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Kliniken planen für Notfall : Infektionen mit Coronavirus in fast allen Bundesländern

  • Aktualisiert am

Die Zentrale Notaufnahme der Charité in Berlin-Mitte Bild: dpa

In Deutschland erhöht sich die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus auf 170. Berlin meldet zwei neue Fälle, darunter eine Lehrkraft. Kliniken, Praxisärzte und Labors wappnen sich für eine weiter steigende Zahl von Krankheitsfällen.

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          In fast allen Bundesländern gibt es seit Montagabend nachgewiesene Infektionen mit dem neuen Coronavirus. Insgesamt stieg die Zahl der erfassten Ansteckungen mit dem Sars-CoV-2 genannten Virus in Deutschland auf rund 170. Mit mehr als 90 Fällen verzeichnet Nordrhein-Westfalen bei Weitem die meisten registrierten Ansteckungen. Noch keine Meldungen gab es lediglich aus dem Saarland, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Erstmals wurden am Montag Fälle aus Brandenburg (1), Thüringen (1) und Sachsen (1) gemeldet.

          In Berlin, wo der erste Fall am Sonntagabend bekannt wurde, kamen zwei weitere Infektionen hinzu. Da eine Lehrkraft unter den Infizierten ist, bleibt nun auch in der Hauptstadt eine öffentliche Schule geschlossen. Rund 60 Menschen wurden ausfindig gemacht, die als Kontaktpersonen eines bereits infizierten 22-Jährigen gelten. Die beiden anderen Infizierten stehen nach bisherigen Erkenntnissen nicht mit diesem ersten Fall in Verbindung. Eine Lehrkraft aus Marzahn-Hellersdorf hat sich offenbar auf einer Skireise mit zwei Gruppen aus 74 Schülern sowie 6 Lehrkräften in Südtirol infiziert. Als Vorsichtsmaßnahme bleibt die Emanuel-Lasker-Oberschule in Friedrichshain, an der der Patient unterrichtet, bis auf weiteres geschlossen. Schüler und Lehrer sollen zu Hause bleiben, bis die Testergebnisse der Kontaktpersonen vorliegen.

          Große Kliniken wie die Berliner Charité haben sich schon auf eine größere Epidemie vorbereitet. Bei stark steigenden Infektionszahlen bestehe grundsätzlich die Möglichkeit, geplante Eingriffe zu verschieben, um kurzfristig weitere Bettenkapazitäten zu schaffen, hieß es. Durch die Verschiebung könne auch zusätzliches Personal für die Versorgung von Covid-19-Patienten hinzugezogen werden. Die neun landeseigenen Berliner Vivantes-Kliniken verfügen darüber hinaus nach eigenen Angaben über rund 1860 isolierfähige Zimmer. Berlin ist mit 3,7 Millionen Einwohnern die größte Stadt Deutschlands.

          Praxisärzte und Labors sehen keinen Grund zur Panik

          Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) befürchtet im Fall einer größeren Epidemie Pflege-Engpässe in deutschen Kliniken. „Wir haben natürlich Flaschenhälse. Der wichtigste davon ist die geringe Zahl der Pflegekräfte, vor allem derer, die in der Intensivmedizin arbeiten können“, sagte Lauterbach der „Passauer Neuen Presse“. „Sollten wir eine größere Epidemie bekommen, was sehr gut möglich ist, müssten wir mit großer Wahrscheinlichkeit planbare Operationen absagen und dann wohl die Krankenhäuser aufteilen in solche, die Corona behandeln, und die, die das nicht tun“, ergänzte er. Für Lauterbach sind das aber noch keine aktuellen Problemstellungen. „Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir, glaube ich, gut unterwegs.“

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          Die Praxisärzte sehen sich gewappnet für den Umgang mit dem neuen Coronavirus in Deutschland - aber Handlungsbedarf beim Nachschub an Schutzausrüstung. „Der Grundbestand, über den die niedergelassenen Kollegen in ihren Praxen verfügen, wird bundesweit nicht ausreichen, wenn die Zahl der Verdachtsfälle steigen wird“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, der Deutschen Presse-Agentur. „Und darauf deutet ja alles hin.“ Man sei daher im Gespräch mit dem Bundesgesundheitsministerium und allen Beteiligten, um rasch Abhilfe schaffen zu können und Schutzbekleidung dort vorzuhalten, wo sie gebraucht werde. Gassen betonte: „Wir nehmen die Situation ernst. Aber es besteht  unverändert kein Grund zur Panik.“

          Auch in den rund 200 bis 250 Laboren, die derzeit bundesweit mit Coronavirus-Tests beschäftigt sind, gehe es ruhig zu und es gebe keinen Grund zur Panik“, sagte der Sprecher des Berufsverbands Deutscher Laborärzte (BDL), Thomas Postina, Derzeit, betonte er mit Blick auf die Corona-Tests. „Die Labore sind nicht wegen des Coronavirus überlastet. Sie sind im Moment sehr stark durch Influenza-Tests belastet“, so Postina. Die Grippe sei ein viel größeres Problem.

          In China, wo das Virus seinen Ausgang genommen hatte, stieg die Zahl der Toten weiter um 31 auf 2943, wie die Gesundheitskommission in Peking berichtete. Mit 125 neu registrierten Infektionen nahm die Zahl der Virusfälle auf 80 151 zu. Alle neuen Todesfälle sowie die meisten Ansteckungen sind demnach in der schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina zu beklagen. Das wahre Ausmaß der Epidemie in China scheint aber unklar, da die Zählweise mehrfach geändert wurde, was sich spürbar auf die amtliche Statistik auswirkt.

          Außerhalb Chinas ist Südkorea am schwersten betroffen. Die Gesundheitsbehörden meldeten 600 neu nachgewiesene Infektionen. Die Gesamtzahl erreichte 4812. Die Zahl der Toten, die mit dem neuen Coronavirus in Verbindung gebracht werden, kletterte um 2 auf 28. Wieder wurde die Mehrheit der Fälle in der südöstlichen Millionen-Stadt Daegu und der umliegenden Region erfasst. Die größte Häufung gibt es unter Anhängern der christlichen Sekte Shincheonji-Kirche Jesu, die Verbindungen nach China hat.

          Die beiden amerikanischen Technologiekonzerne Google und Twitter haben Teile ihrer Belegschaft angewiesen, von zu Hause aus zu arbeiten. Bei dem Suchmaschinenbetreiber sind alle 8000 Mitarbeiter in Dublin betroffen, nachdem ein Kollege grippeähnliche Symptome gemeldet hatte. Der Kurznachrichtendienst schreibt wiederum Heimarbeit für alle Mitarbeiter in Hongkong, Japan und Südkorea vor. Zudem werde das Home-Office für alle Beschäftigten weltweit empfohlen, wenn dies irgendwie möglich sei.

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