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Ausgangssperre in Kalifornien : „Lassen Sie den gesunden Menschenverstand walten“

  • -Aktualisiert am

Mit 50 Millionen Dollar will Kalifornien vorübergehend Unterkünfte für Obdachlose mit Symptomen zur Verfügung stellen. Bild: AFP

Von Hollywood bis San Francisco: Fast 40 Millionen Kalifornier müssen zuhause bleiben. Wie lange die Maßnahmen gelten, ließ der Gouverneur offen. Besondere Sorge bereit den Behörden die Versorgung der 150.000 Obdachlosen.

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          Ganz unerwartet traf die Ausgangssperre Kalifornien nicht. Einige Stunden bevor Gouverneur Gavin Newsom am Donnerstagabend vor die Mikrofone trat, um die Verordnung N-33-20 zu verkünden, hatte der Bezirk Los Angeles im Süden des Pazifikstaats schon mehr als zehn Millionen Bewohner aufgefordert, zuhause zu bleiben.

          Im Norden wurden die Straßen bereits Anfang der Woche leergefegt, als San Francisco und einige Nachbarbezirke für insgesamt mehr als sieben Millionen Menschen „Schutz an Ort und Stelle“-Anordnungen erließen. Alleingänge einzelner Städte und Bezirke, sagte Newsom jetzt, reichten aber nicht länger aus, um das Coronavirus einzudämmen. „Ein großer Bundesstaat wie unserer besteht aus vielen Teilen, die eine Einheit darstellen. Vor dem Hintergrund von Gegenseitigkeit und Wechselbeziehungen ist es nötig, für den gesamten Bundesstaat anzuordnen, dass die Menschen zuhause bleiben“, sagte der 52 Jahre alte Demokrat.

          Die Verordnung für den bislang einmaligen Lockdown eines amerikanischen Bundesstaats sieht vor, dass von Freitag an fast 40 Millionen Kalifornier das Haus nur noch verlassen, um Lebensmittel und Medikamente zu kaufen. Zudem dürfen sie Tankstellen, Münzwascheinrichtungen und Banken aufsuchen. Auch Arztbesuche und die Versorgung älterer Angehöriger bleiben von dem Verbot ausgenommen. Von der Ausgangssperre befreit wurden auch 16 Berufsgruppen, unter ihnen medizinisches Personal, Einsatzkräfte sowie Angestellte der Lebensmittelbranche und Energieversorgung. „Man darf auch weiter mit den Kindern und dem Hund an die frische Luft gehen. Dabei sollte man aber gesunden Menschenverstand walten lassen und anderen nicht zu nahekommen“, sagte Gouverneur Newsom. Bis Donnerstag waren in Kalifornien 19 Menschen an Covid-19 verstorben, bei mehr als 1000 Bewohnern des Westküstenstaats war eine Corona-Infektion diagnostiziert worden.

          Bis zu 25,5 Millionen Infizierte in Kalifornien befürchtet

          Schon am Mittwoch hatte der Gouverneur vor einer unter Umständen dramatischen Infektionsrate unter den mehr als 150.000 Obdachlosen in Kalifornien gewarnt. Bis zu 60.000 der „Homeless“, die in Städten wie Los Angeles, Sacramento und San Francisco trotz der Coronakrise weiterhin in Zelten kampierten, könnten sich infizieren und das Gesundheitssystem lahmlegen. Newsom kündigte jetzt ein Budget von 150 Millionen Dollar an, um Städte und Gemeinden bei der Versorgung von Obdachlosen zu unterstützen. Etwa 50 Millionen Dollar sollen für Wohnwagen und Hotelzimmer ausgegeben werden, um Obdachlose mit Symptomen wie Husten und Fieber vorübergehend zu isolieren.

          Wie Städte und Gemeinden, deren Schulen weiterhin geöffnet sind, die Ausgangssperre umsetzen, blieb dagegen vorerst offen. Auch wie lange die Verordnung N-33-20 befolgt werden muss, ließ der Gouverneur ungeklärt. Einige Stunden vor dem Lockdown hatte Newsom den Kongress bereits aufgefordert, für Kaliforniens Kampf gegen das Coronavirus eine Milliarde Dollar aus Bundesmitteln bereitzustellen.

          In einem Brief bat er den amerikanischen Präsidenten Donald Trump zudem, das Krankenhausschiff „Mercy“ der Marine bis Anfang September in den Hafen von Los Angeles zu verlegen. Nach Berechnungen der kalifornischen Gesundheitsbehörden und der Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) könnten in den kommenden Wochen und Monaten bis zu 25,5 Millionen Bewohner des bevölkerungsreichsten Bundesstaats Amerikas infiziert werden. Angeblich fehlen Kalifornien aber fast 20.000 Krankenhausbetten, um Erkrankte versorgen zu können.

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