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Nach Änderung der Zählweise : Zahl neuer Coronavirus-Fälle in China auf tiefstem Stand seit einem Monat

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Fahrrad- und Mopedfahrer sind mit Atemmasken auf den Straßen Pekings unterwegs: Die Zahl der Neuerkrankungen am Coronavirus fiel auf den tiefsten Stand seit einem Monat. Bild: dpa

Der starke Rückgang geht allerdings auf eine wiederholt geänderte Zählmethode der Behörden zurück, die für Verwirrung sorgt. Derweil sind zwei Passagiere der „Diamond Princess“ in Japan gestorben und Südkorea meldet 38 neue Fälle aus einer Sekte.

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          Dem Coronavirus sind in China nach offiziellen Angaben wieder mehr als 100 Menschenleben zum Opfer gefallen. Während am Mittwoch noch 1749 neue Infektionen mit dem Erreger bestätigt wurden, waren es am Donnerstag nur noch 394 Fälle. Der auffällig starke Rückgang neu bestätigter Erkrankungen ist offenbar auf eine neue Zählmethodik der chinesischen Behörden zurückzuführen. Fälle, bei denen zwar die Symptome der Viruserkrankung vorlägen, die Tests jedoch ein negatives Ergebnis ergeben hätten, sollen nicht mehr als offiziell bestätige Fälle in die Statistik einfließen, wie aus einem am Mittwoch veröffentlichen Papier der Gesundheitskommission hervorgeht.

          Die besonders betroffene Provinz Hubei, wo das Virus ursprünglich in der Millionenstadt Wuhan ausgebrochen war, hatte vergangene Woche damit begonnen, auch solche Diagnosen zu zählen, die auf einer Kombination von Faktoren wie etwa Lungenbildern und dem körperlichen Zustand beruhen. Nun sollen wieder nur Labortests maßgeblich sein, die aber laut Experten in der Vergangenheit auch offensichtliche Erkrankungen nicht immer gleich erkannt haben. In Hubei gingen die neuen Infektionen nach der neuen Zählweise am Donnerstag im Vergleich zum Vortag von 1649 auf 349 zurück.

          Insgesamt haben in China nach den offiziellen Angaben bislang 74.576 Menschen die Covid-19 genannte Lungenkrankheit, die vom Coronavirus ausgelöst wird. Außerhalb des chinesischen Festlands sind bislang mehr als 1000 Infektionen und acht Todesopfer bekannt, davon 16 Infektionen in Deutschland.

          Coronavirus wird wie Grippe übertragen

          Nach Angaben japanischer Medien starben zwei Passagiere des Kreuzfahrschiffes „Diamond Princess“ an der Infektion mit dem Coronavirus. Es handle sich um ein Mann und eine Frau, die mehr als 80 Jahre alt gewesen seien, berichtete der japanische Sender NHK unter Berufung auf Regierungskreise. Das Schiff hatte zwei Wochen lang vor Yokohama unter Quarantäne gestanden. Mehr als 600 der Menschen an Bord wurden positiv auf den Erreger getestet. Die nicht infizierten Passagiere dürfen das Schiff mittlerweile verlassen.

          Einer chinesischen Studie zufolge wird das neuartige Coronavirus eher wie die Grippe übertragen und damit leichter als etwa der verwandte Sars-Erreger. Während dieses sich in unteren Atemwegen festsetze, sei das neue Virus auch in den oberen Atemwegen nachweisbar, hieß es laut der Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“. Dies würde bedeuten, dass es leichter übertragbar ist als das Sars-Virus.  

          Zahlreiche Coronavirusfälle in südkoreanischer Sekte

          In Südkorea sind 38 Mitglieder der Religionsgemeinschaft Shincheonji Church of Jesus in der Stadt Daegu an dem Virus erkrankt, wie die Behörden am Donnerstag mitteilten. Sie steckten sich demnach bei einer 61 Jahre alten Anhängerin der Sekte an, die Virustests zunächst verweigert hatte und weiter zu religiösen Messen gegangen war.

          Nach Behördenangaben wurden rund tausend Menschen, die zuvor die gleichen Gottesdienste wie die erkrankte Frau besucht hatten, aufgerufen, sich in eine selbst auferlegte Quarantäne zu begeben. Die Behörden forderten die Einwohner von Daegu auf, möglichst zu Hause zu bleiben.

          „Wir bedauern zutiefst, dass wegen eines unserer Mitglieder, das seinen Zustand für eine Erkältung hielt, viele in unserer Kirche infiziert wurden“, hieß es in einer Erklärung. Die Frau hatte Medienberichten zufolge vor ihrer Coronavirus-Diagnose mindestens vier Gottesdienste besucht. Zuvor habe sie über Fieber geklagt, sich aber zweimal geweigert, sich auf das Coronavirus testen zu lassen.

          Bislang wurden 37 weitere Fälle innerhalb der örtlichen Shincheonji-Gemeinde bestätigt, zudem soll die Frau im Krankenhaus einen weiteren Patienten angesteckt haben. Insgesamt haben sich in Südkorea bislang mindestens 82 Menschen mit dem Virus infiziert, teilen die Zentren für Seuchenkontrolle (KCDC) mit.

          China senkt Referenz-Zins zur Stärkung der Wirtschaft

          Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Virusepidemie hat die chinesische Notenbank einen weiteren Zinssatz reduziert. Sie senkte am Donnerstag den einjährigen Referenz-Zinssatz Loan Prime Rate (LPR) auf 4,05 Prozent von 4,15 Prozent im Vormonat und den fünfjährigen auf 4,75 Prozent von 4,8 Prozent. Die Notenbank hatte jüngst vorsorglich den Zinssatz für mittelfristige Darlehen (MLP) um zehn Punkte auf 3,15 Prozent erneut reduziert. Damit sollen Kreditgeschäfte in Milliardenhöhe erleichtert werden. Die Epidemie wird nach früherer Darstellung der Notenbank nur in beschränktem Maße auf die Konjunktur durchschlagen. China will sich zudem nicht von seinen Wachstumszielen abbringen lassen.

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