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Infektionen mit Coronavirus : China riegelt Millionenmetropole Wuhan ab

Arbeiter desinfizieren einen Bahnhof im chinesischen Wuhan. Bild: AP

Neue Eskalationsstufe im Kampf gegen das Coronavirus: Die Millionenmetropole Wuhan steht praktisch unter Quarantäne, Bahnhöfe und Flughäfen sind geschlossen, die Bewohner dürfen nur noch mit Masken auf die Straße. Derweil steigt die Zahl der nachgewiesenen Erkrankungen weiter.

  • Aktualisiert am
          4 Min.

          Die chinesische Regierung hat die besonders schwer von der neuen Lungenkrankheit betroffene Millionenmetropole Wuhan abgeriegelt. Wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete, sollten ab Donnerstagmorgen 10 Uhr Ortszeit Flüge, Züge, Fähren und Fernbusse gestoppt werden. Bewohner Wuhans dürfen die zentralchinesische Stadt nur noch unter Angabe besonderer Gründe verlassen. In der Stadt, in der das neuartige Coronavirus vermutlich auf einem Tiermarkt ausgebrochen war, leben rund elf Millionen Menschen.

          In den Stunden nach Bekanntwerden des Reiseverbots bildeten sich auf den Ausfallstraßen Staus. Die Bewohner wurden aufgefordert, nur noch mit Schutzmasken in die Öffentlichkeit zu gehen. Wer in Hotels, Restaurants, Einkaufszentren oder Parks keine Maske trage, werde bestraft, berichtete die Zeitung „China Daily“. Viele bleiben aus Angst vor Ansteckung ganz zu Hause. Wuhan ist von der Krankheit besonders schwer betroffen. Das Virus hat sich aber mittlerweile in großen Teilen Chinas und auch über die Landesgrenzen hinaus verbreitet. Die Krankheit wurde bereits in Japan, Südkorea, Taiwan, Thailand und den Vereinigten Staaten nachgewiesen.

          Hongkong hat den Ticketverkauf für High-Speed-Züge nach Wuhan eingestellt, Macau hat sogar sämtliche Festivitäten zum chinesischen Neujahrsfest abgesagt, das am kommenden Wochenende gefeiert wird. Zu diesem Anlass reisen jedes Jahr Hunderte Millionen Chinesen zu Familienangehörigen in anderen Landesteilen.

          Weil immer mehr Menschen mit Grippesymptomen auf das neue Virus getestet werden, nimmt die Zahl der bestätigten Fälle weiter zu. Bis Donnerstag wurde das Virus bei 571 Menschen nachgewiesen, wie die chinesische Gesundheitsbehörde berichtete. Darunter seien 95 schwere Fälle, die alle in der Provinz Hubei mit der besonders schwer betroffenen Metropole Wuhan liegen. Die Zahl der Toten war bis Mittwochmittag abermals sprunghaft angestiegen. In der Provinz Hubei seien 17 Todesfälle registriert worden, berichtete das staatliche Fernsehen unter Berufung auf örtliche Behörden. Zuvor war von neun Toten die Rede gewesen.

          Das Virus hatte sich von Wuhan auf weitere Metropolen ausgeweitet, darunter Peking, Shanghai, Macau und Hongkong. Auch im Ausland sind Fälle des Virus nachgewiesen worden. In Thailand sind vier Erkrankte registriert worden, in den Vereinigten Staaten, Taiwan, Südkorea und Japan jeweils einer. In Mexiko wurde am Mittwoch ein Verdachtsfall geprüft. In Europa gibt es bislang keine Nachweise.

          Bereits vor dem nun verhängten Reisestopp hatte es seitens der chinesischen Behörden Aufforderungen an die Bürger gegeben, möglichst nicht mehr zu reisen. „Fahren Sie nicht nach Wuhan und verlassen Sie Wuhan nicht“, hatte der stellvertretende Gesundheitsminister Chinas Li Bin unter Verweis auf die Empfehlung eines leitenden Wissenschaftlers am Mittwoch gesagt. Darüber hinaus hatten chinesische Gesundheitsbehörden die Bewohner Wuhans aufgefordert Menschenansammlungen zu meiden. Etwa 85 Prozent der nachgewiesenen Infektionen sind bisher in der Stadt aufgetreten.

          WHO zögert, „Notlage von internationaler Tragweite“ auszurufen

          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief trotz der rasanten Zunahme von nachgewiesenen Infektionen mit dem neuen Virus vorerst keine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ aus. Der Notfallausschuss, der die WHO berät, sah dafür am Mittwoch keinen Anlass, wollte aber am Donnerstag abermals tagen: Man brauche noch mehr Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Der Notfall-Ausschuss empfahl, den Informationsaustausch unter den Staaten weiter zu verbessern, wie der Vorsitzende Didier Houssin sagte. Allerdings seien sich die Mitglieder des Notfallausschusses in der Beurteilung der Situation nicht einig gewesen.

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