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Corona in Südostasien : Wärme ist nicht die Rettung

Indonesien kämpft gegen Corona: Mitarbeiter der Katastrophenschutzbehörde in Schutzanzügen desinfizieren die Al-Akbar-Moschee in Surabaya Bild: dpa

Die zunehmenden Infektionen in Südostasien zeigen, dass tropische Hitze nicht vor dem Coronavirus schützt. Viele Länder der Region erlassen scharfe Maßnahmen.

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          Normalerweise sind täglich etwa 415.000 Menschen auf den beiden Landverbindungen zwischen Singapur und Malaysia unterwegs. Doch die Autobrücke über die Meerenge zwischen dem Inselstaat und der malaiischen Halbinsel, auf der sich sonst die Autos, Lastwagen und Motorräder stauen, bleibt in diesen Tagen leer. Malaysia hat seit Mittwoch seine Grenzen wegen der Coronakrise geschlossen. Das südostasiatische Land hatte drastische Maßnahmen gegen das Virus ergriffen. Nun sind für den Rest des Monats alle religiösen, sportlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen untersagt. Schulen, Universitäten, Behörden, Gotteshäuser sowie Unternehmen wurden geschlossen. Für Malaysier gilt ein Ausreisestopp. Grund sind die schnell gestiegenen Infektionszahlen, die sich binnen kurzer Zeit auf 790 vervielfacht haben.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Viele der malaysischen Fälle sind auf eine religiöse Veranstaltung zurückzuführen, die Ende Februar in der Nähe der Hauptstadt Kuala Lumpur stattgefunden hatte. Rund 16.000 Menschen hatten daran teilgenommen, darunter waren viele aus Nachbarländern wie Brunei, Kambodscha, den Philippinen Singapur, Thailand und Vietnam. Mittlerweile lassen sich mehr als 500 Infektionen auf diese Veranstaltung zurückführen. In Indonesien, das wie Malaysia eine mehrheitlich muslimische Bevölkerung hat, wurde eine ähnliche Veranstaltung auf der Insel Sulawesi erst in letzter Minute am Donnerstag abgesagt. Dazu waren schon fast 9000 Menschen angereist. „Wir haben mehr Angst vor Gott”, hatte einer der Veranstalter kurz zuvor noch erklärt.

          Die Entwicklung zeigt, dass auch nicht alle Länder in Südostasien rechtzeitig die notwendigen Maßnahmen ergriffen hatten. Zweifel gab es vor allem an den indonesischen Beteuerungen, wonach es bisher kaum Infektionen gegeben hatte. Diese sind in den vergangenen Tagen aber sprunghaft angestiegen. Die offizielle Zahl von 227 Infizierten in dem größten Land Südostasiens ist immer noch relativ niedrig. Mit 19 Toten hat Indonesien zusammen mit den Philippinen derzeit auch die höchste Zahl an Opfern der Pandemie in der Region. Das weist darauf hin, dass die Dunkelziffer der Ansteckungen weitaus höher sein dürfte. Fragezeichen gibt es in Ländern wie Burma und Laos, die bisher noch keinen einzigen Corona-Fall gemeldet haben.  

          Die WHO rief diese Woche deshalb die Region dazu auf, „aggressive Maßnahmen“ zu ergreifen, um das Coronavirus einzudämmen. Die zunehmenden Infektionszahlen im tropischen Südostasien widersprechen auch der Hoffnung, dass sich die Verbreitung des Virus bei zunehmenden Temperaturen verlangsamen würde. Die monatlichen Durchschnittstemperaturen liegen dort fast überall zwischen 26 und 28 Grad. Das sind Temperaturen, unter denen zum Beispiel das Grippevirus sich nachweislich deutlich langsamer verbreitet als in kühleren Gefilden. Auch die Verbreitung des Sars-Virus war im Jahr 2003 mit zunehmenden Temperaturen abgeflacht. „Die Menschen in Europa hoffen, dass das wärmere Wetter das Virus umbringen wird. Aber ich habe Zweifel, dass dies die Realität sein wird“, sagte Tikki Pangestu von der Lee Kuan Yew School of Public Policy in Singapur der Agentur Reuters. „Die Theorie hält nicht unbedingt stand, wenn man sich anschaut, was gerade in großen Teilen Südostasiens passiert.”

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