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Coronavirus : Warum es Italien so schwer erwischt hat

Theorie von „Patient null“ widerrufen

Am Sonntagmittag verfügte der Regionalpräsident von Venetien, Luca Zaia (Lega), das vorzeitige Ende des berühmten Karnevals von Venedig. „Wir müssen uns an drastische Maßnahmen gewöhnen“, sagte Zaia, die Absage der eigentlich bis Dienstag angesetzten Karnevalsumzüge und -feste in der Lagunenstadt sei nur ein erster Schritt. Zaia gab die Zahl der Infizierten in Venetien mit 19 an, unter ihnen zwei ältere Menschen, die in einer Klinik in Venedig behandelt würden. Welche weiteren Maßnahmen er plane, sagte Zaia nicht.

Auch die Mailänder Scala hat ihre Aufführungen gestrichen. Dies gelte als Vorsichtsmaßnahme, bis die Behörden weitere Anweisungen geben würden, teilte das Opernhaus am Sonntag auf Twitter mit. Mailand ist die Hauptstadt der besonders betroffenen Region Lombardei.

Lega-Chef Salvini hatte schon am Freitag eine Kontrolle sämtlicher Grenzübergänge zu Lande sowie aller internationalen Häfen und Flughäfen nahegelegt und der Regierung vorgeworfen, sie habe beim Kampf gegen das Virus wertvolle Zeit verloren. Ministerpräsident Conte wies die Forderung nach einer Aussetzung der Schengen-Bestimmungen zum unkontrollierten Reiseverkehr zurück und verwies darauf, dass Italien am 31. Januar als erster EU-Staat Direktflüge von und nach China untersagt habe. Über Umsteigeflüge kamen jedoch weiterhin Reisende aus China nach Italien.

Die Einwohner der norditalienischen Stadt Codogno wurden dazu aufgerufen, zuhause zu bleiben und sozialen Kontakt außerhalb zu vermeiden.

Unklar ist, wo sich der als „Patient eins“ bezeichnete 38 Jahre alte Mann aus Codogno und der 78 Jahre alte Verstorbene aus Vo Euganeo infiziert haben. Die Theorie von einem „Patient null“ von Codogno wurde inzwischen wieder verworfen. Der als Überträger des Virus vermutete italienische Manager war am 31. Januar aus Schanghai zurückgekehrt und hatte sich mehrfach mit seinem Freund, dem „Patienten eins“ getroffen. Bei dem Rückkehrer aus China konnte aber keine Infektion mit dem neuen Coronavirus festgestellt werden.

Anders als bei den insgesamt 14 Infizierten in Bayern gibt es in Italien offenbar nicht einen einzigen „Patienten null“, sondern es müssen mehrere Überträger gewesen sein. Mutmaßlich wurde das Virus von Touristen oder Geschäftsleuten aus China nach Italien eingeschleppt. Nach offiziellen Statistiken leben in Italien rund 300.000 Chinesen, die meisten in den wirtschaftsstarken Nordregionen. Im vergangenen Jahr besuchten zudem mehr als drei Millionen Touristen aus China Italien.

Xi: „Es ist eine Krise für uns – und ein großer Test“

Der Ausbruch der neuartigen Lungenkrankheit ist nach Darstellung von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping die größte Gesundheitskrise in der Geschichte der Volksrepublik. Auf einem Treffen zum Kampf gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 am Sonntag in Peking sagte Xi Jinping nach Angaben des Staatsfernsehens, die Epidemie sei „der größte öffentliche Gesundheitsnotstand mit der schnellsten Verbreitung, dem breitesten Ausmaß an Infektionen und der schwierigsten Vorbeugung und Kontrolle seit der Gründung des neuen Chinas“.

„Es ist eine Krise für uns – und ein großer Test“, sagte Xi Jinping nach Angaben des Fernsehens weiter. „Die gegenwärtige Lage der Epidemie ist düster und kompliziert. Vorbeugung und Kontrolle stecken in der kritischsten Phase.“ Der Präsident räumte auch „Unzulänglichkeiten in der Reaktion auf die Epidemie“ ein. „Wir müssen unsere Erfahrungen zusammenfassen und Lektionen lernen.“

Die Epidemie werde „große Auswirkungen auf die Wirtschaft und Gesellschaft“ haben, sagte Xi Jinping ferner. Er halte diese aber für „vorübergehend und beherrschbar“, da die Grundlagen für die langfristige wirtschaftliche Entwicklung China unverändert seien.

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