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Coronavirus in Deutschland : RKI meldet erstmals seit Mai mehr als 1000 Neuinfektionen

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Im Corona-Testzentrum vom Deutschen Roten Kreuz am Franfurter Flughafen lässt ein Mann, der aus Nicaragua zurückgekommen ist, einen Abstrich für einen Corona-Test nehmen. Bild: Lucas Bäuml

Die Gesamtzahl der Fälle in Deutschland steigt damit auf 213.067. Städte, Gemeinden und Landkreise in Deutschland sind aber zuversichtlich, für eine zweite Welle der Coronavirus-Pandemie vorbereitet zu sein.

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          In Deutschland gibt es erstmals seit Mai wieder mehr als 1000 Neuinfektionen an einem Tag. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Donnerstag 1045 nachgewiesene neue Ansteckungsfälle. Damit stieg die Zahl binnen 24 Stunden auf insgesamt 213.067. Als genesen gelten 195.200 Menschen. Sieben weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Insgesamt erlagen damit 9175 Patienten dem Virus.

          Zugleich stieg die Zahl der Neuerkrankungen damit auf den höchsten Wert des Monats. Am 1. August waren 955 Erkrankte gemeldet worden. Am niedrigsten lag sie am vergangen Sonntag mit 240 Fällen. Die geringe Zahl hing in der Vergangenheit häufig mit der geringeren Meldebereitschaft am letzten Wochentag zusammen. Seitdem stieg die Zahl der gemeldeten Neuerkrankungen wieder deutlich.

          Seit Wochen erhöht sich die Zahl der akut Infizierten, die das Virus übertragen können. Sie berechnet sich aus den Gesamtinfektionen abzüglich der Genesenen und Verstorbenen. Es mehren sich daher die Stimmen, die davor warnen, eine zweite Infektionswelle könne bereits in Deutschland angekommen sein. Auch das RKI hatte unlängst nicht ausgeschlossen, dass es bereits eine zweite Welle gebe. Als Ursache für den Anstieg nannte RKI-Präsident Lothar Wieler bereits vorige Woche Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln.

          Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen (Datenstand 5.8., 0.00 Uhr) in Deutschland bei 0,9 (Vortag: 1,02). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwa einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

          Städte, Gemeinden und Landkreise in Deutschland sehen sich für den Fall weiter steigender Corona-Infektionszahlen aber gerüstet. „Darauf sind die Kommunen und die staatlichen Einrichtungen nach den Erfahrungen der ersten Infektionsfälle deutlich besser vorbereitet“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, der Deutschen Presse-Agentur.

          Landsberg verwies auf den Ausbau von Laborkapazitäten für Corona-Tests und Schutzmaterialien, die in „großem Umfang“ mithilfe des Bundes und der Länder beschafft worden seien. „Auch wenn der Beschaffungsmarkt natürlich weiter angespannt ist, sind Kommunen, Krankenhäuser und Arztpraxen wesentlich besser ausgestattet“, sagte Landsberg. Zu Krisenbeginn waren etwa Mund-Nasen-Masken Mangelware.

          Aus Erfahrungen gelernt

          Auch die Landkreise sehen sich in ihrem Pandemie-Management gut aufgestellt: „Die Erfahrungen aus den vergangenen Monaten haben den Landkreisen geholfen, ihren Umgang mit einer Zunahme von Infektionen weiter zu verbessern und zu beschleunigen“, sagte der Beigeordnete für Gesundheit beim Landkreistag, Jörg Freese.

          Zwar sei bei den Gesundheitsämtern die Personalstärke wegen der niedrigen Infektionszahlen zuletzt zurückgegangen. Bei Bedarf könne aber zeitnah wieder aufgestockt werden. „Dass dies den Landkreisen auch tatsächlich gelingt, haben die lokalen Ausbrüche und deren schnelle Eindämmung seit März 2020 gezeigt“, sagte Freese.

          Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, mahnte, dass die Gesundheitsämter bei steigenden Zahlen wieder mehr Personal für die Verfolgung von Infektionsketten bräuchten. Teichert plädierte dafür, die Gesundheitsämter grundsätzlich besser auszustatten. „Es kann nicht sein, dass man in Krisenzeiten nur Hilfspersonal dorthin verschiebt“, sagte Teichert. „Es wird fachlich qualifiziertes Personal in diesem Bereich gebraucht und zwar auf Dauer.“

          Reisebeschränkungen für unverheiratete Paare

          In der Diskussion um wegen strenger Corona-Regeln getrennte Paare ohne Trauschein gerät derweil Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zunehmend unter Druck. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, dass es die EU-Empfehlungen eindeutig ermöglichten, die geltenden Einreisebeschränkungen für die Betroffenen aufzuheben.

          Konkret geht es um Ausländer in festen Partnerschaften mit einem EU-Bürger. Ein Trauschein oder eine eingetragene Partnerschaft sind demnach keine Voraussetzung für Erleichterungen.

          Die EU-Kommission habe zuletzt am 27. Juli noch einmal alle EU-Mitgliedstaaten aufgefordert, Ausländer in einer dauerhaften Beziehung mit einem Unionsbürger einreisen zu lassen, erklärte der Sprecher. Die EU-Empfehlung erlaube auch für unverheiratete Paare Ausnahmen von der Beschränkung nicht unbedingt notwendiger Reisen.

          Betroffene Paare fordern vom Bundesinnenministerium bereits seit Wochen eine Aufhebung der Reisebeschränkungen. Seehofer verwies allerdings bis zuletzt darauf, dass er eine europäische und keine nationale Lösung wolle.

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