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Coronavirus : Warum es Italien so schwer erwischt hat

Ein gesundheitlicher Ausnahmezustand: Eine Apothekerin in Codogna Bild: Picture-Alliance

In Italien steigt die Zahl der Infektionsfälle täglich. Teile des Landes stehen unter Quarantäne, Verstöße werden strafrechtlich geahndet. Venedigs Karneval ist abgesagt, Profi-Fußballspiele fallen aus, die Mailänder Scala ist zu.

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          Angst, Zittern, Belagerung, Sicherheitskordon – und wieder Angst. So brüllte es am Sonntagmorgen von den Titelseiten der italienischen Tageszeitungen. An einem Wochenende, das dem Land angesichts sprunghaft steigender Infektionen mit dem neuen Coronavirus buchstäblich den Atem raubte, wurden Städte in der Region Lombardei zum „italienischen Wuhan“ umgetauft und ganz Italien zum „China Europas“ erklärt. Tatsächlich hat es kein Land in Europa so schwer erwischt wie Italien.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Bis Sonntagnachmittag wurden mehr als hundert bestätigte Infektionsfälle gemeldet, allein in der Lombardei mit der Hauptstadt Mailand waren es 89. Hinzu kamen mehr als ein Dutzend Befunde in Venetien, in der Emilia-Romagna und im Piemont. Auch in Südtirol bereiteten sich die Behörden auf mögliche eingeschleppte Infektionen vor. Die Gesundheitsbehörden empfahlen, die Universität Bozen sowie Kindertagesstätten in der kommenden Woche zu schließen.

          Am Samstag hatte die Zahl der Infektionen in ganz Italien noch bei 79 gelegen, fast alle in den wirtschaftsstarken Regionen im Norden des Landes. Drei Todesfälle wurden als Folge der von dem Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 bestätigt. Post-mortem durchgeführte Test hätten die Infektion mit dem Virus bestätigt, meldeten italienische Fernsehsender. In der Region Venetien nahe Padua starb ein 78 Jahre alter Mann. In Mailand erlag eine 77 Jahre alte Frau der Krankheit, sie war in der Stadt Codogno nahe Mailand am gleichen Tag in der Klinik gewesen wie der als „Patient eins“ bezeichnete 38 Jahre alte Mann, der bisher als erster Fall einer in Italien erfolgten Infektion gilt. Zudem sei eine ältere, vorerkrankte Frau gestorben, die in der Klinik von Crema in der Onkologie gelegen habe, sagte der Gesundheitsbeauftragte der Region Lombardei, Giulio Gallera, am Sonntag.

          Abgesagte Karnevalsumzüge und Fußballspiele

          Der Präsident der Region Lombardei, Attilio Fontana von der rechtsnationalistischen Partei Lega unter Führung des früheren Innenministers Matteo Salvini, forderte „verschärfte Kontrollen“ an den Grenzen. Um die weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen, hatte die Regierung von Ministerpräsident Giuseppe Conte in der Nacht zum Sonntag die beispiellose Maßnahme einer Isolierung des mutmaßlichen Epidemiezentrums verfügt.

          Es handelt sich um elf Städte mit zusammen gut 50.000 Einwohnern südöstlich von Mailand, die weder verlassen noch betreten werden dürfen. Gleichfalls isoliert wurde die Gegend um die Ortschaft Vo Euganeo in der östlich benachbarten Region Venetien, wo das erste Todesopfer wohnhaft war. In diesem zweiten, kleineren Epidemiezentrum sind mehr als zehn Menschen mit dem Virus infiziert.

          „Das Betreten und Verlassen dieser Gebiete ist verboten“, teilte Ministerpräsident Conte am frühen Sonntagmorgen nach eine mehr als dreistündigen Krisensitzung des Sicherheitskabinetts mit der Führung des Zivilschutzes und der Gesundheitsbehörden mit. Die Isolierung werde von den örtlichen Sicherheitskräften durchgesetzt, notfalls würden die Streitkräfte mobilisiert. Wer versuche, die Absperrungen zu umgehen, dem drohe „strafrechtliche Verfolgung“. Conte verfügte zudem die Schließung von Unternehmen und Schulen sowie die Absage von öffentlichen Veranstaltungen wie Karnevalsfeiern und Sportwettbewerben. Die Behörden sagten drei für Sonntag geplante Spiele der ersten Fußballliga „Serie A“ in den betroffenen Nordregionen ab.

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