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Feindseligkeiten im Saarland : „Franzosen wurden wie Aussätzige behandelt“

Ein Mann geht Anfang April über die damals noch gesperrte Brücke zwischen dem saarländischen Kleinblittersdorf und dem französischen Grosbliederstroff. Bild: dpa

Im Saarland kam es nach der Grenzschließung offenbar zu unschönen Szenen: Franzosen sollen beschimpft, auf der Straße angehalten und mit Eiern beworfen worden sein. Vertreter beider Länder äußern sich besorgt und setzen sich für Lockerungen im Grenzverkehr ein.

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          Die Freundschaftsbrücke zwischen Kleinblittersdorf und Grosbliederstroff, die das Saarland mit Lothringen verbindet, soll ihrem Namen wieder gerecht werden. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat am Freitag angekündigt, die Brücke für Grenzgänger zu öffnen. „Die Zusammenarbeit in der Grenzregion über die Grenze hinweg ist trotz oder sogar wegen der Corona-Pandemie besonders wichtig“, so Hans. Gerade den Menschen, die tagtäglich zur Arbeit über die Grenzen pendeln, dürften nicht Steine in den Weg gelegt werden.

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          „Das ist ein wichtiges Signal“, sagt der französische Abgeordnete Christophe Arend von der Präsidentenpartei La République en marche. „Aber unser Ziel muss es sein, alle Grenzübergänge zu öffnen“, sagt er im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Arend leitet die deutsch-französische Parlamentariergruppe sowie die neue Deutsch-Französische Parlamentarierversammlung und ist besorgt über die Rückschritte im grenznahen Austausch. „Das Virus kennt keine Grenzen. Wir brauchen dringend gemeinsame Regeln und nicht einen Abschottungswettbewerb“, sagt er.

          Französische Mitarbeiter müssen zu Hause bleiben

          Auf sein Drängen hin wurde der Übergang zwischen Großrosseln und Petite-Rosselle wieder geöffnet, doch nur tagsüber. Für die Pendler mit Früh- oder Nachtschicht sei das keine befriedigende Lösung. „Es hat unendlich viel Kraft und Energie gebraucht, um einen so kleinen Schritt durchzusetzen“, sagt Arend. Die unilateral von Deutschland am 16. März verhängte Schließung der Grenze stelle die deutsch-französische Freundschaft auf eine harte Probe, denn sie zerstöre alle Alltagsgewohnheiten.

          In seinem lothringischen Wahlkreis berichteten ihm Pendler von oftmals bis zu 50 Kilometer langen Umwegen, um zu ihrem Arbeitsplatz im Saarland zu gelangen. „Franzosen wurden zuerst wie Aussätzige behandelt“, sagt Arend. Inzwischen habe sich die Lage gebessert. Aber für die 2000 französischen Mitarbeiter des Automobilzulieferers ZF in Saarbrücken sei es hart gewesen, als sie ohne Vorwarnung aufgefordert worden seien, ihrem Arbeitsplatz fernzubleiben. Jetzt läuft der Betrieb bei ZF wieder an, aber nur für die deutschen Beschäftigten.

          Pendler, darunter auch 150 französische Beschäftigte des Klinikums Saarbrücken, müssten weiterhin große Umwege in Kauf nehmen. Die französische Presse berichtete zudem über unfreundliche bis feindselige Reaktionen, mit denen Franzosen im Saarland rechnen müssten. Vor einigen Tagen erregte Michael Clivot, Bürgermeister der Grenzgemeinde Gersheim, Aufsehen, weil er sich in einer Videobotschaft an die Bevölkerung wandte: Es habe sich eine „gewisse Feindseligkeit gegenüber unseren französischen Freunden breitgemacht“. Manche Franzosen würden beschimpft oder auf der Straße angehalten. Clivot sagt zwar, dass einige Franzosen zum nicht erlaubten Einkaufen nach Deutschland kämen, das würden Saarländer aber auch in Frankreich tun.

          Das Vorurteil vom „schmutzigen Franzosen“

          Der aus dem Saarland stammende Heiko Maas und die stellvertretende saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (beide SPD) meldeten sich zu Wort und kritisierten solche Vorfälle scharf. Arend sagte, ihn beunruhige, wie schnell Vorurteile vom „schmutzigen Franzosen“ zurückgekehrt seien. Die französische Generalkonsulin in Saarbrücken, Catherine Robinet, bestätigte „Einzelfälle“.

          Lesen Sie hier ein ausführliches Interview mit dem saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (+).

          Autos mit französischen Kennzeichen seien mit Eiern beworfen, französischsprechende Kunden in Supermärkten beschimpft und zur Rückkehr nach „Corona-Frankreich“ aufgefordert worden. Robinet liegen auch Berichte Beschäftigter einer deutschen Reinigungsfirma im Saarland vor, die „von heute auf morgen“ den französischen Mitarbeitern den Zutritt verweigert haben soll.

          Brief an Seehofer wegen Grenzschließung

          Der deutsche Vorsitzende der Deutsch-Französischen Parlamentarierversammlung, Andreas Jung (CDU), hat Innenminister Seehofer in einem Brief nun nachdrücklich aufgefordert, „die menschliche Dimension“ der Grenzschließung stärker zu berücksichtigen. So müsse die Bundesregierung dringend klären, was sie als „triftigen Grund“ für einen Grenzübertritt gelten lasse, heißt es in dem Schreiben, das auch die CDU-Abgeordneten Armin Schuster und Felix Schreiner, die Wahlkreise im grenznahen Gebiet zu Frankreich haben, unterzeichnet haben.

          Jung weist auf die schwierige Situation für geschiedene deutsch-französische Eltern hin, die sich das Sorgerecht für die Kinder teilen. Ähnliche Härtefälle gebe es auch bei Familien, die betagte Angehörige auf der anderen Seite der Grenze besuchen wollten. Es dürfe nicht dem Ermessen der Polizisten überlassen werden, sondern müsse grundsätzlich geklärt werden, wann Grenzübergänge gestattet seien. An der Grenze zwischen Großrosseln und Petite-Rosselle soll ein Polizist einen Franzosen beleidigt haben. So zumindest der Vorwurf des mutmaßlich Geschädigten. Mittlerweile wurde ein Strafverfahren gegen unbekannt eingeleitet.

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