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Coronavirus-Infizierte : Wieso es keine Zahlen zu den Genesenen in Hessen gibt

Bekommt nach eigenen Angaben keine Genesenen-Zahlen: Hessisches Sozialministerium Bild: Cornelia Sick

Seit ein paar Tagen enthält das Corona-Bulletin des Sozialministeriums keine Angaben mehr zum Zustand der Infizierten. Weshalb ist das so? Und wieso gibt es keine Zahlen zu Genesenen in Hessen? Wir haben nachgefragt.

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          Tag für Tag seit dem 2. März das gleiche Procedere: Das Hessische Sozialministerium meldet im Laufe des Nachmittags die neuen Zahlen zu den mit dem Coronavirus infizierten Männern, Frauen und Kindern in Hessen. Aufgeschlüsselt nach kreisfreien Städten und Landkreisen. Und mit schöner Regelmäßigkeit heißt es nach der Zahlen-Liste: „Alle Erkrankten weisen aktuell milde Verläufe mit keinen oder leichten Symptomen auf.“ Zudem war von häuslicher Quarantäne die Rede. Doch seit Wochenbeginn hat sich etwas ändert. Das hat mehrere Gründe.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Da ist zum einen die neue Zählweise: Berichtet werden nur die auf elektronischen Wege gemeldeten Infektionen. Zuvor hatte das Land auch telefonisch durchgegebene Daten berücksichtigt. Nun bleibe es bei dem elektronischen Weg, der auch gesetzlich vorgesehen sei, heißt es in Wiesbaden. Zum zweiten fehlt der Nachsatz zum Verlauf der Infektionen und dem Befinden der Patienten. Auch ist keine Rede mehr davon, ob die Infizierten daheim sind oder in einem Krankenhaus.

          Von der Wirklichkeit überholt

          Wieso hat das Land seine Linie in dieser Hinsicht geändert? Eine Sprecherin erläuterte der F.A.Z. die Gründe: Erstens sei eine Abfrage aufgrund des Anstiegs der Fälle auf zuletzt 547 nicht mehr zu leisten. Zudem verlaufe die Entwicklung sehr dynamisch. Eine Angabe, die zum Zeitpunkt der Erstellung des Bulletins um die Mittagszeit herum richtig sei, könne schon kurz darauf von der Wirklichkeit überholt werden. Zumal etwas Zeit vergehe, bis das Bulletin auf der Internetseite des Ministerium erscheine. Das ist meist gegen 15 Uhr der Fall.

          Schon die gemeldete Fallzahl kann aufgrund der Entwicklung als ungewollt falsch erscheinen. So erging es dem Land bisher zwei Mal; einmal reichte der Main-Kinzig-Kreis mehrere Infektionen nach, ein anderes Mal die Stadt Darmstadt. Folglich galt es in beiden Fällen, neu zu rechnen.

          Wer ist ein Genesener?

          Wie viele hessische Corona-Patienten in einem Krankenhaus behandelt werden oder ob das überhaupt der Fall ist, weiß das Ministerium laut Sprecherin nicht. Dies werde dem Haus nicht gemeldet. Gleiches gelte für die Frage, wie hoch die Zahl der von einer Coronavirus-Infektionen Genesenen zwischen Kassel und dem Odenwald denn sei. Das Robert-Koch-Institut als selbständige deutsche Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten liefere zwar Zahlen zu den Genesenen in China, nicht aber zu jenen hierzulande.

          Dessen ungeachtet müssten Ärzte und Wissenschaftler zunächst klären, wer als genesen einzustufen sei. Jene Patienten, die etwa aus der Quarantäne in der Frankfurter Uni-Klinik nach zwei Wochen entlassen worden, hätten sich zwar in China infiziert. Sie seien aber praktisch beschwerdefrei gewesen. „Sie sind symptomfrei und nachweislich nicht ansteckend“, hatte ein Kliniksprecher am 15. Februar mitgeteilt.

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