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Angst wegen Coronavirus : Die Ausnahmesituation

Reichlich Desinfektionsspray soll eine Maschine der Thai Airways International wieder bereit für Passagiere machen. Bild: Getty

Das Coronavirus bestimmt den Alltag – in China und anderen Ländern. Die letzten Tage aus fünf Perspektiven.

  • Aktualisiert am
          6 Min.

          Panik und leergefegte Straßen in Peking

          Die Absage kommt per WeChat: „Wegen des Virus ist mir nicht mehr so wohl dabei, unter Leute zu gehen“, schreibt die Freundin. „Ich will das Schicksal nicht zu sehr herausfordern.“ Wenn die anderen Gäste das genauso sehen, waren alle Einkäufe und Vorbereitungen für das gemeinsame Abendessen umsonst. Ein Hauch von Panik liegt über Peking. Dabei liegt das Epizentrum des Ausbruchs, Wuhan, mehr als 1000 Kilometer südlich von hier.

          In der chinesischen Hauptstadt, wo ich als Auslandskorrespondentin der F.A.Z. lebe, wurden bisher 139 Infektionsfälle bestätigt. Eine Person ist an den Folgen der Lungenkrankheit gestorben. Für eine Stadt mit mehr als 20 Millionen Einwohnern sind das nicht viele. Trotzdem sind die Straßen wie leergefegt. Am Flughafen, wo man sonst in einer Schlange mit Hunderten anderen steht, um ein Taxi zu ergattern, hat man nun zehn Fahrer zur Auswahl. Der Flug aus Hongkong war nur zu einem Fünftel besetzt. Es fühlte sich an, als reise man in ein Kriegsgebiet. Ein Passagier hat an Bord gehustet, wie man halt so hustet. Die Sitzreihen um ihn herum waren sofort leer.

          Kurz nach der Ankunft in Peking klingelt das Nachbarschaftskomitee. Ob einer von uns in den vergangenen zwei Wochen in Wuhan war, will der Mann wissen. Er hat eine Liste mit den Namen aller Bewohner dabei. Wer die Frage bejaht, wird unter Quarantäne gestellt. Die meisten Leute bleiben einfach zu Hause. Die Schulferien wurden um mindestens zwei Wochen verlängert. Viele Geschäfte sind geschlossen. Niemand weiß, wie lange das noch dauern soll. Tage? Wochen? Gar Monate? Die Haushälterin kommt vorerst nicht. Sie ist zum chinesischen Neujahrsfest zu ihrer Familie nach Anhui gefahren. Ihre Rückreise hat sie verschoben, wegen des Virus. Sie ist nicht die Einzige. Die Pekinger putzen jetzt selbst. Am Eingang des Wohnblocks wird beim Reinkommen die Temperatur gemessen, bei Starbucks auch. Die Qualität der Messgeräte scheint allerdings fragwürdig. 36,4 zeigt das eine. 37,1 das andere. Es beschleicht einen das mulmige Gefühl, dass von dieser scheinbar willkürlichen Zahl abhängt, ob man für zwei Wochen isoliert wird.

          Zahlenspiel: Wer in Peking mit der U-Bahn fahren will, muss fieberfrei sein.

          Im Restaurant wird mit der Speisekarte ein Desinfektionsmittel gereicht. Die wenigen Leute, die man auf der Straße und im Supermarkt trifft, tragen alle Atemschutzmasken. Manche auch Handschuhe. Schon das Drücken des Liftknopfes erscheint ihnen als Vabanquespiel. Der Kassierer schwitzt unter seiner Maske, an deren Luftfilter hat sich ein Tröpfchen gebildet. Sofort wechselt eine Kundin die Kasse. Ein ARD-Beitrag über die letzte Lufthansa-Maschine vor der Aussetzung der Flüge nach China sorgt in der deutschen Community in Peking für Unruhe. Man fühlt sich im Stich gelassen, verraten beinahe. Friederike Böge

          Diskriminierung im Supermarkt

          Wie verletzend die Angst vor dem Virus für Asiaten in Deutschland ist, hat Yen Souw Tain, der Besitzer eines Asia-Supermarktes in Köln, erlebt. Eine Mutter kam mit ihrer Tochter in den Laden und forderte sie auf, ihren Schal übers Gesicht zu ziehen. Die Tochter habe daraufhin gefragt, ob in dem Geschäft alle Chinesen krank seien. Tain stand einen Gang weiter und konnte nicht glauben, was er hörte. „Ich war geschockt“, sagt er am Telefon. Dass die Tochter fragte, könne er verstehen. Dass die Mutter nicht reagierte, machte ihn sprachlos. „Sie muss das Kind doch aufklären“, sagt er und fordert, Asiaten nicht unter Generalverdacht zu stellen.

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