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Immunologe Anthony Fauci : Ein Fachmann an Trumps Seite

  • -Aktualisiert am

Anthony Fauci und Donald Trump am vergangenen Freitag in Washington Bild: AP

Anthony Fauci berät den amerikanischen Präsidenten in der Corona-Krise. Obwohl es Differenzen zwischen den beiden gibt, ist der Immunologe nicht bereit, sich gegen Trump ausspielen zu lassen.

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          Es ist nicht leicht, Donald Trump als Fachmann zu dienen. Nachdem der amerikanische Präsident am Freitag im Rosengarten des Weißen Hauses die wenigen Sätze seiner Notstandserklärung nur stockend vortragen konnte, lobte er die Arbeit seiner Regierung und die Mitglieder des Coronavirus-Krisenstabs. Anthony Fauci erfuhr dabei, was es heißt, vom Präsidenten hervorgehoben zu werden: „Toni“ leiste „hervorragende Arbeit“, sagte er.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Als Trump kurz danach darauf angesprochen wurde, dass er sich nicht an Faucis Rat halte, sich in Quarantäne zu begeben und testen zu lassen, obwohl er doch Kontakt zu einer infizierten Person hatte, fügte er hinzu: Er glaube, man solle auf seinen Arzt hören, und der habe ihm gesagt, ein Test sei nicht nötig.

          Fauci verzog trotz dieser Brüskierung keine Miene. Es war nicht das erste Mal, dass Differenzen zwischen dem Präsidenten und seinem Berater in der Öffentlichkeit erkennbar wurden. Letztlich ließ sich Trump doch testen. Ergebnis: negativ. Das Ende einer Posse.

          Fauci ist das Gesicht des amerikanischen Krisenmanagements. Zwar leitet er nicht die Sondereinheit, die unter dem Vorsitz von Vizepräsident Mike Pence täglich zusammenkommt und von der Diplomatin Deborah Birx koordiniert wird. Wenn es um die Sache geht, wenden sich aber alle an den Mann, der schon sechs Präsidenten beraten hat – angefangen mit Ronald Reagan zu Beginn der Aids-Epidemie.

          Wenn Fauci nicht gerade an den Sitzungen des Krisenstabs teilnimmt, ist er entweder in einer Kongressanhörung oder in einem Fernsehstudio. Trifft der freundliche Mann mit der rauen Stimme vor dem Westflügel des Weißen Hauses auf Journalisten, nimmt er sich immer Zeit für ein kurzes Gespräch.

          Fauci springt nicht über jedes Stöckchen

          Trotz inhaltlicher Differenzen mit dem Präsidenten, ist er jedoch nicht bereit, über die Stöckchen zu springen, die ihm die Medienvertreter hinhalten. Fauci möchte sich nicht gegen Trump ausspielen lassen. Er möchte die Krise bewältigen. Seine Hauptbotschaft lautet: „Streckt die Kurve!“ Die Ausbreitung des Virus, die eine solche Kurve nachzeichnet, könne nicht gestoppt werden. Sie müsse aber verlangsamt werden, damit das Gesundheitssystem die Zahl der Infizierten bewältigen und Risikopatienten besser betreuen könne.

          An seinem eigentlichen Arbeitsplatz ist der 79 Jahre alte Immunologe derzeit so gut wie nie. Seit 1968 arbeitet er am Nationalen Gesundheitsinstitut (NIH) in Bethesda außerhalb von Washington. Dort leitet er seit Jahrzehnten das Institut für Allergie- und Infektionserkrankungen.

          Einen Namen gemacht hat er sich vor allem in der Aids-Bekämpfung. Dem Sohn italoamerikanischer Eltern aus New York, der in Cornell Medizin studierte, wurde das Fach in die Wiege gelegt. Der Vater hatte eine Apotheke in Brooklyn, in der die ganze Familie mithalf. Auch Sohn Toni packte früh mit an.

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