von der Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigten 2980 Opfern kamen am Montag 42 weitere Todesopfer aus China hinzu. Wie die Pekinger Gesundheitskommission weiter mitteilte, infizierten sich zudem landesweit 202 weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus, womit die Gesamtzahl der nachgewiesenen Erkrankungen weltweit auf fast 89.000 gestiegen ist.

          Am stärksten betroffen nach China ist Südkorea. Dort stieg die Zahl der nachgewiesenen Covid-19-Infektionen auf mehr als 4000. Über die Nacht zum Montag kamen 476 neue Fälle hinzu, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten. Damit wurden bisher 4212 Menschen positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet. Die Zahl der Todesfälle, die mit dem Virus in Verbindung gebracht werden, kletterte in Südkorea um vier auf 22.

          In Europa ist nach wie vor Italien das am stärksten betroffene Land. Die Zahl der Toten stieg auf 34, teilte Zivilschutzchef Angelo Borrelli am Sonntag in Rom mit. Inzwischen sind nach seinen Angaben 1694 Menschen mit dem Sars-CoV-2-Erreger infiziert. Davon seien 83 bereits wieder genesen. Nun plant die italienische Regierung ein Hilfspaket für die durch den Coronavirus-Ausbruch zusätzlich angeschlagene Wirtschaft in Höhe von 3,6 Milliarden Euro.

          Deutschland: Erster Infizierter in Berlin

          In Deutschland sind mittlerweile in zehn der 16 Bundesländer Fälle des neuartigen Coronavirus nachgewiesen. Mehr als 130 Infektionen waren es bis zum späten Sonntagabend nach Angaben der Behörden in den Ländern. Aus dem Saarland und den meisten neuen Bundesländern wurden bis zum Wochenende keine Coronavirus-Infektionen berichtet. Am späten Sonntagabend wurde der erste nachgewiesene Fall in Berlin bekannt. Der Patient werde stationär behandelt und sei isoliert untergebracht, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und  Gleichstellung mit. Der zuständige Amtsarzt habe mit der Nachverfolgung der Kontaktpersonen des Patienten begonnen. Für den Montag werden zudem Ergebnisse von Mitarbeitern des Brandenburger Erlebnisbads Tropical Islands erwartet. Dort war ein Mann aus Nordrhein-Westfalen zu Besuch, beim dem der Erreger später nachgewiesen wurde.

          Besonders stark betroffen ist der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen. Dort gab es 65 bestätigte Fälle. NRW-weit sind deutlich mehr als 70 Fälle nachgewiesen. Erstmals wurde am Sonntag ein Fall bekannt, bei dem es keinen Bezug zum Kreis Heinsberg gibt. Das Virus wurde bei einem 51 Jahre alten Mann nachgewiesen, der aus Iran zurückgekehrt war.

          In Baden-Württemberg und Bayern sollen Schüler nach dem Ende der Faschingsferien zu Hause bleiben, wenn sie sich in einem der Risikogebiete aufgehalten haben. Im Südwesten betrifft dies ausdrücklich auch viele Beamte und Polizisten. Als Risikogebiete nennt das Landesgesundheitsministerium die norditalienische Provinz Lodi in der Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua (Region Venetien) sowie Teile Chinas, Irans und Südkoreas.

          Weber kritisiert Krisenmanagement

          Der Vorsitzende der EVP-Fraktion im EU-Parlament, Manfred Weber (CSU), hält das EU-Engagement gegen das Corona-Virus für ineffektiv. Er kritisierte in der „Bild“-Zeitung, „dass wir viel zu wenig Koordinierung zwischen den Mitgliedsstaaten haben“. Nach Ausbruch der Krise seien zwei Wochen vergangen, bis sich die Gesundheitsminister Europas erstmals getroffen hätten. Noch immer mache jeder Staat „sein eigenes Ding“.

          Mehrere Großveranstaltungen in Deutschland wurden am Wochenende abgesagt oder verschoben. Nach Absage der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin war unklar, ob Aussteller entschädigt werden. Der Restaurantführer Guide Michelin sagte die für Dienstag geplante Sterneverleihung in Hamburg ab. Wegen des Coronavirus wird zudem die Düsseldorfer Fachmesse „Pro Wein“ verschoben.

          Wegen der Infektion mit Sars-CoV-2 bei einem Mitarbeiter bleiben alle Tochterunternehmen des Maschinenherstellers DMG Mori in Pfronten im Allgäu am Montag und Dienstag geschlossen. Rund 1600 Mitarbeiter sind davon betroffen.

          Auswirkungen auf Chinas Industrie

          Der Coronavirus-Ausbruch schwächt die chinesische Wirtschaft deutlicher als erwartet. Der Messwert für die chinesische Industrie fällt auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2004. Der private Caixin/Markit Index (PMI) fiel im Februar auf 40,3 und liegt damit deutlich unter Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird. Die Ergebnisse unterstrichen Befürchtungen vor einer Pandemie und ihren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Die Angst hatte den Börsen die schwärzeste Woche seit der Finanzkrise eingebrockt.

          F.A.Z.-Newsletter „Coronavirus“

          Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Konjunkturpaket : Verzweifelt in die Vollen

          Das Konjunkturpaket der Bundesregierung ist überdimensioniert. Die Dimension soll Zuversicht wecken, für den Aufschwung ist auch das wichtig. Der Wucht des staatlichen Eingreifens ohne Rücksicht auf Schulden haftet aber langsam auch etwas Verzweifeltes an.

          Verurteilter Vergewaltiger : Wer ist der Verdächtige im Fall Maddie?

          Christian B. stammt aus Würzburg und verbüßt gerade eine Haftstrafe in Kiel. Aus Gerichtsberichten lässt sich das Leben eines Mannes nachzeichnen, der immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geriet – und durch brutale Taten auffiel.

          Probefahrt mit Tesla Model Y : Ick werd ein Berliner

          Als halbwegs kompaktes SUV erscheint das Model Y vertraut und fremd zugleich. Technisch eng verwandt mit dem vor Jahresfrist eingeführten Model 3. Der Qualitätseindruck ist typisch Tesla.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.