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„Diese Woche wird schwierig“ : In Spanien spitzt sich die Lage dramatisch zu

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Ein Mitglied des Gesundheitspersonals arbeitet in einem Krankenwagen an einer Drive-In-Teststation in Malaga. Bild: dpa

An nur einem Tag sind in Spanien mehr als 500 Menschen an den Folgen des Coronavirus gestorben. Auch die Zahl der Neuinfizierungen steigt rasant. Die Regierung reagiert mit härteren Maßnahmen.

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          Trotz der drastischen Einschränkungen seit zehn Tagen breitet sich das Coronavirus in Spanien immer weiter aus. Laut den jüngsten Angaben des Gesundheitsministeriums könnte im Lauf des Dienstags die Zahl der Infizierten auf 40.000 Infizierte steigen. Seit Montag starben 514 Menschen. Insgesamt kamen bisher fast 2700 Patienten ums Leben. Wegen der Zunahme der Infektionen wurde am Dienstag der Amtssitz des spanischen Regierungschefs desinfiziert.

          Spanische Soldaten haben am Montag zudem in mehreren Altersheimen die Leichen verstorbener Bewohner in ihren Betten entdeckt. Sie seien auch auf völlig vernachlässigte Senioren gestoßen, sagte Verteidigungsministerin Margarita Robles. Nachdem besonders in Madrid dutzende Heimbewohner an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben waren, ist die Armee in Altersheime entsandt worden. Dort haben sich offenbar auch viele Pfleger infiziert. Nach Angaben des Gesundheitsministerium haben sich in Spanien fast 4000 Schwestern und Pfleger mit dem Erreger angesteckt. Das sind etwa zwölf Prozent aller Infizierten.

          Madrid am stärksten betroffen

          Seit gestern liegt außerdem die stellvertretende spanische Ministerpräsidentin und Ministerin für Gleichstellung, Carmen Calvo, wegen einer Atemwegsinfektion im Krankenhaus. Der Regierungsprecher Miguel Ángel Oliver äußerte sich heute zurückhaltend über die Erkrankung: Es gebe keine Neuigkeiten. Calvo hatte in den letzten Wochen Kontakt mit infizierten Politikern wie den Ministerinnen Irene Montero und Carolina Darias und der Frau von Ministerpräsident Pedro Sánchez, die ebenfalls positiv getestet wurde. Das Ergebnis von Calvos Test steht noch aus. Der Moncloapalast in Madrid, der offizielle Sitz des Ministerpräsidenten, sei zum Teil desinfiziert worden, so der Regierungssprecher: „Mehr Informationen über die Gesamtheit der 2000 Menschen, die im Palast arbeiten, können wir nicht geben."

          Spanische Gesundheitsexperten, Fachleute und Regierungsvertreter hielten am Dienstag gemeinsam eine Pressekonferenz. Fernando Simón, Direktor des ministerialen Zentrums für Gesundheitsnotfälle, sagte: „Wir befinden uns in einer harten Woche.“ Wie sich die Maßnahmen zur Eingrenzung der Infektionen auswirkten, werde sich erst in einigen Tagen feststellen lassen. Die Möglichkeiten, dass sich das Virus in Spanien über Kontakte weiter verbreite, seien deutlich reduziert worden. „Was nun in Spanien entschieden wurde, war vermutlich restriktiver als alle Maßnahmen in anderen Ländern.”

          José Manuel Santiago, Leiter des Führungsstabs der Guardia Civil, der spanischen Polizei, sagte: „Wir werden weiter alles tun, um die Verletzlichsten zu schützen“ und bezog sich dann auf die Opfer häuslicher Gewalt, die in Spanien zahlreich sind. Er wandte sich auch an spanische Jugendliche und äußerte Anerkennung für die Bereitschaft, zuhause zu bleiben – „es ist anzunehmen, dass es euch besonders schwer fällt.“ Bald werde man sich wieder mit seinen Freunden treffen können. „Diese Woche wird schwierig. Aber wir müssen weitermachen.“

          Angesichts der dramatischen Entwicklung will die Regierung die landesweite Ausgangssperre bis zum 11. April verlängern. Regierungschef Pedro Sánchez will dem Parlament am Dienstag einen entsprechenden Antrag vorlegen. Bereits seit dem 14. März gelten in Spanien weitreichende Ausgangsbeschränkungen. Die 46 Millionen Einwohner dürfen ihr Zuhause nur verlassen, um zur Arbeit zu gelangen, Einkäufe zu erledigen, Medikamente zu besorgen oder mit dem Hund Gassi zu gehen.

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