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Coronavirus in Deutschland : „Kein Grund zur Panik“

Tests: Die Krankenhäuser sind gut auf einen Verschärfung der Situation vorbereitet. Bild: Picture-Alliance

Das hessische Sozialministerium bewertet die Gefahr für die Bevölkerung durch das Coronavirus als „gering bis mäßig.“ Viele Hausärzte bekommen die Unsicherheit der Menschen trotzdem zu spüren.

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          Von einer „sehr dynamischen Lage“ hat der hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Die Grünen) am Mittwoch in einer Pressekonferenz zum Umgang mit dem Coronavirus gesprochen. Bisher seien alle Laborergebnisse negativ gewesen. „Aber es ist jederzeit damit zu rechnen, dass auch in Hessen Menschen positiv getestet werden.“ Man beobachte die Situation in Italien und Deutschland sehr genau.

          Marie Lisa Kehler

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Wie dynamisch die Lage tatsächlich ist, zeigte sich am Mittwochnachmittag: Die Bundespolizei stoppte im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein einen aus Frankfurt kommenden Regionalzug nach Saarbrücken mit etwa 70 Fahrgästen wegen des Verdachts auf eine Corona-Infektion eines Reisenden. Der Zug konnte am Abend seine Fahrt fortsetzen.

          Das Robert-Koch-Institut habe die Risikogebiete ausgeweitet und schließe nun neben China auch Provinzen und Städte in Italien, Iran und Südkorea ein, fügte Klose hinzu. Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland werde als „gering bis mäßig“ eingeschätzt. Es bleibe bei der „Containment-Strategie“, also alle Infizierten und deren Kontaktpersonen zu isolieren, um die weitere Verbreitung der Krankheit zu verhindern.

          Ausschließen lässt sich dies allerdings nicht. Denn Infizierte, die sich nicht krank fühlten, gingen nun einmal nicht zum Arzt, erläuterte Sandra Ciesek, Virologin am Universitätsklinik Frankfurt. Aber es gebe trotz der erhöhten Infektionszahlen „keinen Grund zur Panik“.

          Gebiete abriegeln sei „völlig ausgeschlossen“

          Ganze Gebiete oder Kommunen in Hessen abzuriegeln, hält René Gottschalk, der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, für „völlig ausgeschlossen“ und unverhältnismäßig. „Dafür ist die Erkrankung zu milde.“ Das Virus werde nicht ohne weiteres über Koffer, Tische oder Lebensmittel übertragen. „Dann hätten wir eine ganz andere Dynamik“. Tatsächlich verlaufe der Anstieg linear.

          Die Universitätskliniken in Frankfurt und Marburg können nach Cieseks Angaben jeden Tag rund 400 Schnelltests auswerten. Klose schätzt, dass von den 35.000 Krankenbetten in Hessen zirka fünf bis zehn Prozent notfalls als Isolierbetten genutzt werden könnten. „Aber davon sind wir noch weit entfernt.

          Mehr Unterstützung für Hausärzte gewünscht

          Dass die Beruhigungsversuche der Behörden manchmal auch ins Leere führen, bekommen dieser Tage viele Hausärzte zu spüren. Unter ihnen ist der Wiesbadener Allgemeinmediziner Christian Sommerbrodt, der mehr Unterstützung von offizieller Seite fordert. „Das, was wir bisher an Anfragen hatten, war Kindergarten“, sagt er. Wenn aber mehr Patienten mit dem Verdacht auf das Coronavirus in die niedergelassenen Praxen kämen, seien „verbindliche Vorgaben“ etwa zum Schutz der Mitarbeiter nötig.

          In der Praxis des Neunundvierzigjährigen stehen seit einigen Tagen die Telefone nicht mehr still. Viele Patienten, darunter zahlreiche Urlaubsrückkehrer aus Norditalien, seien verunsichert und wüssten nicht genau, wie sie sich korrekt verhalten sollten. Manch einer sei nach einem Telefonat mit dem Mediziner beruhigt, andere kämen persönlich und ohne Voranmeldung in die Praxis. Aber genau da liege das Problem, so Sommerbrodt: Die Datenschutzverordnung erlaube es den Sprechstundenhilfen nur eingeschränkte Fragen über die Beschwerden der Patienten zu stellen. Befürchtet jemand, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, werde das im Zweifelsfall erst im Arztgespräch vorgetragen, sagt Sommerbrodt. „Dann hatten die Menschen theoretisch ausreichend Zeit, alle im Wartezimmer zu infizieren.“

          „Es wird nicht der Weltuntergang“

          Der Mediziner fordert deshalb eine breit angelegte Aufklärungskampagne von der Bundesregierung, um der Bevölkerung zu helfen, das Risiko besser einzuschätzen und sich entsprechend zu verhalten. Anzurufen, statt im Verdachtsfall unangemeldet vorbeizukommen, sei der erste Schritt, den es zu lernen gelte. Jeden weiteren könne man am Telefon besprechen. „Es geht darum, die Patienten schon früh abzufangen und zu isolieren.“

          Er selbst hofft, den Coronavirus-Schnelltest seinen Patienten noch in dieser Woche anbieten zu können. Bisher sei das ausschließlich den Krankenhäusern vorbehalten gewesen. Seit sich die Lage in Italien aber zugespitzt habe, seien auch die Hausärzte angehalten, im Zweifelsfall einen Rachenabstrich zu nehmen und ins Labor zu schicken. Sommerbrodt glaubt, dass sich die Situation in den nächsten Wochen weiter zuspitzen könnte, aber der Neunundvierzigjährige versucht gelassen zu bleiben. „Es wird unangenehm, es wird nicht schön, es wird aber auch nicht der Weltuntergang.“

          Folgen für die Lufthansa

          Während die medizinischen Notfallpläne für eine drohende Pandemie schon vorliegen, aber bisher nicht zum Einsatz kommen, hat die Lufthansa Sofortmaßnahmen beschlossen, um die wirtschaftlichen Folgen des Virus zu mildern. So werden beispielsweise alle geplanten Neueinstellungen zunächst noch einmal geprüft, ausgesetzt oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Darüber hinaus bietet die Lufthansa ihrer Belegschaft von sofort an unbezahlten Urlaub an. Zudem werden alle von April an vorgesehenen Stations- und Flugbegleiter-Lehrgänge abgesagt. In den administrativen Bereichen kürzt die Airline das Projekt-Volumen um zehn Prozent, das Sachkostenbudget um ein Fünftel. Die Lufthansa-Gruppe hatte zuvor schon wegen des Coronavirus alle Verbindungen von Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines auf das chinesische Festland bis zum 28. März gestrichen. Wegen verringerter Nachfrage wurde inzwischen auch die Hongkong-Verbindungen angepasst. Weitere Frequenzanpassungen von und nach Frankfurt, München und Zürich seien geplant, hieß es am Mittwoch.

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