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Sorge vor Epidemie : Coronavirus-Krisenstab sucht 300 Karnevalsbesucher

  • Aktualisiert am

Ein Mitarbeiter des Universitätsklinikums in Düsseldorf auf der Infektionsstation. Bild: EPA

In Deutschland spitzt sich die Lage rund um das Coronavirus zu. Während Gesundheitsminister Spahn eine Warnung ausspricht, starten die Behörden in NRW eine riesige Suchaktion, um eine Ausbreitung zu verhindern.

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          Der Coronavirus-Krisenstab in Nordrhein-Westfalen hat alle Besucher einer Karnevalsveranstaltung gebeten, sich zu melden. Sie sollen in Quarantäne bleiben, wie der Kreis Heinsberg am Mittwochabend mitteilte. Der Grund: An der Karnevalssitzung soll auch ein Ehepaar teilgenommen haben, bei dem das neuartige Coronavirus nachgewiesen wurde. Es handelte sich um die ersten beiden bestätigten Fälle in NRW. Das Paar wird seit der Nacht zu Mittwoch in der Uniklinik Düsseldorf behandelt.

          Der Kreis Heinsberg geht davon aus, dass an der Karnevalssitzung in einem Saal am 15. Februar etwa 300 Besucher teilgenommen haben. Diese sowie deren Partner und gegebenenfalls Kinder und andere Mitbewohner müssten für 14 Tage in häuslicher Quarantäne verbleiben, hieß es. Die Besucher der Kappensitzung würden gebeten, sich umgehend zu melden. Es werde dringend darum gebeten, nicht die Notrufnummern zu blockieren oder selbstständig Arztpraxen oder Krankenhäuser aufzusuchen. Die Schulen im Kreis sollen bis Montag geschlossen bleiben.

          Die erkrankte Frau arbeitet in einem Kindergarten. Die Kinder aus der Einrichtung und deren Eltern seien angewiesen worden, zu Hause zu bleiben. Das Paar hat zudem zwei schulpflichtige Kinder. Die beiden hätten derzeit allerdings keine Symptome und würden von der Großmutter versorgt. Ihre Testergebnisse sollen noch am Donnerstag vorliegen. Das Paar habe zudem zwei Arztpraxen aufgesucht, der Mann sei vergangene Woche in der Kölner Universitätsklinik gewesen.

          Sämtliche Patienten sowie das Personal der Einrichtungen mit Kontakt zu den Infizierten befänden sich ebenfalls in häuslicher Quarantäne, sagte Laumann. Darüber hinaus unternahmen die beiden demnach jüngst einen Kurzurlaub in die Niederlande, weshalb auch etwa ihr dortiges Hotel kontaktiert wurde. Noch ist den Angaben zufolge völlig unklar, wo die beiden sich ansteckten. Im Zuge der Überprüfung von Kontaktpersonen haben sich zwei weitere Erkrankungen herausgestellt. Das teilte der Kreis Heinsberg am Mittwochabend mit.

          Unterdessen sieht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Deutschland „am Beginn einer Coronavirus-Epidemie“. Er habe die Gesundheitsminister der Länder in einer Telefonkonferenz aufgefordert, ihre Pandemiepläne „zu aktivieren und ihr mögliches Inkrafttreten vorzubereiten“, sagte Spahn am Mittwoch in Berlin. „Die Lage hat sich leider in den letzten Stunden geändert, das muss man leider sagen“, fügte der Minister hinzu. Die Infektionsketten seien teilweise nicht nachzuvollziehen. Es sei daher fraglich, ob die bisherige Strategie weiterhin aufgehe, erklärte Spahn. Angesichts der Ausbreitung des Virus in Deutschland bildet die Bundesregierung einen Krisenstab.

          Wegen des Verdachts auf eine Coronavirus-Erkrankung ist am Mittwoch zudem ein Regionalzug von Frankfurt nach Saarbrücken mit 70 Reisenden gestoppt worden. Ein Fahrgast habe an sich selbst Symptome festgestellt und sich beim Zugpersonal gemeldet, teilte eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums mit. Daraufhin stoppten Bundespolizisten den Zug im Bahnhof Idar-Oberstein im südlichen Hunsrück. Nach einer Untersuchung durch die Leiterin des Gesundheitsamtes im Kreis Birkenfeld wurde der Fahrgast mit den Symptomen zur weiteren Klärung in ein Krankenhaus der Region gebracht, wie die Sprecherin des Ministeriums mitteilte. Von den Mitreisenden wurden Personalien und Kontaktdaten aufgenommen, „um sie gegebenenfalls benachrichtigen zu können“. Danach wurde der Zug wieder freigegeben, die Reisenden konnten ihre Fahrt fortsetzen.

          In Baden-Württemberg hat sich derweil ein weiterer Mann mit dem Coronavirus infiziert. Der 32-Jährige aus dem Landkreis Rottweil sei aus dem Risikogebiet in Italien eingereist und habe keine Verbindungen zu den bislang gemeldeten drei Patienten im Südwesten, teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch in Stuttgart mit.

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