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Musiker mit Existenzängsten : „Ich traue mich kaum noch, aufs Handy zu schauen“

Yasi Hofer an der Gitarre, hier neben der amerikanischen Gitarrenlegende Steve Vai (rechts) Bild: Jean-Louis Combet

Für freiberufliche Musiker gehen die Konzertausfälle infolge der Coronavirus-Krise an die Existenz. Die Ulmer Gitarristin und Sängerin Yasi Hofer denkt über Streaming-Konzerte statt Liveatmosphäre nach.

          3 Min.

          Frau Hofer, als freiberufliche Profimusikerin sind Sie auf Konzerte und Albumverkäufe angewiesen, um genügend Geld zu verdienen. Wie sehr macht Ihnen die Coronavirus-Krise zu schaffen?

          Martin Benninghoff
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Man traut sich kaum noch, aufs Handy zu gucken. Täglich hagelt es Absagen. Bislang hatte ich mir noch überhaupt keinen Kopf gemacht, dass plötzlich alle Gigs ausfallen können.

          Eben gerade hat wieder jemand abgesagt. Worum ging es?

          Die Rother Bluestage, die hätten am übernächsten Wochenende stattgefunden. Ein Festival. Ich denke, das ist bei anderen Musikern genauso: März und April, das ist die Haupteinnahmezeit. Normalweise geht es im Januar los, dann kommen die ersten einzelnen Gigs. Im Februar wird es mehr, und die Hauptspielzeit ist März und April, manchmal noch Mai, und dann kommt das Sommerloch. In der Zeit verdiene ich das Geld, mit dem ich kalkuliere.

          Über welche Beträge sprechen wir?

          Das sind dann jeweils mehrere Tausend Euro, die mir fehlen. Aber es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um den Publikumskontakt. Meine CD-Verkäufe, meine Merchandising-Produkte – das fällt natürlich auch jetzt weg. Gerade bei einem Festival: Da kommen Journalisten, man trifft tausend Leute, da ist nicht nur die Gage wichtig. Aber auch ein Firmenevent, bei dem ich auftreten sollte, ist gestrichen. Da hätte ich mehr Geld verdient.

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          Wie viele Konzerte sind betroffen?

          Alleine in den nächsten zwei, drei Wochen hätte ich neun Termine gehabt. Meine Haupteinnahmewochen.

          Sind Sie irgendwie abgesichert? Haben Sie Rücklagen?

          Ja, ich lebe immer unter meinen Verhältnissen. Ich weiß ja, dass es als Musiker auch schlecht laufen kann. Allerdings trifft mich die Coronavirus-Krise zum falschen Zeitpunkt, weil ich mir gerade ein Haus gekauft habe. Da muss eine Heizung eingebaut werden, und ich wollte mir ein Tonstudio einrichten, das muss vielleicht warten. Mein Freund ist auch freiberuflicher Musiker, es ist jetzt nicht so, dass der eine den anderen stützen kann.

          Wie lange reichen die Reserven? Sind Sie noch einigermaßen entspannt?

          Unentspannt bin ich, weil ich davon ausgehe, dass es nicht in zwei Monaten vorbei ist. Und ich frage mich schon auch, würden die Leute jetzt überhaupt Tickets für den Sommer kaufen? Wenn es nur vier oder acht Wochen wären, würde ich das schon hinbekommen. Aber über einen längeren Zeitraum? Schwierig!

          Hoffen Sie auf staatliche Unterstützung?

          Die Kulturstaatsministerin hat ja Hilfe versprochen. Aber ich habe da nicht das große Vertrauen, dass man da nennenswert unterstützt wird. Es betrifft ja viele Leute. Man hat einfach Angst als Selbständiger, weil ich Sorge habe, dass man nicht so berücksichtigt wird wie irgendwelche Firmen.

          Haben Sie sich schon Gedanken über kreative Lösungen gemacht? Zum Beispiel Wohnzimmerkonzerte per Livestream?

          Ja, die Idee geht um, dass man Streaming-Konzerte macht. Die Idee finde ich cool – man muss sich jetzt einfach was anderes einfallen lassen! Wenn es noch schlimmer wird, und die Menschen können nicht mehr rausgehen, dann wollen sie ja trotzdem weiter unterhalten werden und nicht zuhause sitzen und Däumchen drehen. Das könnte auf Streaming-Basis vielleicht mit Spenden funktionieren.

          Wie muss ich mir das vorstellen? Im Proberaum die Instrumente wie bei einem Live-Gig mikrofonieren, die Musik mit Kamera mitschneiden und im Internet streamen?

          Genau. Wir hatten die Idee, entweder geht man in ein Tonstudio, das entsprechend ausgestattet ist, oder sucht sich eine andere Location. Mitschneiden und streamen, und dann kann man es ja auch hinterher noch verwenden. Keine Ahnung, was man dafür verlangen dürfte.

          Nun kündigen ja reihenweise Veranstalter an, Konzerte und Festivals im Herbst oder im nächsten Jahr nachholen zu wollen. Aber würde das terminlich überhaupt klappen?

          Das ist das Problem. 2021 will ich ein neues Album herausbringen, und dann habe ich so oder so genügend Termine. An dem neuen Album arbeite ich schon...

          Glück im Unglück sozusagen? Endlich mehr Zeit fürs Album?

          Ich sehe eben das Gute im Schlechten. Dann nehme ich mir die freigewordene Zeit, um das Album voranzubringen.

          Um Ihre Gesundheit scheinen Sie sich weniger Sorgen zu machen.

          Ich habe keine Angst vor dem Virus, aber Sorge, vor allem um meine Oma, die als älterer Mensch zur Risikogruppe gehört. Ich gehe noch ganz normal abends weg, aber ich umarme nicht mehr jeden oder gebe auch nicht jedem mehr die Hand.

          Yasi Hofer, 28, ist professionelle Sängerin und E-Gitarristin aus Ulm. Als Teenager schrieb sie der amerikanischen Gitarristenlegende Steve Vai einen Brief, der sie später förderte und mit ihr gemeinsam auftrat.Ihr letztes Album „Faith“ erschien 2019. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind in Deutschland mehr als 3000 Musiker und Komponisten selbständig.

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